Das Autobahnende der A 143 bei Halle
Die A143 endet von der A38 ausgehend derzeit in Höhe der B80. Bildrechte: IMAGO

Westumfahrung Halles Neuer Anlauf für A143-Lückenschluss

Seit elf Jahren gilt für die Autobahn 143 westlich von Halle ein Baustopp. Das ursprüngliche Konzept wurde für rechtswidrig erklärt, nachdem Umweltschützer dagegen geklagt hatten. Nun gibt es ein neues Planungspapier. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister zeigte sich am Montag optimistisch und appellierte an die Kritiker, nicht gegen das Vorhaben zu klagen.

Das Autobahnende der A 143 bei Halle
Die A143 endet von der A38 ausgehend derzeit in Höhe der B80. Bildrechte: IMAGO

Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel geht davon aus, dass die Bauarbeiten für die sogenannte Westumfahrung von Halle Ende 2019 wie geplant beginnen können. Der CDU-Politiker sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Montag, er rechne nicht mit Klagen gegen den Weiterbau der A143: "Wir appellieren, dass möglichst niemand gegen dieses Vorhaben klagt." In einer Mitteilung sprach der Minister zudem von einem "besonderen Tag für ganz Sachsen-Anhalt". Nach den Worten des Ministers ist das Planfeststellungsverfahren für das zwölf Kilometer lange Teilstück zwischen Bennstedt und Beidersee im Saalekreis inzwischen abgeschlossen. Die gesamten Unterlagen würden 56 Ordner füllen, hieß es.

Den Belangen von Natur und Umwelt ist hier in einer bislang nie da gewesenen Weise Rechnung getragen worden.

Thomas Webel, Verkehrsminister Sachsen-Anhalts

Neue Klagefrist läuft ab Ende April

Grafische Darstellung der geplanten Streckenführung der A143.
Noch hat die sogenannte mitteldeutsche Schleife eine Lücke  – die Westumfahrung Halles. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie der Präsident des Landesverwaltungsamtes, Thomas Pleye, ankündigte, wird das Planfeststellungsverfahren vom 26. April bis zum 9. Mai in der Stadt Wettin-Löbejün und in den Gemeinden Petersberg, Teutschenthal und Salzatal öffentlich ausgelegt. Gegen den Beschluss könne innerhalb eines Monats nach Zustellung Klage eingereicht werden. In diesem Fall muss der Beschluss nach den Worten Pleyes vom Gericht überprüft werden.

Andreas Irngartinger von der Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, ohne Klage sei mit einem Baubeginn Ende 2019 zu rechnen. Dann könnten die ersten bauvorbereitenden Maßnahmen beginnen, etwa das Umverlegen von Leitungen. "Wir gehen von einer Bauzeit von fünf bis sechs Jahren aus", erklärte Irngartinger weiter. Bis dahin müssten die Planungen verfeinert werden, auch müssten Aufträge ausgeschrieben werden. Die DEGES plant und baut den Abschnitt der A143 im Auftrag von Bund und Land. Die Trasse gehört zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 13.

Juristisches Ringen um den Umweltschutz

Die Bundesautobahn 143 soll die A14 im Norden mit der A38 im Süden Sachsen-Anhalts verbinden und die Stadt Halle von Verkehr und Staus entlasten. Auch soll die Luftqualität verbessert werden. Die Kosten werden derzeit auf 350 Millionen Euro beziffert, 2009 ging man noch von knapp 240 Millionen Euro aus. Das nördliche Teilstück zwischen Bennstedt und Beidersee hätte eigentlich bereits 2005 fertig sein sollen. Gerichtlich wurden die Bauarbeiten aber gestoppt. Außerdem bezweifelten Bürgerinitiativen den Entlastungseffekt für den Verkehr. So endet die A143 derzeit von der A38 ausgehend nach neun Kilometern in Höhe der Bundesstraße 80.

Ein Autobahnende Schild an einer Autobahn.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Mo 16.04.2018 19:00Uhr 02:31 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Im Januar 2007 hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig den Weiterbau untersagt und damit einer Klage des Naturschutzbundes NABU stattgegeben. Hintergrund ist, dass das Teilstück im Naturpark Unteres Saaletal durch zwei Schutzgebiete nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) führen soll. In dem Gebiet wächst der sogenannte Magerrasen. Dieser ist laut Naturschutzbund NABU Lebensraum vieler seltener Tiere und Pflanzen und nach europäischem Recht streng geschützt. Das Gericht sah tatsächlich Mängel mit Blick auf die Anforderungen des europäischen Naturschutzrechtes und erklärte den Planfeststellungsbescheid für rechtswidrig. Die weitergehende Klage des Naturschutzbundes, den Planfeststellungsbeschluss insgesamt aufzuheben, blieb dagegen ohne Erfolg.

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Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. April 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 20:52 Uhr

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9 Kommentare

18.04.2018 18:53 Walter 9

@6. Ein Beispiel der Pleite gegangenen Kommunalbetriebe Gera sind ganz schlechte Fakten.
Planungskapazitäten vernichteten, wie @3 geschrieben, durch ständiges Umplanen die Ökoterroristen.
Ich baue seit 25 Jahren in leitender Tätigkeit Brücken. Wo ich vor 15 Jahren den Entwurf sah, war klar, die baust du. Ich habe nur noch 15 Jahre Zeit. Ob das reicht?
Man redet über Stickstoffbelastung von Städten, mit Diskussionen über Fahrverbot, und verhindert Umgehungsstraßen, nicht nur Autobahn.
Irre!!!

18.04.2018 09:59 Bernd 8

@6 aha die Transporte von den Chemiestandorten in Leuna und Schkopau sollen dann also die Geraer Strassenbahn nutzen. Sicher waere eine Verlagerung auf die Schiene sinnvoll, aber da die Bahn immer mehr Infrastruktur abbaut (Güterbahnhöfe) kaum noch möglich. Das schlimme dass die Politiker die Bahn gewähren lassen. Und die A143 wäre eine Reaktion auf aktuell vorhandene Verkehrsstr6mme, also nichts mit sinnlos.

18.04.2018 07:49 pkeszler 7

@Enrico Pelocke 6:
"Statt diesem sinnlosen Autobahnbau sollen sich die zuständigen lieber um ordentliche Verkehrswege kümmern und die Autobahn vergessen."
Das fehlende Teilstück der Autobahn A 443 ist nicht sinnlos, sondern geradezu erforderlich, damit die Bürger etwas davon haben, aber auch der Straßenverkehr verbessert wird.
Das gleiche hat man vor Jahren auch bei der A 14 gesagt und heute ist sie eine vielbefahrene Autobahn. Das hat mit den Zugverbindungen gar nichts zu tun, in die die Bahn investieren muss, um sie den modernen Bedingungen anzupassen. Und die Straßenbahn in Gera ist eine kommunale Aufgabe von Gera, mit der der Autobahnbau ebenfalls nichts zu hat.