Die HFC-Fans auf der Tribüne.
Am 26. November trifft der HFC wieder auf Magdeburg. Eine schwierige Situation für beide Fanlager. Bildrechte: Gaby Conrad

Wie weiter nach Hannes‘ Tod? Die schwierige Suche nach der richtigen Reaktion

Der Tod des FCM-Fans Hannes hat auch den Halleschen FC und seine Fans tief erschüttert. Doch der Umgang mit der Situation ist für alle schwierig und die Hoffnung auf Änderung vor allem ein frommer Wunsch. Einschätzungen von MDR-SACHSEN-ANHALT-Reporter Oliver Leiste.

von Oliver Leiste

Die HFC-Fans auf der Tribüne.
Am 26. November trifft der HFC wieder auf Magdeburg. Eine schwierige Situation für beide Fanlager. Bildrechte: Gaby Conrad

Die Nachricht von Hannes‘ Tod war eine unfassbar traurige. Nun ist also tatsächlich ein Mensch gestorben, weil er im falschen Moment am falschen Ort war. Und weil er dabei das falsche T-Shirt trug. Die Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Fußballfans hat damit einen traurigen Tiefpunkt erreicht.

FCM-Familie gibt Halt

Doch wie ich schon letzte Woche schrieb, war schon der Sturz das Ergebnis einer langen Entwicklung. Dass Hannes nun starb, ist die dramatische Zuspitzung dieser Situation. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es so ziemlich jeden hätte treffen können, der im Dunstkreis sogenannter "aktiver Fanszenen" zum Fußball fährt. Schwere Verletzungen oder gar den Tod eines Gegenübers möchte eigentlich niemand. Doch genau das wurde eben immer wieder in Kauf genommen. Fans von HFC und FCM standen sich in dieser Hinsicht in nichts nach, genau wie die Anhänger vieler anderer Vereine.

Groß ist die Trauer im Umfeld des 1. FC Magdeburg. Die "Blau-Weiße Familie" gibt den Menschen jedoch Halt. Wie bei den Gedenkveranstaltungen in Haldensleben und am Magdeburger Stadion zu sehen war, rücken die Leute zusammen. Als Gruppe können sie das Geschehene gemeinsam verarbeiten.

Angemessene Worte von Schädlich

Schwieriger ist der Umgang für den Halleschen FC und seine Fans. Als eigentlich Unbeteiligte müssen sie sich ebenfalls mit dem Tod von Hannes auseinandersetzen. Grund dafür ist, dass Menschen, die zur Fangruppe des Vereins gehören, mit im Zug saßen und in irgendeiner Form an dem Unglück beteiligt waren. Dass das "Wie" nach wie vor ungeklärt ist, erschwert die Situation deutlich. Präsident Michael Schädlich hat angemessene Worte gefunden: "Es tut mir unendlich leid und ist für mich völlig unverständlich, dass so etwas passieren kann. Ich hoffe, dass jetzt die richtigen Lehren gezogen werden und man endlich aufeinander zugeht."  Zudem soll vor dem Spiel gegen Zwickau eine Schweigeminute stattfinden. Schließlich sei der Tod eines Fans für die gesamte Fußballgemeinde in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus etwas Tragisches.

Neben Schädlich bekundeten auch zahlreiche Fans ihr Beileid. Im Webhallunken-Forum ist nicht nur von Trauer und Unverständnis zu lesen, sondern auch vom Wunsch, dass die Ereignisse bald aufgeklärt werden sollen. Sven Zorn gestaltete die Facebookseite vom HFC-Fanblog mit einem weißen Kreuz auf schwarzem Untergrund, um seiner Trauer Ausdruck zu verleihen. Er habe sogar überlegt, nach Haldensleben zu fahren, sagte er. Doch er sei sich nicht sicher gewesen, ob dieses Zeichen des Zusammenhalts wirklich gut angekommen wäre.

In einer gemeinsamen Erklärung kondolierten die offiziellen Fangremien der Rot-Weißen. Zu diesen gehören nicht nur der Fanbeauftragte und das Fanprojekt, sondern auch der Fankurvenrat – eine Art Interessenvertretung für Fans in der HFC-Fankurve und vor allem für die dort ansässigen Ultras. Genau wie der Magdeburger "Block U" riefen auch die Fanvertreter zu Besonnenheit auf.

Ein schwer zu erfüllender Wunsch

Der Wunsch nach einem Umdenken und einem friedlicheren Umgang miteinander ist allgegenwärtig. Nur, ihn zu erfüllen,  wird sehr schwer. Halles Oberbürgermeister hat die Vereinspräsidien aufgefordert, für eine friedlichere Fankultur zur sorgen. Wahrscheinlich weiß er selber, dass er da an der falschen Adresse ist. Vereinsgremien können vieles, Einfluss auf gesellschaftliche Probleme nehmen können sie kaum. Fanprojekte leisten vereinsübergreifend großartige Arbeit bei Gewaltprävention und -aufarbeitung sowie bei der Persönlichkeitsentwicklung jugendlicher Fußballfans. Zudem begleiten sie ihre Fangruppen oft zu Auswärtsspielen, auch mit dem Zug. Doch die Sozialarbeiter können eben nicht überall sein.

Führende Ultragruppierungen haben den größten Einfluss auf das Verhalten der Fankurven und ihrer Fans. Damit verbunden sind eine enorme Verantwortung und eine Vorbildwirkung.  Der Aufruf zur Besonnenheit ist ein erster Schritt. Doch ob dahinter mehr als lose Worte stecken, bleibt abzuwarten. Dazu wären eine Abkehr von gegenseitiger Gewalt und das Ende der Heroisierung von Straftaten notwendig. Und das nicht nur in Halle und Magdeburg, sondern überall in Deutschland. Langfristig müsste sich in dieser Hinsicht also die Ultra-Fankultur verändern.

Zahlreiche Grabkerzen sind vor einem Eingang zum FCM-Stadion niedergelegt. Am Eingangstor hängt ein Schwarz-Weiß-Foto des verstorbenen Hannes
Groß ist überall die Bestürzung nach dem Tod von Hannes. Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Kurzfristig fürchten viele in Sachsen-Anhalt eine weitere Eskalation, schließlich steht in wenigen Wochen das Landesderby an. Unverhohlene Drohungen einzelner FCM-Anhänger im Internet unterstreichen diese Befürchtungen. Beide Fanszenen werden hoffentlich schlau genug sein und direkte Auseinandersetzungen bis zum Spiel am 26. November meiden. Doch wie weit der Einfluss der Szenen tatsächlich reicht und ob sich durch den Tod von Hannes etwas Grundsätzliches geändert hat, wird man erst in einigen Monaten beurteilen können. Wünschenswert wäre es.

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2019, 17:55 Uhr

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10 Kommentare

14.10.2016 20:26 Daniel 10

Genauso ist es,es gibt Leute die sprechen Drohungen aus und wissen anscheinend nicht was sie da anrichten.
Aber anscheinend stellen die sich auf eine Stufe

14.10.2016 15:54 Sabrina 9

Es ist so ein Schwachsinn. Jetzt sind die Leuchten in Euren Köpfen aufgegangen. Jetzt wollt ihr Euch mit den Fans zusammentun?Erst musste HANNES sterben ? Das ist doch so traurig und eine Schande es ist ZUSPÄT. Warum seit ihr nicht vorher drauf gekommen? Warum nicht? Dann hättet ihr es verhindern können. Nur wegen Fussball musste Hannes sterben? Wisst ihr was die Familie leiden muss nur weil Menschen hinter einen Ball hinterer rennen? Die Welt ist doch Krank . Ich hoffe das die Verantwortlichen dafür ihre Strafe bekommen aber auch das holt HANNES nicht wieder Heim zu seiner Familie egal was ihr jetzt tut es ist ZUSPÄT.

14.10.2016 10:03 mago 8

Es muss sich etwas ändern.
Ob sich im Verhältnis beider Fangruppen etwas zum
Positiven ändert , hängt zunächst einmal davon ab , wie die HFC-Anhänger, die Zeugen des Verbrechen wurden, zu dessen Aufklärung beitragen .
Lasst uns einen Anfang machen indem sich alle , die sich in dem betreffenden Zug befanden ,sich selbst bei der Polizei melden und sich als Zeugen zur Verfügung stellen.
Dann geht auch die magdeburger Fangruppe sicherlich auf die des HFC zu und die Spiele zwischen Magdeburg und Halle werden wieder das , was sie früher eigentlich immer waren-unwichtig.