A9 und A38 Hitzeschäden befürchtet: Tempolimits auf Autobahnen im Süden Sachsen-Anhalts

Die Hitze macht sich nicht nur bei Mensch und Tier bemerkbar – auch die Autobahnen im Land müssen den heißen Temperaturen standhalten. Deshalb hat die Landesstraßenbaubehörde als Vorsichtsmaßnahme Tempolimits verhängt. Betroffen sind die Autobahnen 9 und 38 im Süden des Landes.

Autofahrer müssen sich wegen der hohen Temperaturen auf zusätzliche Tempolimits auf Autobahnen einstellen. Der Chef der Landesstraßenbaubehörde, Uwe Langkammer, sprach von Vorsichtsmaßnahmen. Hintergrund ist, dass dort bereits geschädigte Betondecken abrupt aufbrechen und sich anheben könnten und sogenannte Blow Ups entstehen.

Was sind Blow ups?

Auch Autobahnen können unter der Hitze leiden. Bei den hohen Temperaturen über einen langen Zeitraum dehnt sich die oberste Betonschicht einer Fahrbahnplatte stark aus. Ihre Unterseite dagegen ist nicht der Sonne ausgesetzt, bleibt kühler und dehnt sich deshalb weniger aus. Weil beide Schichten sich unterschiedlich ausdehnen, wölbt sich die gesamte Betonplatte immer weiter nach oben, bis die oberste Schicht reißt. Es entstehen sogenannte "Blow Ups", große Löcher und Risse in der Fahrbahn. Bei Fahrbahnen mit einer Asphaltschicht kann es zu solchen Schäden nicht kommen.

Abbremsen auf A9 und A38

Auf der A9 zwischen dem Schkeuditzer Kreuz und Halle darf nur noch 120 Stundenkilometer gefahren werden. Für die A9 in Richtung München zwischen Naumburg und Droyßig sowie rund um Weißenfels gilt Tempo 100. Auf der A38 müssen Autofahrer in beiden Richtungen zwischen Merseburg-Süd und Merseburg-Nord langsamer fahren sowie in Richtung Leipzig zwischen Lützen und der Grenze zu Sachsen.

Hitzeschäden als Folge von Betonkrebs

Aufgebrochener Beton eines Autobahnfahrstreifens
Sogenannte Blow ups können langwierige Reparaturen nach sich ziehen. Bildrechte: dpa

Im Sommer 2015 hatte die Hitze die A9 bei Bad Dürrenberg aufgewölbt. Der Abschnitt wurde gesperrt und wochenlang repariert. Besonders gefährdet sind Betondecken, die schon Schäden haben, etwa durch Betonkrebs oder durch jahrzehntelange Benutzung. Je schneller Fahrzeuge unterwegs sind, desto eher drohen bei sich plötzlich hebenden Fahrbahnen schwere Unfälle.

In Sachsen-Anhalt herrschen seit Tagen sommerliche Temperaturen. Auch in den nächsten Tagen soll die 30-Grad-Marke deutlich überschritten werden. Sebastian Balders, Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD), sagt, Hoch "Ulla" könnte für Sachsen-Anhalt einen neuen Juni-Rekord liefern. Den hält im Moment Drewitz im Jerichower Land, wo am 21. Juni 2000 schon einmal 37 Grad Celsius gemessen wurden. Die Wahrscheinlichkeit sei relativ hoch, dass das am Mittwoch geknackt wird, so Balders.

Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 25. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 14:24 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

27.06.2019 09:00 Nordharzer 5

@3, mag sein, dass es im Einzelfall auch ein Zusammenspiel mit Materialproblemen gibt. Die Materialeigenschaften sind sicher unter südlicher Sonne ähnlich, aber es ist ja bekannt, dass sich Stoffe bei Kälte zusammen ziehen und bei Wärme ausdehnen. Da ist es in Deutschland eben problematisch, dass man von Temperaturen im tiefen Minusbereich bis in den hohen Plusbereich alles abdecken muss. Nur den Bereich oberhalb von Null abzudecken, ist wesentlich unkomplizierter. Deutsche Autobahnen müssten so gebaut werden, dass sie sowohl Kälte als auch Hitze aushalten, das geht dann auf Kosten der Widerstandsfähigkeit gegen beide Extreme. Leider.

26.06.2019 17:56 Frank 4

Heißer Tipp: Mal in Asien nachfragen wie man Autobahnen baut die auch im Sommer funktionieren. Zum Beispiel in Thailand, die haben im Sommer über 40°C, aber die Autobahnen glatt wie ein Kinderp***. Fragt's mal, wie die das machen.

26.06.2019 14:29 Sr.Raul 3

Meinst, @2 (Nordharzer)? Also ich kann mir auch vorstellen, dass diese Verwerfungen einfach etwas mit mangelnder Materialgüte/schlechter Verarbeitung und/oder zu gering ausgeführten Dehnfugen zu tun hat. Winter hin, Feuchtigkeit + Streumaterial her, die Materialausdehnung dürfte unter spanischer Sonne die Gleiche sein wie hier.

Mehr aus Sachsen-Anhalt