Haushälterin des Bischofs: Petra Schwerin
Kochen für den Bischof – eine der Aufgaben von Petra Schwerin. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

"Gute Seele" im Bistum Magdeburg Traumberuf: Des Bischofs Haushälterin

Wäsche waschen, einkaufen, kochen, kurz: sich um den Haushalt kümmern. Das alles sind Aufgaben, die wohl nicht jeder gern macht. Für Petra Schwerin aber ist genau das Leidenschaft pur: Sie ist Haushälterin des Magdeburger Bischofs und hat noch dazu ein bewegtes Leben.

Christine Warnecke
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Christine Warnecke, MDR SACHSEN–ANHALT

Haushälterin des Bischofs: Petra Schwerin
Kochen für den Bischof – eine der Aufgaben von Petra Schwerin. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Olivenkraut, essbarer Lavendel, Salbei, Currykraut, Zitronenthymian, Koriander – der Garten von Bischof Feige bietet mehr als nur Petersilie und Schnittlauch. Verantwortlich dafür: seine Haushälterin, Petra Schwerin. Sie liebt diese Vielfalt. "Als wir nach der Wende die Welt der Kräuter eröffnet bekommen haben, das war toll! Ich war mal in Israel auf einem Markt – diese Düfte dort! Da habe ich mir viele Gewürze mitgenommen." Ihre Augen leuchten bei der Erinnerung. Jetzt hat sie die Welt praktisch zu Hause, im Magdeburger Garten.

Früher: Glaube zu Gott, nicht an die Partei

Schwerin wurde 1961 in Salzwedel geboren, ist dort aufgewachsen, war schon immer in der katholischen Gemeinde aktiv, ging im dortigen Pfarrhaus ein und aus. Die gläubige Minderheit, vom Staat beobachtet, hat zusammengeschweißt, erzählt Schwerin. Schon damals hätte sie sich vorstellen können, Pfarrhaushälterin zu werden, doch es galt noch das kanonische Alter von 28 Jahren. So lernte Petra Schwerin bei der Post. "Der Chef hatte schon gesagt: ,Wir sind so stolz auf dich, du bist die Einzige im Bereich Magdeburg, die mit Eins abschließt'." Doch am nächsten Tag standen auf ihrem Zeugnis nur noch Zweien.

Magdeburg Kathedrale St. Sebastian
Petra Schwerin wollte sich keinen politischen Weg aufzwingen lassen. Bildrechte: Bistum Magdeburg

"Ich habe die vormilitärische Ausbildung verweigert, da haben sie über Nacht das Zeugnis geändert, damit ich nicht studieren kann", erzählt Schwerin. Sie ist nicht sauer oder gar verbittert, sie stellt es einfach fest und lacht sogar beim nächsten Gedanken.

"Sie haben mir dann nochmal einen Studienplatz angeboten, da gab es ein Kadergespräch: Da saß man wie zur Inquisition, lauter SED- und FDJ-Funktionäre – und ich auf einem Stühlchen in der Mitte. Und dann haben sie mich bearbeitet. Ich sollte in die Partei eintreten und da sagte ich: Gut, ich trete in die Bauernpartei ein, haha! – Nein, das sei nicht richtig, ich sollte in DIE Partei eintreten. Ich sagte, nein, in DIE Partei trete ich nicht ein und ich beende das Gespräch an der Stelle." Petra Schwerin sieht die Szene noch klar vor sich. Ein wenig Mut, eine gewisse alterstypische Kontrastellung, aber auch der feste Glaube, dass ihr nichts passieren kann – das habe sie so selbstbewusst auftreten lassen. 

Heute: Neuer Pfarrer – neues Leben

Das war es natürlich mit der Stelle bei der Post, Petra Schwerin wechselt als Zieherin in eine Kerzenfabrik. Dort lernt sie ihren Ehemann kennen, der aber 1996 stirbt. Auch den Arbeitsplatz gibt es nicht mehr, Petra Schwerin fällt in ein Loch. 2002 schließlich kommt ein neuer Pfarrer nach Salzwedel, ohne Haushälterin. "Wir haben uns dann mal getroffen und wir haben gut harmoniert, so bin ich dann Pfarrhaushälterin geworden – das war perfekt."

Basteltage für Kindergartenkinder oder als Betreuerin bei den religiösen Kinderwochen – Petra Schwerin genießt den Kontakt mit den Gemeindemitgliedern. "Ich war sehr traurig, als ich vor zehn Jahren dann von Salzwedel wegging. Hier in Magdeburg beim Bischof ist es ein anderer Fokus: Die Gemeinde–Aufgaben sind weggefallen, es geht nur noch um eine Person. Ich mache das unheimlich gern, aber es ist eine Umstellung gewesen."


Hintergründe:

Was genau sind Bistümer?

Landkarte, die die Zuständigkeit des Bistums Magdeburg zeigt
Das Bistum Magdeburg Bildrechte: Bistum Magdeburg

Ein Bistum ist eine von einem Bischof geleitete Verwaltungseinheit der katholischen Kirche. Es ist in mancher Hinsicht einem Bundesland vergleichbar. Theologisch gesehen verkörpert ein Bistum als Teilkirche zugleich die katholische Kirche als Ganzes. Diese besteht in und aus vielen Ortskirchen. Die Errichtung, Änderung und Aufhebung eines Bistums – gleichbedeutend ist der Begriff Diözese – behält sich weltweit der Papst vor.

Mehrere Bistümer bilden in der Regel zusammen mit einem Erzbistum eine Kirchenprovinz, an deren Spitze ein Erzbischof steht. Zu einem Bistum gehören viele Pfarreien, in denen im Auftrag des Bischofs Pfarrer gemeinsam mit den Gläubigen als Gemeinde leben. Im vierten Jahrhundert entstanden die ältesten deutschen Bistümer Trier, Köln und Mainz. Die heutigen Grenzen der deutschen Diözesen beruhen zumeist auf Vereinbarungen zu Beginn des vorletzten Jahrhunderts. Das Kirchengebiet Magdeburg, das 1994 zum Bistum erhoben wurde, umfasst Sachsen-Anhalt, Teile Brandenburgs und Sachsens.

Der Bischof Dr. Gerhard Feige

Dr. Gerhard Feige und derm vatikanischen ֖kumene-Beauftragten
Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Gerhard Feige wurde 1951 in Halle (Saale) geboren und 1978 in Magdeburg zum Priester geweiht. Seit 1989 lehrte er an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt unter anderem Alte Kirchengeschichte und Ostkirchenkunde. 1999 wurde Feige von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in Magdeburg ernannt. Am 16. April 2005 übernahm er das Bischofs-Amt von Leo Nowak. Dieser stand zuvor seit 1990 an der Spitze des Magdeburger Kirchengebietes, ging aber mit 75 Jahren in den Ruhestand. Bischof Feige ist Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Zahl der Kirchenmitglieder sinkt seit Jahren

Die beiden großen christlichen Kirchen in Sachsen-Anhalt verzeichnen seit Jahren sinkende Mitgliederzahlen. Dafür machen die Kirchen vor allem den demografischen Wandel verantwortlich.

• Laut Bischofskonferenz gab es Ende 2018 rund 73.700 Katholiken im Land. Ein Jahr zuvor waren es noch etwa 75.900 Mitglieder. 1999 gab es noch 130.000 Mitglieder im Bistum Magdeburg.

• Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland verzeichnete 2018 rund 227.100 Mitglieder in Sachsen-Anhalt, im Jahr 2017 waren es noch rund 234.000 Mitglieder, im Jahr 2016 noch rund 240.000.


Der Beruf ist selten geworden

Sie verstehen das Leben unter einem Dach als Miteinander, nicht in erster Linie als Angestelltenverhältnis. Petra Schwerin wohnt im Dachgeschoss, der Bischof unten im Haus. Ein Modell, das aus der Mode kommt. Gab es früher über 20.000 Pfarrhaushälterinnen, sind es laut dem Bundesverband heute nur noch wenige tausend Mitglieder, viele schon im Ruhestand. "Ich bin eine aussterbende Rasse", sagt Petra Schwerin und lacht, um dann schnell ernst zu werden. "Ich denke, den Pfarrern fehlt dann etwas. Es ist gut, wenn man abends nicht allein ist und nicht alles mit sich selbst ausmachen muss. Und die 'gute Seele' des Pfarrhauses, die auch mal Obdachlosen etwas gibt und einfach in der Gemeinde ständig ansprechbar ist, geht verloren." Also genau das, was Petra Schwerin in Salzwedel gelebt hat.

"Wenn der Bischof da ist, habe ich Dienst"

Einen Alltag kennt Petra Schwerin nun nicht. Ihr Leben richtet sich nach dem Terminplan des Bischofs: Frühstück machen, wenn er aufsteht, Mittagessen, wenn er da ist, den Haushalt schmeißen und auf den kleinen Hund Willy aufpassen. "Ich freue mich immer, wenn Gäste kommen", sagt sie und lacht, "dann kann ich meine großen Töpfe auspacken, das liebe ich!" Nachmittags hat sie meist einige Stunden für sich, sie liest gern historische Romane und kümmert sich um den Garten. Abends, wenn sie mit Handarbeiten vor dem Fernseher sitzt, laufen immer mal Reportagen über die DDR. "Vieles vergisst man ja und manches hat man damals gar nicht so wahrgenommen. Im Nachgang finde ich das sehr interessant, wie sich alles entwickelt hat und was wir doch für einen großen Sprung gemacht haben, auch wenn viele meckern."

Fröhlich und dankbar erscheint Petra Schwerin – und bestätigt das gern: "Ich liebe meinen Job – wer weiß, ob ich hierhin gekommen wäre, hätte ich Finanzen studiert".

Christine Warnecke
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Die Autorin: Christine Warnecke Christine Warnecke ist gebürtige Niedersächsin und arbeitet seit September 2017 bei MDR SACHSEN-ANHALT für die Radio- und Online-Redaktion, insbesondere das Studio Magdeburg. Davor hat sie in Praktika bei der Bild-Zeitung Hannover, bei Radio mephisto 97.6 und der Zeitung "Costa del Sol"-Nachrichten in Spanien Erfahrung gesammelt. Sie studierte Journalistik an der Universität Leipzig und volontierte bei der Neuen Westfälischen Zeitung in Bielefeld. Nach diesem Abstecher in den Teutoburger Wald fühlt sie sich nun fast überall nahe der elbischen Fluten wohl.

Quelle: MDR/ap, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21. Juli 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 13:24 Uhr

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1 Kommentar

23.07.2019 10:02 Leser 1

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