Olympia-Starter aus Sachsen-Anhalt Toni Eggert: "Bronze ist uns Gold wert"

Nach einer perfekten Saison hat Toni Eggert gemeinsam mit Sascha Benecken im Doppelsitzer (nur) Bronze geholt. Für Olympisches Gold hat es nicht gereicht, obwohl er zuletzt zwei fehlerfreie Läufe auf dem perfekten Schlitten lieferte. Bei MDR SACHSEN-ANHALT war er zu Gast und sprach über das Risiko im Sport, Medaillenchancen und die Freude danach.

MDR SACHSEN-ANHALT: Es ist Bronze geworden. Sind Sie denn rundum zufrieden oder doch ein bisschen traurig, dass es nicht noch mehr geworden ist?

Toni Eggert: Also, wir wollten natürlich gewinnen. Wir sind dahin gefahren, um Olympisches Gold zu gewinnen. Das war unser Ziel. Die Umstände haben das leider nicht ganz so zugelassen. Wir hätten dafür viel riskieren müssen, und unterm Strich haben wir gesagt: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Nehmen wir lieber 'ne Medaille mit, als dass wir alles wegschmeißen.

Was ist genau an diesem Tag der Entscheidung passiert? Warum haben Sie sich letztlich für diese Sicherheitsfahrten entschieden?

Wir hatten im Training minus zehn Grad im Schnitt, und das Eis war auch sehr sehr kalt und hart und wie es leider der Zufall wollte, nur zu unserem Rennen und auf einmal waren es Plusgrade und das Eis hatte minus zwei Grad. Und da mussten wir dann reagieren, und das würde man im Weltcup auch so machen. Man kann dann den Schienen-Winkel flacher stellen – dadurch wird man schneller, hat aber auch weniger Grip. Da das im Training leider die ganze Zeit hart war, konnten wir das nicht ein Mal probieren. Sprich: Wir hätten das auf Verdacht machen müssen. Und da haste dann 50/50. Entweder du triffst es und er hält und du gewinnst oder du fliegt ab und fährst ganz leer nach Hause.

Da wir leider nur alle vier Jahre eine Chance haben und nur ein einziges Rennen, haben wir uns dafür entschieden, erstmal eine Olympische Medaille gewinnen. Und jetzt kommen nochmal vier Jahre, und beim nächsten Mal ist es 'ne komplett andere Situation.

Ihr Doppelpartner, Sascha Benecken, ist ja noch in Pyeongchang und hat sich unter anderem die Biathlon-Wettbewerbe angeschaut. Warum sind Sie eigentlich schon wieder zurück?

Also, ich war ja nun auch nach dem Rennen noch drei Tage da, wir haben ein bisschen gefeiert und ein bisschen was angeschaut. Mir hat es gereicht, ich bin froh, jetzt endlich auch mal zu Hause sein zu können, weil ich das letzte Mal eigentlich Weihnachten für zwei Tage richtig zu Hause war. Irgendwann ist es ein bisschen viel und man möchte mal zur Ruhe kommen und endlich mal bei der Familie sein, und das genieße ich jetzt die nächsten Tage.

Apropos Familie, Ihre Freundin Julia Taubitz ist ja auch eine Rennrodlerin. Es hat zwar nicht ganz geklappt mit dem Olympia-Ticket, aber sie ist ja noch jung, das kann noch funktionieren. Sie war aber trotzdem privat in Südkorea mit dabei. Wir haben sie gefragt, wie sie Ihr Rennen, Ihren Tag der Entscheidung erlebt hat.

Julia Taubitz: Also, wir haben früh den Wetterbericht geschaut. Und da hab ich schon gesehen, dass es wesentlich wärmer ist und auch luftfeuchter. Und da hab ich mir schon so gedacht: Oh Mist, nicht dass sich das jetzt auswirkt. Aber, man hat es im ersten Lauf gesehen, die zwei hatten nen Top-Lauf und leider ging es nicht ganz so, wie es im Training lief, weil es wesentlich wärmer war.

Sie mussten also nicht getröstet werden?

Toni Eggert: Nein. Also, man muss sagen, dass wir uns super gefreut haben. Normalerweise ist das bei uns anders. Ich kann mich schon gar nicht mehr richtig freuen, wenn wir nicht gewinnen. Aber es war halt ein besonderes Rennen und besondere Umstände und wir haben da was geschafft, worauf wir vier Jahre hingearbeitet haben, und da ist in dem Fall Bronze wirklich Gold wert. Das muss man so sagen.

2022 erleben wir Sie, Julia und Sascha nochmal in Peking?

Das ist definitiv unser Ziel. Wir werden für die nächsten vier Jahre nochmal alles geben. Unser Ziel ist es natürlich im Bestfall, dass wir dann gemeinsam alle drei zur Teamstaffel fahren dürfen. Das würde bedeuten, dass wir alle drei erfolgreich waren.

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Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | 20. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2018, 21:16 Uhr

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