Erste Lieferung für Weihnachten erwartet Am 27. Dezember soll es losgehen: Was Sie über die Corona-Impfungen wissen sollten

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Der Weg für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus ist so gut wie frei: Nach der Zulassung des Biontech-Impfstoffs durch die EU-Kommission soll es am 27. Dezember wie geplant losgehen. MDR SACHSEN-ANHALT beantwortet die wichtigsten Fragen zum Impfstart in Sachsen-Anhalt.

Am Sonntag nach Weihnachten soll es losgehen: Dann, so jedenfalls ist der Plan, sollen in Deutschland die ersten Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden. Nachdem am Montag die Behörden der Europäischen Union den Impfstoff zugelassen haben, können am 27. Dezember auch in Sachsen-Anhalt die ersten Menschen geimpft werden. Das hat das Sozialministerium in Magdeburg am Dienstag bestätigt.

Die erste Lieferung des Impfstoffs wird demnach am zweiten Weihnachtsfeiertag in Sachsen-Anhalt erwartet und auf die Landkreise verteilt. Einen Tag darauf sollen mobile Impfteams die ersten Menschen gegen SARS-CoV-2 impfen. Darauf haben sich am Dienstag die Landräte bei einer Videoschalte mit dem Gesundheitsministerium in Magdeburg verständigt.

Beispiel Burgenlandkreis: Dort hat Landrat Götz Ulrich (CDU) am Dienstagnachmittag über den geplanten Impfstart im Landkreis informiert. Ulrich sagte auf einer Pressekonferenz, der Burgenlandkreis erwarte am Mittag des 27. Dezembers 795 Impfdosen. Sie sollen bis einschließlich 30. Dezember verimpft werden.

Der Impfstoff

Wenn über den Impfstoff und einen Impfbeginn am 27. Dezember gesprochen wird, dann bezieht sich das auf den Impfstoff des Unternehmens Biontech aus Mainz und seines US-Partners Pfizer. Die Forscher beider Unternehmen hatten nach eigenen Angaben Mitte Januar begonnen, an einem Impfstoff gegen das neuartige Virus SARS-CoV-2 zu forschen. Nachdem der Impfstoff in anderen Ländern der Welt – darunter in Großbritannien und den USA – bereits zugelassen worden war und eingesetzt wird, kann es nun auch in Deutschland losgehen.

Wichtig: Der Impfstoff von Biontech und Pfizer wird in zwei Dosen verabreicht. So soll eine vollständige Immunität gegen das Virus gewährleistet werden.

Drei Corona-Impfstoffdosen
Um die Geimpften zu immunisieren, soll der Impfstoff in zwei Dosen innerhalb von drei Wochen verabreicht werden. (Archivfoto) Bildrechte: imago images / Martin Wagner

Wann kommt der Impfstoff gegen das Coronavirus in Sachsen-Anhalt an?

Nach Angaben von Sachsen-Anhalts Sozialministerium soll der Impfstoff am 26. Dezember in Sachsen-Anhalt eintreffen. Die Dosen werden demnach in ein Zentrallager bei Magdeburg geliefert und von dort an die Impfzentren in allen Landkreisen und kreisfreien Städten verteilt.

Wie viele Impfdosen wird Sachsen-Anhalt zunächst bekommen?

Zunächst wird Sachsen-Anhalt wohl 9.750 Impfdosen bekommen. Das sind noch einmal weniger als die zuletzt avisierten 13.000 Dosen. Nach Informationen aus dem Sozialministerium sollen vor Ende des Jahres aber weitere Impfdosen hinzukommen. Wie viele genau, wurde nicht mitgeteilt. Der Plan ist, dass Sachsen-Anhalt bis Mitte Februar etwa 175.000 Impfdosen bekommt.

Es ist eine gute Nachricht, dass in den kommenden Wochen doch deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung stehen wird, als in den vergangenen Tagen erwartet werden konnte.

Beate Bröcker Staatssekretärin im Gesundheitsministerium

Wichtig fürs Verständnis: Weil bei Impfungen insgesamt zwei Dosen gespritzt werden, reichen 175.000 Impfdosen nicht für 175.000 Menschen – sondern für rund die Hälfte.

Übrigens: Alle Landkreise werden zeitgleich mit dem Impfstoff beliefert. Die Zahl der Dosen orientiert sich dabei laut Gesundheitsministerium an der Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner.

Wie wird der Impfstoff gekühlt?

Während des Transports soll die Kühlung des Impfstoffs gesichert werden. Das hat das Gesundheitsministerium betont. Eine Sprecherin sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der Transport der Impfdosen werde von einem Pharma-Logistiker aus der Region übernommen. Zudem würden alle Impfzentren mit sogenannten Ultratiefkühlschränken ausgestattet.

Wer wird zuerst geimpft?

Sachsen-Anhalt orientiert sich bei dieser Frage an der vorige Woche erlassenen Impfverordnung des Bundes. Sie regelt, wer zuerst geimpft wird – und wer sich noch gedulden muss. Der Grund ist ganz einfach: Zu Beginn gibt es schlicht nicht ausreichend Impfstoff, um alle Menschen zu impfen. Auch zwischen Arendsee und Zeitz werden deshalb die Menschen zuerst geimpft, die 80 Jahre und älter sind – weil eine Infektion mit dem Virus altersbedingt bei ihnen besonders hohe Risiken birgt.

In der Impfstrategie des Landes Sachsen-Anhalt ist Folgendes geregelt:

  • Stufe 1: Mobile Impfteams impfen in einem ersten Schritt die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen und das Personal dort. Ebenfalls impfen lassen können sich Menschen, die älter als 80 Jahre alt sind. Parallel sollen Beschäftigte in Krankenhäusern geimpft werden.
  • Stufe 2: Erst hier kommen die Impfzentren ins Spiel: In ihnen sollen dann beispielsweise Menschen über 70 geimpft werden. Sachsen-Anhalt folgt hier der Reihenfolge, die die Ständige Impfkommission empfohlen hat.
  • Stufe 3: Erst in einem dritten Schritt sollen die Menschen geimpft werden, bei denen das Risiko für einen tödlichen Verlauf der Erkrankung niedrig ist.

Wer gehört zu einem mobilen Impfteam?

Ein Blick in die Impfstrategie des Landes Sachsen-Anhalt verrät: Zu den mobilen Impfteams soll jeweils ein approbierter Arzt oder eine approbierte Ärztin gehören. Außerdem ist eine sogenannte impfbefähigte Person eingeplant. Die Impfteams sind demnach aber auf Unterstützung in den Pflegeeinrichtungen angewiesen: Vor Ort brauche es Beschäftigte, die zum Beispiel die Aufklärung vor der Impfung bzw. deren Dokumentation vornehmen, heißt es.

Übrigens: Die mobilen Impfteams, die zunächst unter anderem Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen impfen sollen, sind an die Impfzentren angesiedelt und werden von dort losgeschickt.

Woher kommt eigentlich das Personal?

Aus den Landkreisen. Eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man rekrutiere lediglich das ärztliche Personal. Alle weiteren personellen Entscheidungen würden auf Ebene der Landkreise getroffen, hieß es.

Wie erfahre ich, dass ich geimpft werden soll? Und wohin wende ich mich, wenn ich mich impfen lassen möchte?

Um den Einsatz mobiler Impfteams zu koordinieren, steht das Land nach Angaben aus dem Gesundheitsministerium im Austausch mit den Pflegeeinrichtungen in Sachsen-Anhalt. In einer schriftlichen Stellungnahme des Gesundheitsministeriums heißt es: "Im Vorfeld wird über die Heime das Impfinteresse abgefragt, auch unter Einbeziehung von Betreuenden."

Der zweite Teil der Frage wird ohnehin erst in einigen Wochen relevant – wenn die Impfung gegen das Coronavirus für mehr Menschen zugänglich ist. Sprich: Wenn genug Impfstoff da ist. In Sachsen-Anhalt sollen Menschen sich dann über eine Website oder per Anruf für die Impfung anmelden können. Das Gesundheitsministerium teilte mit, das sei voraussichtlich Mitte Januar möglich. Grundsätzlich gilt: Ohne Termin wird es keine Impfung geben.

Wo stehen Impfzentren in Sachsen-Anhalt?

Der Aufbau und die Organisation der Impfzentren ist in Sachsen-Anhalt Sache der Landkreise und der kreisfreien Städte. Sie haben in kurzer Zeit Impfzentren hochgezogen – die nun, nach der Zulassung des Impfstoffs, auf ihren Einsatz warten. Insgesamt gibt es 14 Impfzentren in Sachsen-Anhalt – also eines pro Landkreis und kreisfreier Stadt.

EIne Karte mit den geplanten Impfzentren
Die Landkarte zeigt, wo in Sachsen-Anhalt Impfzentren aufgebaut worden sind. Bildrechte: MDRklärt/Max Fürstenberg

Altmarkkreis Salzwedel

Der Altmarkkreis Salzwedel hat sein regionales Impfzentrum im Nebengebäude der Kreisverwaltung in Gardelegen eingerichtet.

Anhalt-Bitterfeld

Das Impfzentrum im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Filmfabrik in Wolfen eingerichtet. Das Gebäude war zuletzt als Ausweichstandort für das Berufsschulzentrum genutzt worden.

Burgenlandkreis

Der Burgenlandkreis hat sein Corona-Impfzentrum im nördlichen Kreisgebiet aufgebaut – direkt an der Autobahn A9, im Gewerbegebiet Zorbau.

Landkreis Börde

Der Landkreis Börde hat ein Impfzentrum in Haldensleben am Waldring neben der Grundschule Erich Kästner eingerichtet.

Dessau-Roßlau

Die Stadt Dessau-Roßlau richtete das Zentrum in der Anhalt-Arena ein. Ein Stadtsprecher sagte, man sei einsatzfähig und warte nur noch auf den Impfstoff.

Halle

Hallenser werden auf dem Campus der Martin-​Luther-Universität in der Magdeburger Str. 22 geimpft.

Harz

Das Impfzentrum im Landkreis Harz wurde in Quedlinburg in einem ehemaligen Supermarkt in der Nähe des Bahnhofs aufgebaut. Eine gute Anbindung mit Bus und Bahn ist somit gewährleistet. Man habe sich ganz bewusst gegen eine Turnhalle entschieden, um den Schul-, beziehungsweise Vereinssport nicht zu beeinträchtigen, so die Verwaltung.

Jerichower Land

In der Kreisstadt Burg ist ein Impfzentrum in der Stadthalle am Platz des Friedens entstanden.

Mansfeld-Südharz

Im Landkreis Mansfeld-Südharz hat man sich für die "Mammuthalle" in der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße in Sangerhausen entschieden. Hier will man sich aber mit der Schule, welche die Halle nutzt, verständigen und auch nicht die Halle selbst, sondern die Sozialräume dort als Impfzentrum nutzen.

Magdeburg

Magdeburg hat ein Impfzentrum in der Messehalle 3 im Elbauenpark eingerichtet.

Salzlandkreis

Der Salzlandkreis hat bekannt gegeben, dass das Impfzentrum in der ehemaligen Kinderklinik in Staßfurt in der Bodestraße eingerichtet worden ist.

Stendal

In Stendal wurde eine ehemalige Kita in der Osterburger Straße umgebaut. Für die Barrierefreiheit wurde eine Rampe zum Gebäude eingebaut. Auch Kabel mussten neu verlegt werden.

Saalekreis

Das Impf- und Verteilzentrum ist im CCE Kulturhaus Leuna in Leuna eingerichtet worden. Das Gebäude soll gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein.

Wittenberg

Anlaufpunkt für alle, die sich impfen lassen wollen, ist im Landkreis Wittenberg die Sporthalle der Berufsbildenden Schule Wittenberg. Hier war im Frühjahr bereits das Abstrichzentrum untergebracht.

Bei der Einrichtung der Impfzentren hilft auch das Technische Hilfswerk: Ein Sprecher der Behörde sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstag, in Sachsen-Anhalt hätten allein zu Beginn der Woche 42 Einsatzkräfte aus mehreren Ortsverbänden und die Impfzentren im Land mit der nötigen Ausstattung – also zum Beispiel dem Mobiliar oder Desinfektionsmittel – beliefert.

Sind die Impfzentren schon bereit?

Dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Während die Impfzentren im Norden Sachsen-Anhalts vor einigen Tagen Vollzug meldeten, teilte der Landkreis Jerichower Land jetzt mit, dort sei nach Weihnachten alles fertig. In der Stadthalle in Burg wird demnach noch umgebaut. Noch vor Weihnachten soll dort demnach alles fertig sein.

Ampulle mit dem Pfizer/Biontech Corona-Impfstoff
Wann geht's los? Hinter den Kulissen arbeiten Landkreise mit Hochdruck daran, einen Start der Impfungen noch in diesem Jahr zu ermöglichen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Und wie läuft die Impfung in einem solchen Impfzentrum ab?

Ganz konkret hängt das natürlich auch vom Impfzentrum selbst ab. In der Impfstrategie des Landes gibt es aber einen Plan, nachdem die Impfungen grob ablaufen werden. Auch hier gilt: Bis es soweit ist, wird es noch dauern. Zuerst werden schließlich besonders gefährdete Menschen geimpft.

  • Schritt 1 – die Anmeldung: Wer sich impfen lassen will (und dafür einen Termin gemacht hat), bekommt an der Anmeldung ein Informationsblatt und einen Fragebogen.
  • Schritt 2 – die Registrierung: Die Personaldokumente werden überprüft. Dann geht es in Richtung Impfstation.
  • Schritt 3 – das Impfgespräch: Hier klärt eine Ärztin oder ein Arzt offene Fragen und entscheidet, ob die Impfung wie geplant vorgenommen werden kann.
  • Schritt 4 – die Impfung: Die Impfung selbst dauert nicht lange, anschließend ist ein Eintrag in den Impfpass geplant.
  • Schritt 5 – das Warten: Wer geimpft wurde, wird anschließend beobachtet. So sollen Komplikationen ausgeschlossen und im Notfall gehandelt werden können.

Aus Großbritannien wurde eine mutierte Variante des Virus gemeldet. Hat das Auswirkungen auf die Impfungen in Sachsen-Anhalt?

Das Sozialministerium betont: Nein. Die Impfstrategie bleibe dieselbe. Hinzu kommt, dass der Impfstoff-Entwickler Biontech keine Bedenken wegen der Mutation hat. Firmenchef Ugur Sahin sagte, aus wissenschaftlicher Sicht sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Impfstoff auch gegen die neuartige Variante des Coronavirus wirke. Der Impfstoff sei bereits gegen 20 andere Virus-Varianten getestet worden – erfolgreich, wie Sahin sagte.

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg. In seiner Freizeit steht er mit Leidenschaft auf der Theaterbühne.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

ralf meier vor 9 Wochen

Da lese ich: 'Auch zwischen Arendsee und Zeitz werden deshalb die Menschen zuerst geimpft, die 80 Jahre und älter sind.'

im ZDF Artikel 'Biontech/Pfizer Impfstoff Impf-Nebenwirkungen: Was bislang bekannt ist' vom 19.12.2020 kann man dazu erfahren: 'Der Chef der Arzneimittel-Kommission, Wolf-Dieter Ludwig, zeigte sich im ZDF allerdings unzufrieden mit der Studienlage. Es gebe noch viele offene Fragen, etwa bei der Gruppe der Über-80-Jährigen.'

Dab vor 10 Wochen

Da in diesem Land die Alten von Wirtschaftlichen Nutzen sind.Senioren Oasen und Pflegeparadise,als Beispiel.Sachsen Anhalt hat gemessen an der Einwohnerzahl,die Höchste Dichte an Betreungseinrichtungen,die Millionen Scheffeln.Da die Kranken- und Pflegekassen Mafia die sich auch Millionen Einstecken...!Da ist jeder der Arbeiten geht,das System mit seinen extrem Hohen Abgaben am Laufen hält nicht im Wirtschaftliche Fokus.Wir war die letzte Amtshandlung unserer Volksvertreter?Rente mit 67 Jahren und Älter.Eine zu erwartene Rente von 40% des letzten Nettos.Wir die dieses Land am laufen halten,sind für die Bestatter und Friedhöfe bestimmt!Da soll ich mich freiwillig beim Impfen in den Hotspots anstecken?Da werde ich nach mehr als 40 Jahren im Job lieber Hartz 4 Empfänger

Christina Trappe vor 10 Wochen

Weshalb werden nicht die zuerst geimpft die immer noch arbeiten gehen?

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