Ein mexikanischer Taco mit Insekten auf einem Teller und in einer Schale.
Insekten auf dem Teller – das gibt es bislang eher selten. Bildrechte: Espitas GmbH & Co. KG

Hoffnung von Forschern und Industrie Insekten im Supermarktregal – die Zukunft?

Grillen, Mehlwürmer oder auch Heuschrecken hat man für gewöhnlich eher nicht auf dem Teller – das könnte sich in Zukunft aber ändern. Grund ist eine neue EU-Verordnung, die Insekten als Lebensmittel ansieht. Hersteller können nun eine Zulassung für ihre Produkte bei der EU beantragen und sie dann auch in Deutschland verkaufen. Was sich alles aus Insekten herstellen lässt, daran wird auch in Magdeburg geforscht. In Halle hat ein Restaurant mit Insektensnacks bereits gute Erfahrungen gemacht.

von Kalina Bunk, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein mexikanischer Taco mit Insekten auf einem Teller und in einer Schale.
Insekten auf dem Teller – das gibt es bislang eher selten. Bildrechte: Espitas GmbH & Co. KG

Mehlwürmer, die zu Burger-Frikadellen oder "Hack"-Bällchen verarbeitet sind oder frittierte Heuschrecken am Spieß – das ist in Deutschland bislang nicht üblich und löst bei vielen Menschen eher Skepsis oder Ekel aus. Das könnte sich aufgrund einer neuen EU-Verordnung ändern. Zum Jahreswechsel ist die neue Novel-Food-Verordnung in Kraft getreten. Das bedeutet: Die Krabbeltiere können nun als Lebensmittel in der EU zugelassen werden. Bislang gab es in Deutschland nur wenige Ausnahmegenehmigungen. Nun soll es statt einer rechtlichen Grauzone gleiches Recht für alle europäischen Länder geben. Die EU entscheidet zentral für alle Mitgliedsstaaten, welche Produkte aus oder mit Insekten als Lebensmittel zugelassen werden.

Magdeburger Forscher sind Fett und Protein auf der Spur

 In einem Gläschen sind Insekten, in drei anderen Flüssigkeiten
Bei PPM wird unter anderem an der Schwarzen Soldatenfliege und an Heuschrecken geforscht. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Dass diese neue Regel hilft, Insekten oder insektenhaltige Lebensmittel in Zukunft hierzulande auf die Teller zu bringen, darauf hoffen auch Forscher in Magdeburg. Der Verein "Pilot Pflanzenöltechnologie" (PPM) erforscht seit Jahren, was sich aus Insekten alles herstellen lässt. Untersucht wurden hier zum Beispiel schon die Larven der Schwarzen Soldatenfliege, erzählt PPM-Forscher Thomas Piofczyk. Hierbei sei das Fett der Tiere gewonnen worden. Dieses ähnelt Piofczyk zufolge Palmfett und könnte eine Alternative dazu sein. Palmfett selbst steht bei Umweltschützern in der Kritik und steckt beispielsweise in Nuss-Nougat-Cremes oder Tütensuppen. Das Öl der Schwarzen Soldatenfliege kann dem Forscher zufolge auch für Reinigungsmittel und Kosmetikprodukte genutzt werden – oder auch als Bestandteil von Futtermitteln: "Wir kooperieren mit einem Hersteller, der sein Fett an jemanden verkauft, der Meisenknödel herstellt."

Aus den Larven lassen sich neben dem Fett auch die Proteine nutzen, erklärt Piofczyk weiter. Aus ihnen könne man Futtermittel herstellen, zum Beispiel für Fische, Geflügel und Schweine, aber auch für Hunde und Katzen. 

Würden Sie Insekten-Lebensmittel essen?

25% 29 Stimmen   Ja, das würde ich mal ausprobieren.
17% 19 Stimmen   Ja, ich habe mich schon mal getraut.
16% 18 Stimmen   Solange es nicht nach Insekt aussieht...
43% 49 Stimmen   Nein, für mich ist das nichts.

Stand: 18.01.2018 14:38:15 Uhr 115 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Vielen Dank fürs Mitmachen! Die Abstimmung ist beendet.

EU-Regeln zum Insektenessen: Die Novel-Food-Verordnung Lebensmittel können in der Regel ohne vorherige Zulassung auf den Markt gebracht werden, wenn lebensmittelrechtliche Bestimmungen eingehalten werden. Eine Ausnahme sind allerdings "neuartige Lebensmittel", die sogenannten "novel foods". Sie müssen von der EU geprüft, gesundheitlich bewertet und zugelassen werden.

Seit dem 01. Januar 2018 ist die neue Novel-Food-Verordnung in der EU verbindlich. In ihr sind nun auch Insekten als neuartige Lebensmittel erfasst. Die neue Verordnung klärt, was zuvor eine Grauzone war. Die EU entscheidet jetzt zentral für alle Mitgliedsstaaten über die Zulassung von Insekten als Essen. Zugelassene Insekten können dann als Ganzes, in Teilen oder verarbeitet verkauft werden.

Bis Insekten oder insektenhaltige Produkte in der westlichen Welt ganz normal zur Ernährung dazugehören, wird es nach Ansicht von Piofczyk noch lange dauern. Er habe aber auch schon viele aufgeschlossene Menschen getroffen. So habe PPM bei Veranstaltungen in der Vergangenheit frittierte Heuschrecken zur Verkostung angeboten. Die Resonanz sei positiv gewesen. 

Insekten als Fleisch der Zukunft?

Piofczyk sieht in den Insekten großes Potenzial. Sie bestünden wie Fleisch zu großen Anteilen aus Proteinen, dazu kämen Nährstoffe wie Vitamine und Mineralien. Und es gebe noch weitere Vorteile: "Insekten wachsen sehr viel schneller als Nutzvieh und brauchen weniger Platz." Außerdem werde weniger Futtermittel gebraucht. Um ein Kilogramm Schwein herzustellen, würden fünf Kilogramm Futter benötigt. Für ein Kilogramm Grillen seien es 1,7 Kilogramm Futter.

Die gehen weg wie warme Semmeln.

Dr.-Ing. Thomas Piofczyk, Pilot Pflanzenöltechnologie Magdeburg

Der Magdeburger Forscher geht davon aus, dass viele Produkte mit tierischem Ursprung ersetzt werden könnten. Möglich sei der Einsatz von Insekten aber beispielsweise auch als Mehl. Andere Länder seien Deutschland da voraus. So gebe es in Finnland bereits Brot, das gemahlene Grillen enthalte. In der Schweiz werden Insektenburger im Supermarkt verkauft. 

Auch Allergien möglich

Da die Insektenzucht für die Industrie noch ein neues Feld ist, gibt es laut Piofczyk auch noch viele offene Fragen. So müsse erst einmal geschaut werden, welche Tiere tatsächlich am besten geeignet seien und wie die Produktion am kostengünstigsten möglich sei. Bevor Produkte auf den Markt können, sei auch die Risikoabschätzung ein wichtiges Thema. Es gehe dabei etwa um Allergien: "Wer gegen Krebs-/Krustentiere allergisch ist, könnte auch eine Allergie gegen Insekten haben", so Piofczyk. Zudem müsse geprüft werden, inwieweit Insekten Schadstoffe aufnehmen und dadurch Nahrungsmittel belasten könnten. Und: Viele Insekten mögen es gerne warm – das kostet Heizenergie.

"Brauchen stärkere Förderung"

Ein Mann steht vor einem Fenster und lächelt.
Thomas Piofczyk ist einer der PPM-Forscher, die sich mit Insekten beschäftigen. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Piofczyk hofft dennoch, dass man künftig auch in Deutschland Insektenprodukte in den Geschäften bekommt: "Ich glaube schon, dass sich eine Nische auftun wird, in der man solche Produkte kaufen kann." Die neue Novel-Food-Verordnung bringe für die gesamte EU in dem Thema Klarheit. Der PPM-Forscher sieht auch noch einen anderen Aspekt: Die Insektenzucht könne einen Beitrag leisten, dem Insektensterben entgegenzuwirken. Das Insektensterben sei darauf zurückzuführen, dass sich die Lebensbedingungen für die Tiere geändert hätten, wohl größtenteils durch den Menschen verursacht. "Das kann ein Beitrag sein, den sterbenden Insekten zu helfen, indem wir unsere Umwelt schonen."

Von der Politik wünscht sich Piofczyk vor allem kürzere Entscheidungszeiten. Anträge aus der Industrie auf Zulassung müssten schnell bearbeitet werden. Ähnlich sieht das auch PPM-Chef Frank Pudel. Forschungsprojekte müssten zudem stärker gefördert werden.

Ich wünsche mir einfach, dass die Politik hier ein bisschen zukunftsorientierter denkt.

Dr.-Ing. Frank Pudel Geschäftsführer Pilot Pflanzenöltechnologie Magdeburg

Pilot Pflanzenöltechnologie Magdeburg PPM ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung der privaten Wirtschaft. Dort werden Verarbeitungsmöglichkeiten von Pflanzen und Insekten untersucht. Einmal im Jahr organisiert der Verein außerdem die "Insecta" – eine Konferenz, auf der sich internationale Wissenschaftler über die Nutzung von Insekten austauschen. 2018 ist die Veranstaltung in Gießen, dort liegt der Schwerpunkt auf der Nutzung von Insekten für Produkte in Medizin und Technik.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Januar 2018 | 11:40 Uhr

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7 Kommentare

11.01.2018 22:41 Klaus Schubert 7

Zurueck zur Steinzeit !! Ich sehe keinen vernuenftigen Grund Ungeziefer zu essen !!

11.01.2018 13:30 Susi 6

es kann ja jetzt jeder denken was er will, für mich persönlich ist es eine große Sauerei, hat im Supermärkte nichts zu suchen.
klasse @ 3 , konnte man wenigstens in diesem Staat mal lachen.

11.01.2018 11:50 Lachner 5

Uns will man immer mehr die deutsche Kultur nehmen . Mehr schreibe ich dazu nicht.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

Und warum das? Zumal Kultur kein fester Begriff ist, Kultur verändert sich.


11.01.2018 10:06 Ureinwohner 4

Insekten im Supermarktregal – die Zukunft? PPM ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung der privaten Wirtschaft. Noch Fragen?

11.01.2018 10:00 Leon 3

Ich werde den Trend nicht mitgehen, dann esse ich lieber meine Nachbarin, die ist Vegetarierin!(:-

11.01.2018 08:59 Karl 2

Was soll das nun wieder, die spinnen ja jetzt total. Fleisch exportieren, Geld scheffeln und uns was vom Weihnachtsmann erzählen und Insekten zum fresse. Geben. So sieht unser Deutschland zwischenzeitlich aus. Toll gemacht.

11.01.2018 06:49 bentin 1

Wenn wir weniger Säugetiere essen und auf Insekten umsteigen - kann die Produktion mehr rotes Fleisch nach China exportieren. Der Bedarf dort an deutschem Fleisch steigt bekanntlich - auch das wurde gestern in den Nachrichten mit gesagt. Was also würden wir hier tatsächlich fördern? Jedenfalls nicht das, was hautpsächlich argumentiert wird: mehr Tierschutz und mehr Umweltschutz.