Stand der Dinge Was nach dem Angriff auf das Haus der Identitären bekannt ist

Nach dem Angriff auf das Haus der Identitären in Halle und einem darauffolgenden Angriff auf Polizisten ist immer noch nicht klar, was sich genau am Montag abgespielt hat. Hier die verschiedenen Seiten.

Was die Polizei sagt

Am späten Montagabend gab es am Haus der Identitären Bewegung in der Adam-Kuckhoff-Straße in Halle Pöbeleien und gegenseitige Flaschenwürfe.

Die Polizei stellte in der Nähe vier Personen im Alter von 21 bis 46 Jahren. Ob es sich um Linksextremisten handelt, teilte sie nicht mit.

Aus dem betroffenen Gebäude kamen zwei Personen. Sie waren stark maskiert, trugen Schutzschild, Schutzhelm und Baseballschläger – und machten sich zum nahen Campusgelände der halleschen Universität auf. Zwei Polizisten in Zivil stellten die 27 und 29 Jahre alten Männer. Die Zivilbeamten waren nicht vermummt, einer trug jedoch ein Tuch, das den Mundbereich bedeckte. Sie wiesen sich mehrfach als Polizisten aus.

Gegen die Beamten setzte einer der beiden Männer Pfefferspray ein. Sie mussten ambulant behandelt werden, sind aber wieder wohlauf und dienstfähig. Ermittlungen wegen Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung dauern an.

Bereits seit geraumer Zeit hat die Polizei eine Vielzahl von Maßnahmen eingeleitet, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Umfeld des Hauses zu gewährleisten. Ein Beleg dafür ist, dass man alle Beteiligten des Vorfalls am Montag feststellen konnte.

Was die Identitären denken

Ihre Sicht der Dinge ist von MDR SACHSEN-ANHALT angefragt, doch bisher kam keine Antwort.

Die Gruppe "Kontrakultur", eine Jugendbewegung, die sich selbst als identitäres Projekt bezeichnet, stellte jedoch eine Stellungnahme online. Sie hält den Vorfall vom Montag für einen "erneuten Angriff von Linksextremisten auf unser Zentrum in der Adam-Kuckhoff-Str." Dabei seien Flaschen geworfen und "Alerta, Antifascista“ gerufen worden. Es war laut der Gruppe "der zehnte Angriff auf Identitäre in Halle seit dem ersten Bezug des Hauses im Mai".

Die bei früheren Vorfällen alarmierte Polizei habe keinen der Angreifer fassen können. Deshalb "verließen zwei Aktivisten das Haus, um Schlimmeres zu verhindern" und die Männer zu verfolgen. Die beiden Bewohner hätten sich mit Schutzausrüstung vor die Tür begeben, weil vorherige Angriffe unter anderem mit Pflastersteinen und einem Molotow-Cocktail erfolgt waren. "Diese Schutzmaßnahmen mögen martialisch wirken", schreibt die Gruppe "Kontrakultur", seien jedoch "angesichts des Ausmaßes linker Gewalt und der bisherigen Unfähigkeit der Polizei, unser Haus angemessen zu schützen, leider so angemessen wie notwendig".

Auf dem Unicampus seien die Aktivisten auf vermummte Personen getroffen, die sich später als Polizisten zu erkennen gegeben hätten. Da sei es aber schon zum Einsatz des Pfeffersprays gekommen, "woraufhin die Beamten ihre Schusswaffen zogen". Die Identitären schreiben, sie "bitten die Beamten hiermit um Entschuldigung". Die Aktivisten hätten sich in einer "subjektiven Notwehrsituation" befunden und sich widerstandslos festnehmen lassen.

Was ein Politiker sagt

Hans-Thomas Tillschneider, AfD-Abgeordneter im Landtag Sachsen-Anhalt
Hans-Thomas Tillschneider ist AfD-Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt und hat ein Büro im Haus der Identitären. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hans-Thomas Tillschneider, AfD-Landtagsabgeordneter mit Büro im Haus der Identitären, war zum Vorfall nicht vor Ort. Er erklärte MDR SACHSEN-ANHALT auf Nachfrage, dass "jeder, der angegriffen wird, von seinem Recht auf Notwehr Gebrauch machen kann". Dabei dürfe jedoch das zur Abwehr der Gefahr erforderliche Maß nicht überschritten werden. Er könne die Reaktion der Männer nicht beurteilen, vertraue aber darauf, dass "die Bewohner des Hauses nicht vorsätzlich gegen Recht und Gesetz verstoßen haben".

Für ihn steht fest: Jeder Fall, in dem Bürger auf sich allein gestellt sind und zu Notwehr greifen müssen, sei einer zu viel. "Ich würde mir wünschen, dass die Polizei das Objekt so intensiv schützt, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen."

Was Anwohner beobachtet haben

Ein Anwohner, der anonym bleiben will, weil er Vergeltungsaktionen der Identitären fürchtet, sah Flaschenwürfe – aber nur aus dem Haus der Identitären Bewegung. Die Passanten vor dem Haus waren laut ihm männlich, zu fünft oder zu sechst und unvermummt. Einer habe eine Bierflasche in der Hand gehabt. Ein Polizist habe dem Anwohner später gesagt, dass die Gruppe alkoholisiert gewesen sei.

Der Anwohner habe zudem gehört, dass die Gruppe "Alerta Alerta Antifascista" gerufen hat und sich mit den Identitären Beleidigungen hin und her warf. Er habe auch Rufe von der anderen Seite gehört. "Das könnte sowas wie 'Heil Hitler' gewesen sein", sagte er MDR SACHSEN-ANHALT. Sicher sei er sich da aber nicht.

Der Vorfall habe vonseiten der Passanten nicht geplant gewirkt. "Die waren völlig planlos und unkoordiniert, Betrunkene halt." Sie hätten noch 'Ihr feigen Säcke, kommt aus eurem Haus raus!' gerufen und seien dann über den Unicampus weggegangen.

Dann seien zwei Männer aus dem Haus gekommen, deren Körpersprache äußerst aggressiv gewesen sei. "Die hatten richtig Bock, jemandem auf die Fresse zu hauen", so der Anwohner. Er habe sofort die Polizei benachrichtigt.

Ein anderer Anwohner vermutet, dass die Männer aus dem Haus der Identitären die Polizisten für die Provokateure gehalten haben könnten – und sie deshalb angegriffen. Er fühle sich in seinem Viertel noch immer sicher, auch mit seinen Kindern.

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Quelle: MDR/lk

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2017, 10:56 Uhr

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13 Kommentare

24.11.2017 21:41 Simon60 an Mediator 13

Lieber Mediator,
schon bemerkenswert, dass Sie Gewalt nicht ablehnen, wenn diese sich gegen andersdenkende richtet. Und behaupen Sie jetzt bitte nicht, das hätten Sie nicht geschrieben!
Die Bewohner des Hauses wurden wie oft bislang angegriffen? 10 Mal stand beim MDR irgendwo, wenn ich mich richtig erinnere? Und nicht ein einziger der Angreifer konnte bis jetzt gefasst werden. Super Ermittlungsarbeit!
Fliegt auf ein Flüchtlingsheim auch nur ein Stein, ermittel der Staatsschutz und Polizei weitaus gründlicher und finden den Steinewerfer dann meist nach kurzer Zeit. Und selbstverständlich werden dann Polizeifahrzeuge vor dem Haus postiert! Wieviel standen denn hier davor? Keines? Finden Sie das nicht merkwüdig?
Merkwürdig ist auch, dass die Kanzlering dann gern zum fremdschämen kommt. War Sie in Halle?
Ach Nein da war ja der OB, aber nicht zur Unterstützung der angegriffenen!
Und woher wissen Sie, dass die IB rechtsextrem und braun ist. Kennen Sie welche der IB? Ich nicht!

24.11.2017 21:26 Simon60 12

MDR Sachsen-Anhalt: Vielen Dank, endlich ein objektiver Bericht. Beide Seiten wurden dargestellt und beim Bericht des Anwohners weiß man wie man ihn zu werten hat. Die Berichte nach denen die Anwohner den Bewohnern des Hauses in herzlicher Abneigung verbunden sind, konnte man ja oft genung nachlesen.

Mich würde nur eines interessieren: Wie wäre berichtet worden, wenn es sich umgekehrt verhalten würde. Die Bewohner des Hauses sind Migranten und die Angreifer sind Rechte. Und auch die Anwohner sind gegen ein Flüchtlingsheim. Wären die Bericht dann gleich ausgefallen?

Wenn Nein, warum nicht?

Kann man auch davon ausgehen, dass sich der Oberbürgermeister von Halle dann auch auf die Seite der Anwohner geschlagen hätte?


ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Danke für Ihr Lob. Und es bringt wenig, über eine potenzielle Berichterstattung zu spekulieren, ohne dass ein konkreter Fall als Beispiel vorliegt.

24.11.2017 21:19 Kritischer Bürger 11

+... "Ich würde mir wünschen, dass die Polizei das Objekt so intensiv schützt, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen."...+ Das ist und bleibt NUR EIN Wunsch! Ob nun gewollt oder wegen Personalmangel kann man als Bürger nicht beurteilen aber es wäre doch interessant zu erfahren wer nun die Angreifer AUF DAS HAUS waren. Wenn man als Polizei...+...Ein Beleg dafür ist, dass man alle Beteiligten des Vorfalls am Montag feststellen konnte....+ nicht mit der politischen "Ausrichtung der Angreifer" auf das Haus dienen möchte lässt dies eine gewisse Richtung (politisch gesehen) der Polizei (oder ggf. von Politikern angeordnet) spekulativ zu. Dies sollte man ausräumen und wie ich schon einmal schrieb: PLATZVERWEISE erstellen für jene die hier diese Fassade (un)künstlerisch verschönern! Wie könne zwei Polizisten nicht jene erkennen die aus entsprechender Richtung kommen. Denke die Polizei (auch in Zivil) soll zum Schutz des Hauses der IB beitragen.