Windräder auf einem Feld nahe Stendal  im Sonnenuntergang
Einen Windpark will wohl niemand gern vor der Haustür haben. Bildrechte: Gerhard Draschowski

Studie aus Halle Wie Windräder Anwohner weniger stressen

Reizbarkeit oder Probleme beim Einschlafen: Windräder können sich negativ auf die Psyche der Menschen auswirken, die in deren Nähe wohnen. Psychologen aus Halle haben nun untersucht, wie sich der Einfluss mindern lässt.

Windräder auf einem Feld nahe Stendal  im Sonnenuntergang
Einen Windpark will wohl niemand gern vor der Haustür haben. Bildrechte: Gerhard Draschowski

Horst Straße hat es besonders hart getroffen. Seit dem Jahr 2000 stehen in der Nähe seines Wohnortes Freist im Landkreis Mansfeld-Südharz Windräder, doch seit einigen Jahren hat er ein Windrad von 250 Metern Höhe auch vor seinem Garten. Es steht zwar einen Kilometer entfernt, aber laut den Messungen des ehemaligen Physiklehrers macht es so viel Krach wie ein Kühlschrank. "Über 45 Dezibel und für uns als Mischgebiet sind eigentlich für die Nacht 45 Dezibel die Grenze", sagt er. Und bei dieser Geräuschkulisse müsse er schlafen.

Eine aktuelle Studie der Universität Halle unterstreicht die Probleme, die durch die Geräusche von Windrädern entstehen können. "Dazu gehören beispielweise Probleme beim Einschlafen, ein allgemein unruhiger Schlaf, negative Stimmung und eine stärkere Reizbarkeit", sagt der Umweltpsychologe Johannes Pohl, der an der Studie mitgearbeitet hat. Er lehrt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und hat mit Kollegen die Anwohner eines Windparks in Norddeutschland über Jahre untersucht. Dazu analysierten sie auch Tonaufnahmen der Windräder und stellten fest, dass deren Geräusche bei Frost und einer hohen Luftfeuchtigkeit als lauter wahrgenommen werden.

"Unregelmäßiges Wummern oder Rauschen"

Windräder des Windparks Hohenmölsen-Profen
Im Burgenlandkreis wurden Windräder auf einem rekultivierten Tagebau errichtet. Bildrechte: Jakob Richter

Wichtigstes Ergebnis: Je besser die Menschen in die Planung, den Bau und auch in die Zeit nach der Errichtung von Windrädern einbezogen werden, desto weniger litten sie unter Stress-Symptomen. Deshalb raten die Forscher, die Bedenken der Anwohner gegen Windräder ernst zu nehmen. "Wir können in unserer Studie zeigen, wenn man das tut, dann vermindern sich auch die Beschwerden im Lauf der Zeit, wenn man wirklich auf die Sorgen eingeht und auch Erklärungen liefert", so Pohl.

Außerdem stellte das Team fest, dass es kaum einen Unterschied macht, ob jemand etwas näher oder weiter weg vom Windpark wohnt. Belästigt fühlten sich die Menschen vor allem, wenn die Lautstärke sich ändere. Pohl spricht von einem "unregelmäßigen Pulsieren" der Lautstärke. Das würden manche Menschen als "unregelmäßiges Wummern oder Rauschen" wahrnehmen. Ein stetiges Rauschen dagegen könne der Mensch besser ausblenden.

Für Horst Straße aus Freist ist dieses Wissen kein Trost. Der ehemalige Freister Ortsbürgermeister versuchte zwar mit anderen Anwohnern, den Bau des Giganten von 250 Metern Höhe zu verhindern, doch das nutzte nichts. Allerdings wäre er gern mehr in die Planungen mit einbezogen worden, wie es die Forscher nun vorschlagen: "Es wäre mehr als begrüßenswert, wenn man die Menschen vorher mitnimmt", sagt er.

Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. Februar 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2018, 15:55 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

12.02.2018 22:32 part 5

Es gibt heute weit bessere Technologienen zur Energiegewinnung mittels Windkraft als dies Monster, die permanent Infraschall erzeugen und breitflächig das Ökosystem schädigen. Bereits in Japan gibt es schon kleinere Windkraftanlagen die selbst bei Taifunen noch störungsfei funktionieren, nur in diesem Land lassen sich Neuerungen und Fortschritte eben nicht durchsetzten weil eine starke Lobby stets ihre Interessen durchzusetzten weiß.

12.02.2018 16:51 Eulenspiegel 4

„Es steht zwar einen Kilometer entfernt, aber laut den Messungen des ehemaligen Physiklehrers macht es so viel Krach wie ein Kühlschrank. "Über 45 Dezibel und für uns als Mischgebiet sind eigentlich für die Nacht 45 Dezibel die Grenze", sagt er. Und bei dieser Geräuschkulisse müsse er schlafen.“
Ich denke Grundsätzlich ist die Lebensqualität der Anwohner zu schützen und darum die Belästigung so gering wie möglich zu halten. Und zwar unabhängig ob es um Windräder oder irgend etwas anderes geht. Ich denke aber das es sehr viel Menschen gibt die sehr viel mehr Krach wie wie ein Kühlschrank, 45 Dezibel, hin nehmen müssen. Ich denke da an viele Großstädter, weiter an Leute die in der Nähe von Bahntrassen wohnen oder an Leuten die in der nähe einer Autobahn oder Schnellstraße wohnen. Und Leute die in der Nähe eines Flughafens wohnen müssen sicher auch mehr ertragen als den Krach eines Kühlschranks.

12.02.2018 15:25 Dorfbewohner 3

@1
“Ich habe da eine einfache Lösung, in der Nähe von Wohngebieten haben Windräder nichts zu suchen Punkt….
Also liebe Planer, macht eure Hausaufgaben richtig!! Nur so kommt man zum richtigen Ziel.”

Mal keine Sorge, die Planer machen ihre Hausaufgaben schon richtig.

Ist alles eine Sache der Vorschriften, letztendlich der Gesetze!
(Und die erlassen erfahrungsgemäß keine Planer sondern schon eher Politiker oder?)

Stände das Wohl des Menschen an erster Stelle, wären die Mindestabstände zu Wohngebieten etwas anders geregelt!

12.02.2018 09:06 Leser 2

Ich stimme @Ralf zu. Aber noch besser sind keine weiteren. Hier im Land stehen schon genügend rum. Sie sind nicht der schönste Anblick. Die Energie wird meist auch nicht vor Ort verendet. Hauptsache für das Ackerland wird genug Geld kassiert. Alles nur Kommerz. Wer sind denn die Besitzer der Anlagen? Genau. Und der Ossi lässt sich einreden, dass hier der beste Wind weht.

12.02.2018 01:01 Ralf 1

Ich habe da eine einfache Lösung, in der Nähe von Wohngebieten haben Windräder nichts zu suchen Punkt.
Es gibt immer eine vernünftige Lösung, und die wäre diese Windanlagen dort hinzufügen wo man sie von Wohngebieten nicht sieht.
Wenn es um die Natur und Tiere geht, wird bei der Planung viel komischerweise solche Dinge genau betrachtet.
Warum wird es bei der Gattung Mensch nicht angewandt??

Wir sind auch eine Spezies die unter Schutz stehen sollte, so wie jeder Halm und jedes kleinste Tierchen.

Sonst sterben wir auch noch aus, dann stellt man fest,dass der Mensch vom aussterben bedroht ist.
Also liebe Planer, macht eure Hausaufgaben richtig!! Nur so kommt man zum richtigen Ziel.