Eichenprozessionsspinner hängen an dem Zweig einer Eiche
Die Haare der Eichenprozessionsspinner-Raupen sind gefährlich. Bildrechte: dpa

Geld vom Land Hilfen gegen Spinner-Plage

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners haben sich in vielen Regionen Sachsen-Anhalts breit gemacht. Gefährlich sind ihre giftigen Brennhaare. Für die Bekämpfung hat das Land finanzielle Unterstützung zugesagt.

Eichenprozessionsspinner hängen an dem Zweig einer Eiche
Die Haare der Eichenprozessionsspinner-Raupen sind gefährlich. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt unterstützt in Zukunft Kommunen bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, darauf habe sich das Kabinett verständigt. "Die Raupenplage ist ein besonders schwerwiegendes Geschehen derzeit, vor allem in der Altmark. (...) Der Betroffenheitsgrad ist so stark, dass wir hier als Land unterstützen wollen." Betroffene Kommunen könnten bei Bedarf auf den Ausgleichsstock der Landesregierung zurückgreifen. Finanzminister André Schröder werde dazu kurzfristig Gespräche führen.

Für die Bekämpfung sollen laut Haseloff verschiedene Ministerien zuständig sein. Zudem werde neben der vereinbarten Soforthilfe bei Bedarf auch eine größere Summe in den Haushalt 2019 eingestellt, um die Raupenplage in ganz Sachsen-Anhalt zu bekämpfen.

Flächendeckender Befall im Gartenreich

Im Landkreis Wittenberg gibt es unterdessen bereits einen flächendeckenden Befall mit dem Eichenprozessionsspinner. Das sagte der Amtsarzt des Kreises, Michael Hable, im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT. Das Besprühen ausgewählter Eichenbestände im Landkreis sei durchaus erfolgreich verlaufen. Die Bekämpfungsquote liege aber nur bei etwa 80 Prozent. Besonders betroffen sei das Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Hable: "In Wörlitz gibt es viele Eichen. Der Eichenprozessionsspinner hat dort ideale Bedingungen."

Das bestätigt Brigitte Mang, Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT, grundsätzlich seien alle Eichen betroffen. Gärten und Radwege seien mit Bioziden besprüht worden. Zusätzlich werde abgesaugt. Touristische Einschränkungen befürchtet Mang nicht: "Es wird alles unternommen, um das Problem klein zu halten."

Zwei Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung Kemberg sind krankgeschrieben worden, nachdem sie mit den Raupen in Kontakt gekommen waren. Bürgermeister Torsten Seelig (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es habe sich richtig schlimm entwickelt. Es sei sehr extrem bisher. "Selbst abgelegene Bereiche sind massiv befallen."

Raupen des Eichenprozessionsspinners auf einem Baumstamm.
Bildrechte: dpa

Der Eichenprozessionsspinner und sein Gift Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schädigen Bäume und können auch Menschen gefährlich werden. Ihre feinen Härchen lösen Atembeschwerden, Juckreiz und Entzündungen aus. Das in den Brennhaaren enthaltene Nesselgift Thaumetopoein kann auch Schwindel und Fieber verursachen, in Ausnahmefällen droht sogar ein lebensgefährlicher allergischer Schock.

Nachts ziehen die älteren Raupen aus ihren Nestern in Eichen in langen Kolonnen auf Nahrungssuche, daher hat der Schmetterling seinen Namen. In den vergangenen Jahren hat sich der unscheinbare kleine Nachtfalter immer weiter ausbreiten können. Experten machen dafür die gestiegenen Temperaturen vor allem im Frühling verantwortlich.

Die Larven schlüpfen in der Regel ab Ende April. Nach der zweiten Häutung entwickeln sich die Brennhaare und können vom Wind weit verteilt werden. Auch nach Jahren behalten sie ihre Wirkung. Deshalb raten die Behörden, befallene Gebiete zu meiden. Quelle: dpa

Coswig spricht von "Epidemie"

Der Bürgermeister der Stadt Coswig, Axel Clauß (parteilos), nannte die Problematik mit dem Eichenprozessionsspinner bei MDR SACHSEN-ANHALT eine "Epidemie". Der Außenbereich der Kindertagesstätte Jeber-Bergfrieden habe gesperrt werden müssen, weil sich in der Nähe viele Eichen befinden, die alle stark befallen seien. Das Absaugen allein dieser Bäume würde die Stadt rund 25.000 Euro kosten. Deswegen sei Coswig auf die Hilfe vom Land angewiesen. Clauß fordert, auch Bäume fällen zu dürfen, wenn Gefahr im Verzug sei.

Langfristige Lösung gefordert

Ein Schild warnt vor dem Eichenprozessionsspinner.
Die Altmark hat regelmäßig mit einem flächendeckendem Befall durch den Eichenprozessionsspinner zu kämpfen. Bildrechte: MDR/Felix Moniac

In der Altmark hat der Landkreis Stendal die Entscheidung des Landes begrüßt, den Kommunen im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner unter die Arme zu greifen. Auch Seehausens Bürgermeister Rüdiger Kloth zeigte sich erfreut darüber. Er forderte bei MDR SACHSEN-ANHALT allerdings, sich tiefergehend mit dem Problem zu befassen. Die langfristige Gefahr seien die Raupen. Diese würden sich bald in Falter verwandeln und bis zu 300 Eier legen. Die Falter müssten aus der Luft bekämpft werden. Es müsse unbedingt überlegt werden, wie man das Problem langfristig in den Griff bekomme. Kloth hatte sich Ende vergangener Woche wegen des Tatbestands der Körperverletzung im Amt selber angezeigt. Ein achtjähriges Mädchen hatte Ende Mai einen Schock erlitten, nachdem es in Kloths Gemeinde mit Haaren des Eichenprozessionsspinners in Berührung gekommen war.

Ministerium: Bekämpfung aus der Luft abgeschlossen

Das Landes-Umweltministerium erklärte auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, das Landeszentrum Wald erfasse regelmäßig den Befall mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners. Es stehe dabei Kreisen und Kommunen seit Jahren beratend und koordinierend zur Seite. Zur Bekämpfung hieß es aus dem Ministerium, das Versprühen eines Biozids aus der Luft sei abgeschlossen. Man rechne mit guten Ergebnissen wie im Vorjahr.

Linken-Landtagsabgeordneter Wulf Gallert forderte in einer Pressemitteilung, das Land müsse künftig dauerhaft die Zuständigkeit im Rahmen der Gefahrenabwehr übernehmen und das Problem nachhaltig angehen. So würden die Kommunen tatsächlich entlastet.

Quelle: MDR/ap

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Bildrechte: dpa
Mehrere Raupen mit einem dichten Haarkleid liegen zu einem Knäuel zusammengerollt auf Blättern.
Bildrechte: ThüringenForst/Matthias Stürtz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. Juni 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2018, 13:32 Uhr

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1 Kommentar

13.06.2018 22:39 Stefan Kielmeier 1

Das erste Bild ("Spinnweben und Raupen. Die Haare der Eichenprozessionsspinner-Raupen sind gefährlich. Bildrechte: imago/Eibner") zeigt leider keine Eichenprozessionsspinner-Raupen, sondern Gespinstmotten-Raupen (auch an der Blattform der befallenen Pflanzen zu erkennen) . Diese sind ungefährlich und befallen Obstbäume. Aufgrund der ggf. dadurch entstehenden Verunsicherung der Leser, sollte diese Abbildung korrigiert werden. Danke!

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

Danke für den Hinweis. Wir haben das Bild ausgetauscht.