Geburtshillfe Ein Beruf mit Nachwuchssorgen

Hohe Versicherungsprämien, unzumutbare Arbeitsbelastung und wenig Nachwuchs: Die Aufgabe von Hebammen wird im Alltag oft erschwert. Der Berufsverband klagt darüber, dass immer mehr Frauen den Beruf aufgeben. Erstmals will jetzt das Sozialministerium mit einer Studie konkrete Zahlen über den Zustand und Bedarf an Geburtshilfeleistungen ermitteln.

In Sachsen-Anhalt fehlen an vielen Orten Hebammen – und das aus unterschiedlichen Gründen. Im Land gibt es etwa 300 Hebammen und viele von ihnen arbeiten freiberuflich, wie Claudia Grenzau von der Hebammengemeinschaft Storchennest im Salzlandkreis.

Sie ist Helfer, Begleiter und Freundin für junge Mütter und Väter und kennt den Berufsalltag sehr gut. Manchmal ist sie 24 Stunden auf den Beinen: In der Nacht begleitet sie eine Geburt, dann macht sie Hausbesuche, hält die Sprechstunde und gibt Vorbereitungskurse. "Man kann leider Geburt nicht planen. Es kommen mal Stoßzeiten, wo ganz viele Babys geboren werden. Aber eine selbstständige Hebamme hat keinen Achtstundentag."

"Die jungen Frauen schaffen das nicht"

Claudia Grenzau, Hebamme der Hebammengemeinschaft Storchennest in Staßurt
Claudia Grenzau: "Eine selbstständige Hebamme hat keinen Achtstundentag." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Und sie sucht dringend Verstärkung, aber es fehle an Nachwuchs. "Unsere Kinder sind schon außer Haus. Dadurch gibt es bei uns die Möglichkeit, so ein Pensum zu bewältigen. Aber die jungen Frauen schaffen das nicht", erklärt die Hebamme aus Staßfurt.

Seit Jahren macht der Deutsche Hebammenverband auf die schwierigen Umstände der Hebammen aufmerksam. In der Zeit von 2002 bis 2017 habe sich beispielsweise die Haftpflichtversicherung mehr als verzehnfacht, teilt der Verband mit. Demnach müsse eine freiberuflich tätige Geburtshelferin mehr als 7.600 Euro für ihre Berufshaftpflichtversicherung bezahlen. Das sei aufgrund des oft niedrigen Verdienstes oft nicht mehr zu erwirtschaften.

Außerdem: Während freiberufliche Hebammen oft rund um die Uhr arbeiten würden, stellten Krankenhäuser ihre Geburtshelfer häufig nur in Teilzeit an. "75 Prozent aller Klinikhebammen sind nur noch Teilzeit beschäftigt", sagte Petra Chluppka, Vorsitzende des Landeshebammenverbandes Sachsen-Anhalt. Das könne ein Grund sein, warum viele Hebammen aufgehört haben, in dem Beruf zu arbeiten.

Studien-Ergebnisse Anfang 2018

Ute Albersmann, Sprecherin des Sozialministeriums in Sachsen-Anhalt
Ute Albersmann: Was wünschen sich Mütter rund um die Geburt? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie hoch der Bedarf an Geburtshelfern genau ist und wo Mangel herrscht, will das Sozialministerium bis Anfang 2018 mit einer Studie herausfinden. Für jede Region soll erfasst werden, wie viele Hebammen nötig sind und wie es um die Hebammenleistungen bestellt ist, teilte das Ministerium mit. Ute Albersmann, Sprecherin des Sozialministeriums, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir werden Kliniken befragen. Wir werden Hebammen befragen. Wir werden auch Mütter befragen, was sie sich eigentlich wünschen an Begleitung rund um die Geburt." Wenn die Ergebnisse im ersten Quartal 2018 vorliegen, werde man damit zum ersten Mal solide Daten haben.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN ANHALT HEUTE | 01.09.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mp

Zuletzt aktualisiert: 02. September 2017, 18:54 Uhr

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2 Kommentare

03.09.2017 16:59 Frank 2

@ 1: Ihr Beitrag ist ein Witz. Ein willkürlich zum Vergleich von Ihnen herangezogener Beamter kann nichts für die Fehler im Gesundheitssystem.
Das gesamte Gesundheitsystem ist ein Patient und bedarf dringend einer grundlegenden Behandlung. Im Wahlkampf nehmen da einige Parteien da Mund sehr voll. Man darf gespannt sein, was nach der Wahl, dann in Regierungsverantwortung umgesetzt wird.

02.09.2017 21:01 Steffen 1

Allein die Bezahlung der Hebamme ist ein Witz. Die Verantwortung für Frau und Kind, dann eventuelle Schadenersatzansprüche für 30 Jahre und natürlich fast keine pünktliche Arbeitszeiten, weil die Kinder dann kommen wie sie wollen. Und wenn ich alleine die Bezahlung eines Beamten im Büro anschaue, wird mir schlecht!