Anwohner halten ein großes Plakat mit der Aufschrift "Giftmüll".
Die Beschwerden von Anwohnern sind zahlreich: Im stillgelegten Kali- und Salzbergwerk Teutschenthal werden seit Jahren Industrieabfälle eingelagert. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Nach Beschwerden Gestank in Teutschenthal möglicherweise bald passé

Beißender Geruch macht den Menschen an der Grube Teutschenthal seit Monaten zu schaffen, viele Anwohner klagen über Gesundheitsprobleme. Jetzt gibt es Hoffnung: Der Betreiber wird ab sofort auf den Einsatz eines bestimmten Stoffes verzichten.

Anwohner halten ein großes Plakat mit der Aufschrift "Giftmüll".
Die Beschwerden von Anwohnern sind zahlreich: Im stillgelegten Kali- und Salzbergwerk Teutschenthal werden seit Jahren Industrieabfälle eingelagert. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Sie sagen, sie hätten Atemprobleme, ihnen sei übel oder es schmerze der Kopf – den Bewohnern in der Nähe der Grube Teutschenthal im Saalekreis macht seit vielen Monaten penetranter Gestank zu schaffen. Der Grubenbetreiber GTS hat nun zum wiederholten Mal nachgebessert und will ab sofort auf den Einsatz eines bestimmten Filtrat-Wassers verzichten. Einen entsprechenden Vertrag haben das Landesamt für Geologie und Bergwesen und die GTS jetzt unterzeichnet.

Nach Ansicht der Experten des Bergamts ist das Filtrat-Wasser vermutlich die Hauptursache für den Gestank. Damit werden Versatzbaustoffe hergestellt, um die einsturzgefährdeten Hohlräume in dem ehemaligen Bergwerk zu füllen. Seit Jahren werden in der Grube Teutschenthal Abfälle eingelagert, so Industriestaub aus Verbrennungsanlagen.

Die GTS darf das Filtrat-Wasser erst dann wieder verwenden, wenn weitere Maßnahmen zur Vermeidung des Geruchs greifen. Laut Wirtschaftsministerium war das Unternehmen bereits vor Weihnachten aufgefordert worden, auf den Einsatz des Stoffes zu verzichten.

Warum und was wird in der Grube verfüllt?

Das Kali- und Steinsalzbergwerk wurde bis 1982 betrieben – in 700 Metern Tiefe auf 14 Quadratkilometern. Die Grube ist jedoch einsturzgefährdet, 1996 gab es einen Gebirgsschlag, der im Umkreis von rund 100 Kilometern zu spüren war. Seit vielen Jahren wird sie deshalb mit Müll verfüllt.

Die Verfüllung hat die Firma "Grube Teutschenthal Sicherungs GmbH & Co. KG" (GTS) übernommen. Sie lagert in dem ehemaligen Bergwerk Abfälle ein, die wegen ihrer Schadstoffe nicht oberirdisch gelagert werden können. Dazu gehören Aschen und Schlacken aus Verbrennungsanlagen, aber auch kontaminierte Bau- und Industrieabfälle. LKW mit Gefahrgutschildern bringen hunderte Tonnen Abfall pro Tag zur Grube.

"Geruchseliminierungsanlage" für frischere Luft

Unter Tage in der Grube Teutschenthal.
Diese im November 2018 installierte Anlage soll den Geruch eliminieren – laut den Anwohnern bisher erfolglos. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ende 2018 hatte die GTS eine Geruchseliminierungsanlage unter Tage in Testbetrieb genommen. Ob die dauerhaft für frischere Luft in Teutschenthal, Angersdorf und Umgebung sorgen kann, soll noch im Februar geklärt werden. Die Anwohner können jedoch keine Veränderung feststellen. Sie beschreiben den Geruch weiterhin als süßlich-faulig.

Laut GTS gibt es am 6. Februar erneut einen Runden Tisch zur Grube Teutschenthal, doch bei den bisherigen Treffen war die Resonanz gering. Die Anwohner fühlen sich nicht ernst genommen und wurden nach eigenen Angaben schon bei vorherigen Infoveranstaltungen nicht ehrlich informiert.

Unter Tage Rundgang durch die Grube Teutschenthal

Unter Tage in der Grube Teutschenthal.
Anwohner der Grube Teutschenthal im Saalekreis beschweren sich seit August 2018 über Gestank und auch Gesundheitsbeschwerden, vor allem Atemprobleme. MDR SACHSEN-ANHALT hat die Grube am Mittwoch besichtigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Unter Tage in der Grube Teutschenthal.
Anwohner der Grube Teutschenthal im Saalekreis beschweren sich seit August 2018 über Gestank und auch Gesundheitsbeschwerden, vor allem Atemprobleme. MDR SACHSEN-ANHALT hat die Grube am Mittwoch besichtigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Unter Tage in der Grube Teutschenthal.
In der Anlage ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts Kalisalz für Düngemittel abgebaut worden, erklärt ein Sprecher des Grubenbetreibers GTS. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Unter Tage in der Grube Teutschenthal
Das ist ein Plan der Anlage, die sich unter Teutschenthal bis nach Angersdorf ausdehnt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Unter Tage in der Grube Teutschenthal
Durch den Kalisalz-Abbau seien unter Tage Hohlräume entstanden, erklärt der Unternehmenssprecher. Diese müssten mit Industrieabfällen aufgefüllt werden. Sonst drohten Gebirgsschläge. Das heißt: Die geschaffenen Hohlräume wären nicht mehr stabil, Stützpfeiler könnten dann brechen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Unter Tage in der Grube Teutschenthal.
Grubenbetreiber GTS gibt an, nach Beschwerden von Anwohnern über Gestank Maßnahmen ergriffen zu haben. Die Situation am sogenannten ausziehenden Wetterschacht Halle solle verbessert werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Unter Tage in der Grube Teutschenthal.
Um den Geruch zu beseitigen, ist im November 2018 eine Geruchseliminierungsanlage installiert worden. Das ist eine Anlage, die ein Gemisch aus Wasser und einem Wirkstoff vernebelt. Zwei Wirkstoffe werden getestet, die unterschiedlich funktionieren. Ein Wirkstoff soll alle Geruchsmoleküle umschließen und so neutralisieren. Ein anderer Wirkstoff, der seit dieser Woche eingesetzt wird, soll Geruchsmoleküle aufbrechen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Unter Tage in der Grube Teutschenthal
Mitte Februar soll ausgewertet werden, wie effektiv die Anlage sei, sagt der Unternehmenssprecher. Außerdem betont er: "Es gibt keinen Nachweis, dass die GTS für gesundheitliche Beschwerden verantwortlich ist." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Besichtung der Grube Teutschenthal
Von den Mitarbeitern der GTS, die teils seit 20 Jahren mit den Abfällen zu tun hätten, sei nicht bekannt, dass einer Gesundheitsbeschwerden habe, sagt der Sprecher. Die gesetzlichen Grenzwerte würden sowohl unter Tage als auch in den Orten der Nachbarschaft eingehalten.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 24.01.2019 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mh
Bildrechte: Bayerischer Rundfunk
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Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | Studio Halle | 04. Februar 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2019, 12:24 Uhr

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2 Kommentare

05.02.2019 08:14 berg 2

Hat denn der Grubenbetreiber die Aufwandsentschädigung nebst Reisekosten für die Mitglieder des runden Tisches erhöht ? Weil anfangs waren es nur 4 Teilnehmer. Jeder ist käuflich es kommt nur auf den Preis an.

04.02.2019 19:15 flo 1

Trotz aller scheinheiligen Maßnahmen stinkt es weiterhin. Die stecken doch alle unter einer Decke, denn sogar der Gemeinderat ist der Meinung, daß diese Firma ein guter Steuerzahler ist.
Was soll ein runder Tisch bezwecken bei dem es um eine Grubenbesichtigung geht. Es soll aufhören zu stinken,mehr nicht. Aber wenn man es nicht mehr riecht,wegen irgendwelchen Zusätzen, werden die giftigen Stoffe bleiben. Glück auf den ehemaligen Bergleuten und heutigen Chemikern.

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