mdrFRAGT MDR-Befragung: Jeder zweite Sachsen-Anhalter hat Hartz-IV-Erfahrung

Wer Hartz IV bezieht, fühlt sich im Alltag oftmals eingeschränkt oder sogar ausgeschlossen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen MDR-Befragung in der Bevölkerung Mitteldeutschlands. Demnach hat jeder Zweite in Sachsen-Anhalt bereits direkt oder indirekt Erfahrungen mit Hartz IV gemacht.

15 Jahre nach der Einführung von Hartz IV haben Menschen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen keine Angst vor einem sozialen Abstieg. Das geht aus einer MDR-Befragung zur Reform "Agenda 2010" hervor. Mehr als drei Viertel der Befragten haben demnach keine Sorgen, selbst einmal sogenannte Hartz IV-Leistungen beziehen zu müssen. Zudem waren mehr als 80 Prozent der Befragungs-Teilnehmer der Meinung, dass wer heute nach Arbeit suche, in der Regel auch welche finde.

Jeder Zweite in Sachsen-Anhalt hat Hartz IV-Erfahrung

Von den Befragungs-Teilnehmern aus Sachsen-Anhalt hat bereits jeder Zweite schon einmal selbst Hartz IV bezogen oder kennt eine nahestehende Person, die bereits Leistungen bezogen hat:

Fast die Hälfte aller direkt von Hartz IV betroffenen Befragten fühlte sich während des Hartz IV-Bezugs vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, etwa jeder Dritte fühlte sich stark eingeschränkt. Trotz dessen sprachen sich 95 Prozent der Befragten für das dem Sozialgesetz zugrunde liegende Prinzip "Fördern und Fordern" aus. Wer Leistungen vom Staat bekomme, müsse im Gegenzug dafür auch Leistungen erbringen.

Sanktionen spalten die Befragten

Geteilter Meinung waren die Teilnehmer aus Sachsen-Anhalt bei der Frage nach der Kürzung der Hartz IV-Sätze infolge von nicht erbrachten Leistungen wie Besuche im Jobcenter oder der Annahme von zugewiesenen Jobs. Genau 50 Prozent sprachen sich gegen Sanktionen aus, 48 Prozent hingegen befürworteten die Kürzung von Hartz IV-Regelsätzen als Mittel, um nicht erbrachte Leistungen zu sanktionieren.

An der MDR-Befragung haben sich 12.204 Bewohner aus den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beteiligt. Die Befragung wurde mit dem neuen MDR-Meinungsbarometer "mdrFRAGT" in der Zeit vom 29. Januar bis 2. Februar durchgeführt. Bei der nicht repräsentativen Online-Befragung können sich seit Mitte Januar die Einwohner aus den drei Ländern anmelden und zu aktuellen Themen ihre Meinung äußern, um so zu einem breiten Stimmungsbild beizutragen. Bislang haben sich mehr als 15.000 Nutzerinnen und Nutzer angemeldet.

Alle Details zur Befragung

Vom 29. Januar bis zum 2. Februar 2020 wollten wir von den mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmern wissen: "Fördern oder Fordern – Was steht für Sie beim Thema Hartz IV im Mittelpunkt?" 12.204 registrierte Mitglieder haben online abgestimmt - etwa 85 Prozent der mdrFRAGT-Gemeinschaft - die weiterhin wächst.

50 Prozent der Befragten kommen aus Sachsen, 27 Prozent aus Sachsen-Anhalt und 23 Prozent aus Thüringen. Das entspricht in etwa der Verteilung der Einwohner in den drei Bundesländern. In der Altersgruppe von 16 bis 30 haben drei Prozent, von 30 bis 50 20 Prozent, 51 bis 65 42 Prozent und 65+ 35 Prozent ihre Meinung geäußert. Insgesamt haben mehr Männer (61 Prozent) als Frauen (39 Prozent) an der Befragung teilgenommen.

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht und Bildung gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft, bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen. Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet.

Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht. Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "mdrFRAGT". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

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Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: Exakt – Die Story | 05. Februar 2020 | 20:45 Uhr