Russische Nationalflagge
Russisch zu lernen ist bei immer weniger Schülern beliebt. Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Schulunterricht Immer weniger Schüler lernen Russisch

Schüler in Sachsen-Anhalt haben immer weniger Interesse daran, Russisch zu lernen. Häufig wird Russisch an den Sekundarschulen und Gymnasien nur noch als dritte Fremdsprache unterrichtet. Das hat Gründe.

von André Damm, MDR SACHSEN-ANHALT

Russische Nationalflagge
Russisch zu lernen ist bei immer weniger Schülern beliebt. Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Bundeskanzlerin Angela Merkel überrascht immer wieder mit ihren Russisch-Kenntnissen. Beim G-8-Gipfel plauderte sie schon mal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in dessen Muttersprache. Bei den Schülern in Sachsen-Anhalt hingegen steht die Fremdsprache, mit der sich 250 Millionen Menschen in der Welt verständigen, nicht mehr hoch im Kurs.

Deutlich weniger Russisch-Schüler

Immer weniger Schüler in Sachsen-Anhalt wollen Russisch lernen. Stefan Thurmann vom Bildungsministerium verweist auf die Datenbanken des Statistischen Landesamtes. Die zeigen einen klaren Trend, der die Gymnasien, aber auch die Sekundarschulen betrifft: Im Schuljahr 2005/2006 haben noch 17.300 Schüler Russisch belegt. Im vergangenen Schuljahr waren es nur noch 12.000 Schüler und damit in etwa dreißig Prozent weniger.

Schuljahr Russisch-Schüler in Sachsen-Anhalt
2005/2006 17.300
2017/2018 12.000

In den Alten Bundesländern ist der Rückgang weniger groß – allerdings wird Russisch dort schon immer auf einem sehr niedrigen Niveau unterrichtet, sagte Wilhelm Lückel, Bundesvorsitzender des Russischlehrer-Verbandes, MDR SACHSEN-ANHALT. Insgesamt gehe die Tendenz jedoch nach unten. Das habe damit zu tun, dass Slawistik-Institute geschlossen werden und dass sich die Dolmetscher-Ausbildung schwieriger gestalte. Außerdem entschieden sich viele angehende Pädagogen für andere Fremdsprachen.

Lehrer sträuben sich

Zwiebeltürme in Moskau
Manche Lehrer wollen kein Russisch mehr unterrichten – andere bieten sogar Fahrten nach Russland an. Bildrechte: IMAGO

Außerdem gebe es Lückel zufolge auch ganz praktische Probleme an den Schulen: Viele erfahrene Russischlehrer haben jahrelang die Fremdsprache nicht mehr unterrichtet, weil kein Bedarf bestand. Jetzt sträuben sie sich davor, vor Schülern einer 10., 11. oder 12. Klasse zu stehen.

All das lässt in Sachsen-Anhalt keine Russisch-Euphorie aufkommen. Dennoch bleibt Russisch hinter Englisch und Französisch hierzulande unangefochten die Fremdsprache Nummer 3, auch wenn Spanisch, Italienisch und Chinesisch im Kommen sind.

Kleine Erfolge halten Rückgang nicht auf

Viel hängt immer davon ab, wie die Lehrer ihre Schüler für diese Fremdsprache begeistern können.

Diana Schult Pädagogin

Die Magdeburger Pädagogin Diana Schult organisiert für Sachsen-Anhalt die Teilnahme an der Bundes-Russisch-Olympiade. Sie versucht, ihren Schülern zu vermitteln, was Russland als Land zu bieten hat. Dazu  veranstaltet sie Fahrten nach Sankt Petersburg oder Moskau.

Bei der jüngsten Bundesolympiade haben Schüler aus Sachsen-Anhalt etliche Preise gewonnen – darunter sind auch ein erster und zwei zweite Plätze. Den Trend werden diese Erfolge aber wohl nicht stoppen.

Über den Autoren André Damm, geboren und aufgewachsen in der Lutherstadt Wittenberg, arbeitet seit 1998 für MDR SACHSEN-ANHALT. Mit Vorliebe widmet er sich Themen aus Politik, Wirtschaft und Kirche. Im Einsatz ist er vor allem in der Region Anhalt und Wittenberg, hauptsächlich für den Hörfunk, aber auch für Online und Fernsehen. André Damm hat 1990 bei der Mitteldeutschen Zeitung volontiert, danach an der Universität Leipzig Journalistik und Politikwissenschaften studiert. Seine ersten Radioerfahrungen machte er ab 1994 als Berichterstatter für MDR Radio-Sachsen in Leipzig und Görlitz; regelmäßig arbeitet er noch für MDR-Aktuell als Autor, Redakteur und Moderator.

Quelle: MDR/rj

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 14. März 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2019, 14:08 Uhr

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9 Kommentare

18.03.2019 11:15 lummox 9

schade, nun kann bald kein deutscher mehr Фёдор Миха́йлович Достое́вский im original lesen :(

18.03.2019 09:50 Günter Kromme 8

Warum russisch lernen, die Sprache eines Zwergstaats ohne jede wirtschaftliche Bedeutung und nach Merkels Lesart ein Feindesland? Besser ist natürlich englisch, damit die Schüler beim Schuleschwänzen auch wissen was "It's ouer fucking Future" lesen können. Aber leider, ich vergaß, lernen ist nicht mehr angesagt und beim Streik auf dem Marktplatz findet kein Unterricht statt, auch kein englischer. Und was ich für äußerst bemerkenswert halte sind die Überlegungen türkisch als zweite Fremdsprache einzuführen. Die Türkei, der demokratiefeindliche aufstrebende Tigerstaat gegen den Russland ein Scheißdreck ist. Wir sind schon ein tolles Land, die Pisa-Studien lassen grüßen!


Anmerkung von MDR SACHSEN-ANHALT:
Bitte bleiben Sie bei dem Thema des Artikels.

17.03.2019 16:53 Gert 7

Wird in der NATO, der die BRD angehört Russisch gesprochen? NEIN! Es wird dort und im Europäischen Parlament usw. ENGLISCH gesprochen. Um durch die Welt zukommen, braucht man da eher Englisch als Russisch. Englisch ist eben auch die Grundsprache im Internet.

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