Gesellschaftliche Spaltung Kirchen kämpfen mit Populismus

Sachsen-Anhalts Kirchen haben in ihren eigenen Reihen mit Populismus zu kämpfen. Der katholische Bischof Gerhard Feige sagte, man habe in den Kirchen Personengruppen, die populistischer denken, als es erwünscht wäre. Feige und seine evangelische Kollegin Ilse Junkermann stellen sich innerhalb der Kirchen eine freie Debattenkultur vor, wie zu Zeiten der Wende. Außerdem sollten sich die Menschen wieder mehr zuhören, um einander besser zu verstehen.

Gerhard Feige und Ilse Junkermann, 2017
Gerhard Feige und Ilse Junkermann: Die beiden Kirchenvertreter setzen sich für Verständnis, Zuhören und Toleranz ein. Bildrechte: dpa

Die letzten Wahlen sind gerade ein paar Tage her und ihre Ergebnisse haben erneut gezeigt, dass sich Ost- und Westdeutschland erheblich unterscheiden. Während im Westen vor allem die Grünen klar zulegten, setzte sich im Osten in vielen Regionen die AfD durch. Das beschäftigt die Politik, aber auch die Kirchen in Sachsen-Anhalt. MDR SACHSEN-ANHALT-Kirchenredakteur Uli Wittstock hat sich mit dem Thema beschäftigt und stand uns Rede und Antwort.

MDR SACHSEN-ANHALT: Es ist Pfingsten, in den Kirchen gab es die Pfingstpredigten. Ist von der gesellschaftlichen Spaltung auch etwas in den Kirchen zu merken?

Portrait-Bild von Uli Wittstock
Uli Wittstock Bildrechte: Uli Wittstock/Matthias Piekacz

Uli Wittstock: Ja, spätestens seit der Flüchtlingsthematik. Die Kirchenleitungen haben sich ja da ganz klar für die Flüchtlingspolitik ausgesprochen, und das sorgte in den Gemeinden nicht überall für Begeisterung. Der Riss ist auch in den Gemeinden zu spüren – egal ob katholisch, evangelisch oder freikirchlich.

Magdeburgs katholischer Bischoff Gerhard Feige sagte kürzlich dazu, Populismus sei in allen Bereichen stark im Kommen. Man habe in den Kirchen Personengruppen und -kreise, die populistischer denken, als es erwünscht wäre.

Wie reagieren die Kirchen auf Populisten in den eigenen Reihen? Es gibt innerhalb der Kirche ja zum Beispiel auch AfD-Wähler.

Also am Anfang war die Überraschung groß, auch bei den Kirchenleitungen. Inzwischen, glaube ich, sind die Reaktionen differenzierter.

Mehr und genauer zuhören, das zum Beispiel ist der Rat der evangelischen Landesbischöfin Ilse Junkermann. Sie sagt, die Menschen in Ostdeutschland hätten 30 Jahre nach der Wende Angst vor einer weiteren Veränderung. Das Gefühl der Benachteiligung zeige sich dort noch heute. Hinzu käme die Abwanderung vieler jungen Menschen aus den ländlichen Gebieten.

Und da die Kirche ja noch in den Dörfern ist, zumindest mit Kirchturm und gelegentlichem Gottesdienst, merkt man dort die Stimmung dann eben auch unmittelbar.

Aber wie soll es denn weitergehen? Wie sehen die Kirchen ihre eigene Rolle in dieser Debatte?

Sie sind ja eine Minderheit in Ostdeutschland. Auf der anderen Seite haben ja die Kirchen zur Zeit der Wende gezeigt, dass sie Orte sind, wo zumindest diskutiert werden kann. Daran könnten sie wieder anknüpfen, so der Vorschlag von Bischof Feige. Allerdings dürften dabei nicht Hass und Hetze verbreitet werden.

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Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 10. Juni 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2019, 13:31 Uhr

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29 Kommentare

13.06.2019 11:57 Sylter 29

@12.06.2019 18:00 Sachse43
Auch ein Blinder, der behauptet, das Gras sei grün, hat durchaus Recht.

12.06.2019 18:00 Sachse43 28

Wer hört schon noch auf die kirchlichen Greise.

12.06.2019 17:00 lummox 27

@26 unverständlicher kommentar, dafür mal ein klares und ehrliches wort von der redaktion. :) gelobt sei der HERR

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