Ralf Wunschinski
Ralf Wunschinskis Amtszeit als Bürgermeister endet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ralf Wunschinski Teutschenthal wählt umstrittenen Bürgermeister ab

Die Amtszeit eines Bürgermeisters in Sachsen-Anhalt läuft in der Regel sieben Jahre. Nicht für den CDU-Bürgermeister von Teutschenthal im Saalekreis, Ralf Wunschinski. Er hatte mit seinem Handeln wiederholt für Unruhe in der Gemeinde gesorgt, woraufhin ein Abwahlverfahren eingeleitet wurde. Ergebnis: Die Abwahl gilt – rechnerisch – als sicher. Damit endet Wunschinskis Amtszeit bereits nach zweieinhalb Jahren.

Ralf Wunschinski
Ralf Wunschinskis Amtszeit als Bürgermeister endet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Bürgermeister von Teutschenthal im Saalekreis, Ralf Wunschinski, gilt als abgewählt. Etwa 85 Prozent der Wähler in den Wahllokalen stimmten für seine Abwahl. Das sagte Gemeindewahlleiterin Teresa Kübler MDR SACHSEN-ANHALT. Das Ergebnis der Briefwahl steht zwar noch aus, wird aber voraussichtlich nichts mehr an dem Ergebnis ändern.

Auszählung abgebrochen – Abwahl rechnerisch sicher

Die Abwahl eines Bürgermeisters muss durch die Mehrheit der gültigen Stimmen erfolgen, wobei diese von mindestens 30 Prozent der Wahlberechtigten kommen. Diese Bedingungen sind formal erfüllt: In den Wahllokalen wurden von 11.671 Wahlberechtigten 6.249 gültige Stimmen abgegeben. Auf 5.356 Stimmzetteln wurde mit "ja", also für die Abwahl, gestimmt. Die Auszählung der Stimmen wurde am Montagmorgen abgebrochen. Rund 1.400 Stimmzettel der Briefwahl stehen noch aus. Sie werden laut Wahlleiterin erst im Laufe des Tages ausgezählt.

Der Vorsitzende des Teutschenthaler Gemeinderats, Günther Scholz, sprach bei MDR SACHSEN-ANHALT von einer guten Grundlage für einen Neuanfang. "Ich möchte mich bei allen für das entgegengebrachte Vertrauen bedanken", so Scholz. Der neue Gemeinderat sei sich seines Vertrauensvorschusses bewusst. Er werde alles dafür tun, um für Teutschenthal eine erfolgreiche Zukunft zu gestalten.

Ein Blatt mit der Aufschrift Gemeinde Teutschenthal liegt in einer Akte
Die Gemeinde Teutschenthal steht vor einem Neuanfang. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In allen Wahllokalen haben sich unsere Wählerinnen und Wähler für die Abwahl des Bürgermeisters Ralf Wunschinski ausgesprochen. Ich denke, das ist eine gute Grundlage für einen Neuanfang, den wir gemeinsam mit dem neuen Gemeinderat angehen wollen und werden.

Günter Scholz (Unabhängige Bürgervereinigung), Gemeinderatsvorsitzender von Teutschenthal

Der Gemeinderat hatte Ende Februar das Abwahlverfahren mit einer Mehrheit von 22 Räten eingeleitet, 23 waren anwesend. Dem voraus gingen monatelange Querelen mit dem CDU-Bürgermeister Wunschinski.

Viele Vorwürfe gegen Wunschinski

Wunschinskis Amtsführung hatte wiederholt für Aufregung in der Gemeinde und schließlich zum Vertrauensverlust gesorgt. Der Hauptvorwurf: Der Bürgermeister habe zu häufig eigenmächtig gehandelt. Dazu gehören Ausgaben von 200.000 Euro für die Planung einer Kita im Ortsteil Angersdorf, die Wunschinski ausgegeben haben soll, ohne den Gemeinderat zu informieren. Umstritten waren auch die Entlassung einer Kita-Leiterin und die Einstellung eines Bauamtsleiters, der zwar nicht die nötige Qualifikation gehabt haben soll, dafür aber private Verbindungen zum Bürgermeister.

Gegen Wunschinski läuft ein Disziplinarverfahren. Er selbst ist seit März beurlaubt. Wunschinski selbst beteuerte in der Vergangenheit, er habe sich nichts vorzuwerfen. Angesichts des Abwahlverfahrens entschuldigte sich der CDU-Politiker aber in einem offenen Brief und erklärte, die Medien hätten von Anfang an sehr kritisch und unausgewogen berichtet.

Blick auf ein Feld im Saalekreis, darauf eine Sachsen-Anhalt-Karte aus Punkten
Bildrechte: Inge Roost | Collage: MDR/Max Schörm
Wahlergebnis Kommunalwahl
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Mai 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2019, 21:11 Uhr

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2 Kommentare

29.05.2019 12:43 Wo ist das Lobbyregister? 2

"Eltern von Kita-Kindern kritisieren fehlende Kindersitze und ihren Kindern wird wegen der Kritik der Kitaplatz gekündigt. Aber Herr W. ist das Opfer. Die damalige Kita-Leiterin kritisiert die Unterdrückung der Eltern und wird rausgeschmissen. Aber W. ist das Opfer. Er unterstellt Verwaltungsmitarbeitern Bespitzelung und bestraft sie, es stellt sich dann aber raus, dass nichts war. Aber W. ist das Opfer. Als Bauamtsleiter wird ein Kumpel eingestellt, der keinerlei zwingend gesetzlich vorgeschriebene Qualifikation hat. Aber Herr W. ist das Opfer. Ich kann es echt nicht mehr hören."

Zitiert aus einem MDR-Leserkommentar zum Parteifreund W.. Mehr ist wohl nicht dazu zu sagen ausser der Frage: Wieso hat das eigentlich so lange gedauert? Ganz einfach: Weil im Grunde noch mehr Köpfe rollen müssten...

29.05.2019 10:44 Max W. - Aus dem Land der "Wahlpannen" 1

"...erklärte, die Medien hätten von Anfang an sehr kritisch und unausgewogen berichtet."

Ja, das ist ja oft der Grund, wenn CDU-Funktionäre sich nicht mehr wohl fühlen: Kritik und diese entsetzliche Unausgewogenheit - zwei ganz scheussliche Errungenschaften der Demokratie, die die Karriere und das Reichwerden massiv behindern. Aber man muss aus CDU-Sicht auch das "Positive" sehen: In Sachen "Flüchtlingspolitik" kann und konnte es gar nicht unausgewogen genug zugehen - ja, Unausgewogenheit war sogar das entscheidende Feature des Versuchs, diese Politik im Klientelauftrag durchzudrücken. Und sie ist es noch.

Und: Wenn die Unausgewogenheit dazu führt, dass die Machenschaften eines offensichtlich, sagen wir: seine Dorfschulzenmacht missbrauchenden, Miniaturlokalhäuptlings im LPG-Vorsitzenden-Format der Haseloff'schen Ex-Blockpartei bekannt werden, dann ist das auch gut so.

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