Mutter und Lebensgefährte angeklagt Tod von Zweijährigem in Querfurt: Anklage wegen Mordes und schweren sexuellen Missbrauchs erhoben

Die Tat schockierte im Sommer nicht nur die Menschen in Querfurt: In der Stadt im Saalekreis wurde ein Zweijähriger umgebracht – offenbar vom Lebensgefährten seiner Mutter. Gegen ihn und die Kindsmutter ist nun Anklage erhoben worden. Der Prozess gegen beide könnte noch in diesem Jahr beginnen.

zahlreiche Grablichter nebeneinander
Nach dem Tod des Zweijährigen hatten viele Menschen in Querfurt Kerzen angezündet und Luftballons steigen lassen. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Marie Luise Luther

Rund drei Monate nach dem gewaltsamen Tod eines kleinen Jungen in Querfurt hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Mutter und deren Lebensgefährten erhoben. Das bestätigte ein Sprecher des Landgerichts Halle am Mittwoch MDR SACHSEN-ANHALT. Dem Lebensgefährten der Kindsmutter werden demnach Mord und schwerer sexueller Missbrauch in zehn Fällen vorgeworfen. Zuvor hatte die Mitteldeutsche Zeitung berichtet.

Die Obduktion des Zweijährigen hatte im Sommer ergeben, dass der Junge erschlagen worden ist. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, er habe seine Straftaten auf diese Weise vertuschen wollen. Den sexuellen Missbrauch des Jungen soll der 30-Jährige mit seinem Handy gefilmt haben. Der Mutter wird vorgeworfen, ihrem Sohn nicht geholfen und seinen Tod nicht verhindert zu haben. Den Angaben des Landgerichts zufolge könnte der Prozess noch in diesem Jahr beginnen.

Mutter hatte Rettungskräfte selbst alarmiert

Der Zweijährige war im Juli dieses Jahres tot in der Wohnung seiner Mutter aufgefunden worden. Die Frau selbst hatte damals die Rettungskräfte alarmiert. Relativ schnell hatte ein Notarzt festgestellt, der Junge könne keines natürlichen Todes gestorben sein. Die Obduktion wenige Tage später hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass der Junge aufgrund von äußerer Gewalt gestorben ist. Schon damals waren außerdem Verletzungen im Analbereich festgestellt worden.

Anwohnerinnen und Anwohner hatten kurz nach der Tat schwere Vorwürfe gegen das Jugendamt und die Polizei erhoben. Sie hatten berichtet, in der Wohnung sei es regelmäßig zu Gewalt gekommen. Alkohol und Drogen seien im Spiel gewesen. Die Behörden hätten aber nicht eingegriffen. Der Landkreis hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Bundesregierung will sexualisierte Gewalt härter bestrafen

Die Bundesregierung will sexualisierte Gewalt gegen Kinder künftig härter bestrafen lassen. Dazu hat die Regierung am Mittwoch einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, nach dem für die Verbreitung von Kinderpornografie künftig eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr fällig wird. Für sexuelle Gewalt gegen Kinder drohen demnach 15 Jahre Freiheitsentzug – statt wie bisher zehn Jahre. Diese Taten gelten nicht länger als Vergehen, sondern als Verbrechen. Der Bundestag muss dem allerdings noch zustimmen.

Links: In Gedenken an ein Kleinkind aus Querfurt liegen Blumen und Kerzen vor dem Wohnhaus. Rechts: Mehrere Einschusslöcher auf einer Holztür der Synagoge in Halle. 42 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Fr 17.07.2020 17:11Uhr 42:04 min

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Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Oktober 2020 | 11:30 Uhr

1 Kommentar

der_Silvio vor 5 Wochen

Menschen, die sich an den Schwächsten vergreifen, und die, die daneben stehen und nichts tun, dürfen m.E. nie wieder freikommen bzw. an der Gesellschaft teilhaben! Das ist abgrundtief widerwärtig!

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