Anti-Gewalt-Kampagne Hilferuf: Rettungskräfte werden zu Opfern

Sie werden bei ihrer Arbeit angepöbelt, beleidigt, angespuckt und leider auch körperlich angegriffen, zum Teil zusammengeschlagen: Solche Fälle haben der Polizeilichen Kriminalstatistik zufolge zugenommen. "Gewalt geht gar nicht" lautet deshalb das Motto einer neuen Kampagne gegen Angriffe auf Einsatzkräfte.

Feuerwehrmänner löschen den Brand in einer Scheune
Sie leisten viel für die Allgemeinheit und das meist ehrenamtlich – die Feuerwehren im Land Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

In Sachsen-Anhalt ist eine Kampagne des Deutschen Feuerwehrverbandes gestartet. Sie richtet sich gegen Gewalt gegenüber Einsatzkräften der Feuerwehr.

Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigen, dass in den letzten Jahren immer mehr Rettungskräfte im Einsatz angepöbelt, beleidigt und sogar körperlich angegriffen werden. Die Kampagne soll die Öffentlichkeit für das Problem sensibilisieren, heißt es vom Deutschen Feuerwehrverband.

Feuerwehr fordert: "Schützen Sie uns vor Gewalt"

In ihrer Resolution "Unsere Einsatzkräfte – unsere Sicherheit! Nein zur Gewalt gegen Feuerwehrangehörige" fordert der Deutsche Feuerwehrverband Respekt und Unterstützung für die Arbeit der Rettungskräfte. "

Wir fordern daher die Gesellschaft, insbesondere Politik, Justiz, Bevölkerung und Medien, dazu auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen und uns vor Gewalt zu schützen.

Auszug aus der Resolution des Deutschen Feuerwehrverbandes

Aufkleber an Eingangstür

Zwei Männer stehen vor ener Glastür, auf der ein Aufkleber mit der Aufschrift "Gewalt geht gar nicht" zu sehen ist.
"Gewalt geht gar nicht – Deine Feuerwehr": Das ist das Motto der neuen Kampagne. Das Bild zeigt Thomas Pleye vom Landesverwaltungsamt und Jugendfeuerwehrwart Thomas Voss (rechts). Bildrechte: Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt

Im Landesverwaltungsamt in Halle ist am Donnerstag ein Aufkleber "Gewalt geht gar nicht" angebracht worden. Thomas Pleye, Präsident des Landesverwaltungsamtes, sagte beim Anbringen des Aufklebers an die Eingangstür seiner Behörde, dass man das Anliegen der Kampagne unterstütze und Solidarität bekunde. Pleye sagte, es sei absolut unverständlich, dass Einsatzkräfte beschimpft oder angegriffen werden. Sie würden Leben retten, Brände löschen, bei Hochwasser und anderen Szenarien helfen.

Ich kann nur immer wieder betonen und unterstreichen, wie wichtig und unerlässlich die Arbeit von Einsatz- und Rettungskräften ist. In vielen Situationen in jüngster Vergangenheit wurde das immer wieder unter Beweis gestellt.

Thomas Pleye, Präsident des Landesverwaltungsamt

Thomas Voss, Jugenfeuerwehrwart in Sachsen-Anhalt, schildert die Situation, denen die Retter oftmals ausgesetzt sind: "Neben den Gaffern und Rettungsgassenblockierern haben es die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und medizinischen Rettungsdiensten mit Anfeindungen, Pöbeleien, Beleidigungen, Stein- und Flaschenwürfen und unmittelbarer körperlicher Gewalt zu tun.  Sie werden bei ihren Tätigkeiten angespuckt, angegriffen und sogar regelrecht zusammengeschlagen. Im September wurden in Thüringen zwei Feuerwehrleute mit Benzin übergossen und dann mit einem Gasbrenner bedroht. Retter werden zu Opfern!"

1.500 freiwillige Feuerwehren in Sachsen-Anhalt

Rettungskräfte an der Unfallstelle
Oft werden Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit behindert. Bildrechte: Tino Plunert

Möglichst viele öffentliche Einrichtungen sollen dem Beispiel des Landesverwaltungsamtes folgen, heißt es vom Deutschen Feuerwehrverband. Ziel sei es, dass die Angriffe auf Rettungskräfte eine größere Öffentlichkeit bekommen – und es künftig weniger werden.

Das System der Feuerwehren beruht in Deutschland überwiegend auf dem Prinzip der Ehrenamtlichkeit. In Sachsen-Anhalt gibt es drei Berufsfeuerwehren: in Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau und ca. 1.500 freiwillige Feuerwehren mit etwa 57.500 Mitgliedern. Davon sind ca. 32.000 im aktiven Einsatz tätig.

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Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. November 2018 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2018, 12:11 Uhr

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5 Kommentare

17.11.2018 21:28 Udo K 5

@ Wolpertinger 4
Warum wählen Sie gerade dieses eine Beispiel, "Beissreflex"?
Keine besseren Argumente vorhanden?
Es bestreitet doch keiner, dass auch Deutsche sich so benehmen.
Aber es ist doch kein Geheimnis, wer in der Überzahl so gegen die Rettungskräfte vorgeht.

16.11.2018 14:11 Wolpertinger 4

@16.11.2018 12:19 Ex-Anhaltinerin
No Go Areas:
Zählen Sie auch Autobahnen (passt ja irgendwie auch zu "no go") dazu, wo Rettungskräfte angepöbelt werden, weil sie auf eine Rettungsgasse bestehen ?

16.11.2018 12:19 Ex-Anhaltinerin 3

Es gibt immer noch Berufe, in denen ist das Opfer Schuld, wenn es von Kunden/Klienten angegriffen wird und für Schutzmaßnahmen (bspw. zu zweit gehen) kein Geld da sei. In meiner Reha und beim Jobcenter wurde mir das auch so vermittelt. Das Opfer hätte eben unbewusst Signale ausgesendet. So fiel mir an einem europäischen Flughafen positiv ein Schild auf mit der Mitteilung, dass Passagiere, die Personal beleidigen, mit Haftstrafe zu rechnen haben. Wäre es doch in jeder Branche so!
Gibt es eine Aufstellung, wieviel % der Übergriffe auf Feuerwehrleute in NO go areas geschehen?