Interview Angst vor Schweinepest wächst – Schutzmaßnahmen geplant

Auch wenn bislang noch kein Fall in Deutschland gemeldet wurde: Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest wächst. Seit Monaten bereiten sich Behörden und Tierhalter vor. Wie genau die Schutzmaßnahmen aussehen und was passiert, wenn die Tierseuche ausbricht, erklärt der Referatsleiter des Veterinärwesens in Sachsen-Anhalt, Andreas Tyrpe, im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT.

In Sachsen-Anhalt wächst die Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest. Das Landwirtschaftsministerium will vor allem verhindern, dass der Erreger auf Hausschweine übertragen wird. Zuchtbetriebe wurden aufgerufen, penibel auf die Hygiene in den Ställen zu achten. Sollte sich ein Hausschwein infizieren, muss der gesamte Bestand des Züchters getötet werden.

Bislang sind in Deutschland noch keine Fälle von Schweinepest gemeldet worden. Allerdings sind in Polen nahe der deutschen Grenze nach Behördenangaben mittlerweile 22 Tiere an der Seuche verendet. Der Erreger der Afrikanischen Schweinepest kann durch Menschen übertragen werden, zum Beispiel an den Schuhen.

Die Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende Viruserkrankung. Sie tritt ausschließlich bei Schweinen auf (Haus- und Wildschweine). Außerhalb der Ursprungsländer auf dem afrikanischen Kontinent wurde die Krankheit erstmals 2007 in Georgien nachgewiesen. Von dort aus verbreitete sie sich rasant über Osteuropa. Infizierte Tiere leiden an hohem Fieber, Apathie und Blutungen aus Nasen oder Ohren. Die Haut verfärbt sich blau. Außerdem zeigen erkrankte Tiere mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft. Sie verenden binnen weniger Tage. Einen Impfstoff gibt es nicht. Für Menschen ist das Virus ungefährlich.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Der Jagdverband des Landes spricht bereits von einer alarmierenden Lage. Verbandsgeschäftsführer Wilko Flohrstedt sagte, es sei keine Frage, ob die Schweinepest nach Sachsen-Anhalt komme, sondern wann. MDR-SACHSEN-ANHALT sprach mit dem Referatsleiter des Veterinärwesens in Sachsen-Anhalt, Andreas Tyrpe.

MDR SACHSEN-ANHALT: Herr Tyrpe, was wird getan, damit die Afrikanische Schweinepest in Sachsen-Anhalt nicht ausbricht?

Andreas Tyrpe: Wir versuchen zu verhindern, dass das Virus in die Hausschwein-Bestände gelangt. Den Wildschweinbestand zu schützen, ist allerdings bedeutend schwieriger. Wir können nicht jeglichen Personenverkehr kontrollieren, ob jemand Lebensmittel aus infizierten Gebieten nach Deutschland bringt.

Werden die Maßnahmen ausgeweitet?

Wir haben bereits seit längerer Zeit ein Frühwarnsystem und reichen eine Prämie von 50 Euro aus. Dieses Frühwarnsystem soll auch weitergeführt werden. Das ist die dringlichste Maßnahme in einem Gebiet, das noch nicht von der Seuche betroffen ist. (Anmerkung der Redaktion: Jäger und Jägerinnen in Sachsen-Anhalt erhalten derzeit 50 Euro für das Auffinden und Beproben von toten Wildschweinen.)

Wie sieht denn der Notfallplan aus, sollten auch hier verendete Wildschweine entdeckt werden – wird es einen generellen Abschuss geben?

Wir haben einen sogenannten Afrikanische Schweinepest-Rahmenplan. Diesen Plan haben alle Bundesländer. Er basiert auf EU-Recht und sieht bei Auftreten der Pest eine verstärkte Bejagung von Wildschweinen insbesondere den betroffenen Gebieten vor, wo tote Wildschweine positiv getestet werden.

Gibt es weitere Maßnahmen, die geplant sind?

Wir haben Vorsorge getroffen, indem wir zum Beispiel Behältnisse beschafft haben, wo wir tote Wildschweine sammeln können. Das sind mobile Sammelstellen, die derzeit zentral in Halle (Saale) eingelagert sind. Außerdem haben wir einen 25 Kilometer langen mobilen Wildschweine-Schutzzaun angeschafft. Ein zweiter Zaun soll folgen, so dass wir Abzäunungsmaßnahmen wie in Polen und Tschechien auch hier kurzfristig durchführen können.

Notfallübung im Harz gegen Schweinepest

zwei Männer in gelben Schutzanzügen
Im Landkreis Harz ist am Dienstag für den Fall des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest geübt worden. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
zwei Männer in gelben Schutzanzügen
Im Landkreis Harz ist am Dienstag für den Fall des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest geübt worden. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Menschen wird eine Desinfektionsanlage gezeigt
Organisiert vom Veterinäramt, haben das Technische Hilfswerk und der Nationalpark Harz Maßnahmen gegen eine mögliche Ausbreitung des Virus' vorgestellt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Menschen kommen auf einem Hof ins Gespräch
Erschienen sind mehr als 100 Menschen in Weddersleben, einem Ortsteil von Thale. Unter den Anwesenden waren Vertreter der Kommunen, Feuerwehrleute und Angestellte der Forstämter. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Elektrozaun
Im Mittelpunkt der Demonstration stand der Aufbau eines Elektrozauns. Mit einer Spannung von 8.000 Volt soll er infizierte Tiere im Zaum halten und ein Ausbreiten der Seuche verhindern. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Menschen wird gezeigt, wie man richtig desinfiziert
Außerdem wurde das Desinfizieren von Gegenständen und Personen vorgeführt, die mit infizierten Tieren oder der Bergung in Berührung kommen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
eine Wildwanne wird vorgestellt
Vorgestellt wurde auch ein sogenanntes Bergeset zum Bergen von infizierten und toten Tieren, das vom Nationalpark zusammengestellt wurde. Ein Bestandteil davon ist die sogenannte Wildschleppe. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Menschen schauen sich verschieden Dinge auf einem Holztisch an
Tierhalter und -betreuer sind verpflichtet, einen Seuchenverdacht dem zuständigen Veterinäramt zu melden. Bestätigt sich der Verdacht, werden Maßnahmen wie Jagdruhe, Ernteverbot und Betretungsverbot in einem Radius von acht Kilometern verordnet. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Menschen versammeln sich auf einem Hof
Die Afrikanische Schweinepest ist eine Viruserkrankung, die ursprünglich aus Afrika stammt. Für Wild- und Hausschweine endet sie fast immer tödlich. Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich. In Osteuropa breitet sich die Tierseuche zunehmend aus. Auch Belgien ist mittlerweile betroffen. Deutschland ist bisher verschont geblieben.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05.03.2019 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/pat
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
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Wie können sich Schweinehalter schützen?

Die Schweinebesitzer sind ohnehin nach der sogenannten Schweinehaltungshygieneverordnung aufgerufen, ihre Sicherheitsmaßnahmen in den Betrieben durchzuführen. Dazu haben wir die Schweinehalter im Verlauf des letzten Jahres auch verstärkt aufgerufen. Unsere Behörden sind angehalten, das auch verstärkt zu überprüfen. Wir informieren auch die Verbände, z.B. den Schweinewirtschaftsverband Sachsen-Anhalt, über die aktuelle Lage. So dass die in der Lage sind, ihre Mitglieder zu informieren und dann auch auf die Biosicherheitsmaßnahmen hinzuweisen.

Was passiert, wenn bei einem Züchter ein infiziertes Hausschwein entdeckt wird?

Wenn ein infiziertes Hausschwein entdeckt wird, dann ist das für den betroffenen Schweinehalter eine ernste Angelegenheit. Weil dort dann zwingende amtliche Maßnahmen vorgeschrieben sind, unter anderem die Anordnung der Tötung der Schweine dieses Bestandes. Das macht man, um die Wirte der Amerikanischen Schweinepest zu beseitigen. Das ist eine Maßnahme der Tierseuchenbekämpfung, die auch bei anderen Tierseuchen durchgeführt wird.

Die Fragen stellte Michael Rosebrock.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 22. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2019, 11:00 Uhr

1 Kommentar

Steffen 1978 vor 13 Wochen

Die Schweinepest wird kommen so oder so die Natur hilft sich immer selbst (natürliche Selektion)da kann der Mensch tun was er will wenn zu viele Tiere und Menschen da sind kommen eben Krankheiten und unsere Jägerschaft schießt schon über Jahrzehnte zu wenig Wild kostet ja auch mehr als es nutzen bringt 500 EUR pro Schwein und es ist in den kommenden 2 Jahren vom Aussterben bedroht

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