Aus Folien geschnittene Kinderhände hängen mit den jeweiligen Namen an der Eingangstür einer Kindergruppe
Die Kita-Beiträge im Sommer 2019 sind in Sachsen-Anhalt unterschiedlich hoch. Bildrechte: dpa

Kosten im Vergleich Wo Kita-Beiträge in Sachsen-Anhalt besonders hoch und besonders niedrig sind

Die Kita-Beiträge in Sachsen-Anhalt schwanken erheblich. MDR SACHSEN-ANHALT hat die Daten der über 200 Städte und Gemeinden ausgewertet. Das Ergebnis zeigt aus Sicht der Eltern drastische Unterschiede. Je nach Wohnort müssen sie für einen Kita-Platz bis zu 150 Euro pro Monat mehr zahlen.

Manuel Mohr
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von Manuel Mohr, MDR SACHSEN-ANHALT

Aus Folien geschnittene Kinderhände hängen mit den jeweiligen Namen an der Eingangstür einer Kindergruppe
Die Kita-Beiträge im Sommer 2019 sind in Sachsen-Anhalt unterschiedlich hoch. Bildrechte: dpa

204 Euro. So viel müssen Eltern durchschnittlich pro Monat in Sachsen-Anhalt zahlen, wenn sie ihr Kind täglich zehn Stunden in einer Kinderkrippe betreuen lassen möchten. Doch hinter diesem Durchschnitt verbergen sich große regionale Unterschiede. Denn während dieser Krippenplatz in Magdeburg 150 Euro kostet, sind es in der Verbandsgemeinde Wethautal (Burgenlandkreis) 287 Euro – fast das Doppelte.

Dieser Unterschied ist kein Einzelfall: Egal ob Kinderkrippe oder Kindergarten und egal ob fünf, acht oder 10 Stunden Betreuung pro Tag – die Kita-Beiträge variieren von Gemeinde zu Gemeinde teilweise immens. Das geht aus einer Datenanalyse von MDR SACHSEN-ANHALT hervor, für die erstmalig die aktuell gültigen Kita-Beiträge aller 218 Städte und Gemeinden in Sachsen-Anhalt untersucht wurden.

Wie hoch die Kostenbeiträge für Kinderkrippe und Kindergarten momentan in Ihrem Heimatort – oder Ihrer Nachbargemeinde – sind, erfahren Sie in folgender Karte. Klicken Sie einfach in die Karte oder suchen Sie über die Suchmaske (oben rechts) gezielt nach einer Gemeinde. Mithilfe des Aufklapp-Menüs (oben links) können Sie zudem zwischen Kinderkrippe, Kindergarten und verschiedenen Betreuungszeiten wählen.

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Gemeinden legen den Kostenbeitrag fest

Grund für die unterschiedlich hohen Beiträge: Die Finanzierung der Kita-Plätze kommt aus verschiedenen Töpfen. Das Land gibt einen festen Betrag dazu, ebenso die Landkreise. Für den Rest ist die jeweilige Kommune selbst zuständig. Je nachdem, wie viel der Ort übernehmen will – oder je nach Haushalt überhaupt kann – wird der übrige Teil in Form von Kostenbeiträgen von den Eltern erhoben. Und diese Beiträge fallen je nach Stadt und Gemeinde unterschiedlich hoch aus.

Beispiel Magdeburg: Nachdem im Februar zunächst im Raum stand, die Kita-Beiträge in der Landeshauptstadt zu erhöhen, beschloss der Stadtrat im Mai das Gegenteil. Die nunmehr seit 1. August geltenden Kostenbeiträge sind mit die niedrigsten in ganz Sachsen-Anhalt. Oberbürgermeister Lutz Trümper sagte MDR SACHSEN-ANHALT im Mai, die Änderung koste die Stadt etwa zwei Millionen Euro extra.

Kind in der Kita 1 min
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Do 08.08.2019 15:44Uhr 01:02 min

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/video-326146.html

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Im Gegensatz dazu sind die Beiträge in ländlichen Gebieten deutlich darüber. Bei den Kinderkrippen gehören vor allem der Landkreis Mansfeld-Südharz und der Burgenlandkreis zu den Regionen, in denen die Beiträge am höchsten liegen. Für einen Kindergarten-Platz müssen Eltern in den Landkreisen Stendal und Börde sowie im Salzlandkreis am meisten zahlen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Kommunen in strukturschwachen Regionen oft keinen finanziellen Spielraum haben, um die Kita-Beiträge noch weiter zu senken. Eltern werden also mehrfach dafür bestraft, dass sie in einer strukturschwachen Region leben.

Gemeinden verstoßen gegen neues Gesetz

In der Ende vergangenen Jahres beschlossenen Neufassung des Kinderförderungsgesetzes wurde unter anderem auch festgelegt, dass Betreuungsverträge für Krippe und Kindergarten stündlich gestaffelt abgeschlossen werden können. Die Betreuung solle damit an den tatsächlichen Bedarf der Erziehungsberechtigten angepasst werden.

Gültig ist diese gesetzliche Regelung seit 1. August. Aus der MDR-Datenanalyse ging allerdings hervor, dass jeder zehnte Ort in Sachsen-Anhalt die entsprechende Staffelung (fünf bis zehn Stunden Betreuungsdauer pro Tag) momentan noch nicht berücksichtigt. Während einige Gemeinden angaben, gegenwärtig an neuen Beitragssatzungen zu arbeiten, sehen andere momentan keinen Handlungsbedarf. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte dazu MDR SACHSEN-ANHALT:

Die Satzungen müssen bezogen auf die Leistungsart – also Krippe, Kindergarten und Hort – die monatlichen Kostenbeiträge mindestens nach Stunden gestaffelt ausweisen. Die bisherigen sogenannten 'Stundenpakete' von z.B. 5 bis 8 Stunden sind nicht mehr möglich. Eine andere Vorgehensweise ist nicht mit dem neuen Kinderförderungsgesetz vereinbar.

Andreas Pinkert, Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration Sachsen-Anhalt

Ziel: Beitragsfreiheit für alle

Die Kita-Beiträge in Sachsen-Anhalt standen in den vergangenen Wochen gleich mehrfach im Fokus der Öffentlichkeit. Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hatte Mitte Juli Pläne vorgestellt, wie Sachsen-Anhalt bis 2022 rund 140 Millionen Euro ausgeben will, die dem Land vom Bund für mehr Qualität in den Kitas zur Verfügung gestellt werden.

Die Reaktionen darauf in den sozialen Netzwerken von MDR SACHSEN-ANHALT waren zum Teil sehr negativ. Hauptkritikpunkt aus Sicht vieler Nutzer: Man werde bei den Gebühren bestraft, wenn man nur ein Kind habe. Die Sprecherin des Sozialministeriums, Ute Albersmann, betonte damals auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT: "Das Ziel heißt Beitragsfreiheit in der Kita für alle, in einem Schritt ist es jedoch nicht zu erreichen."


Die verwendeten Daten stammen aus Selbstauskünften der Städte und Gemeinden sowie von deren öffentlich einsehbaren Kita-Beitragssatzungen. Stand der Daten ist der 05.08.2019. Möchten Gemeinden Ihre Daten korrigieren oder fehlende Werte nachreichen, ist dies jederzeit per Mail möglich: online-sachsen-anhalt@mdr.de.

Mehr Informationen zur Recherche und Analyse

Anfang Juli wurden alle Städte und Gemeinden in Sachsen-Anhalt per Mail gebeten, die laut jeweiliger Gebührensatzung zum 01.08.2019 geltenden Kostenbeiträge, die von den Eltern (bzw. Personen, die die Betreuung des Kindes in der Kindertageseinrichtung veranlasst haben) monatlich entrichtet werden müssen, für Kinderkrippe (0-3 Jahre) und Kindergarten (3 Jahre bis Schuleintritt) zu übermitteln.

Bis Mitte Juli waren die Daten von knapp 80 Prozent aller Städte und Gemeinden eingegangen. Anfang August wurden die Beitragssatzungen aller fehlenden Gemeinden online auf der jeweiligen Gemeinde-Homepage recherchiert, sodass schlussendlich aktuelle Daten von allen Gemeinden vorhanden waren.

Betrachtet wurden in der Analyse die Kostenbeiträge für kommunale Kindertagesstätten. In wenigen Orten Sachsen-Anhalts (Allstedt, Edersleben sowie in Teilen der Verbandsgemeinde "Mansfelder Grund-Helbra") gibt es nur Kitas in freier Trägerschaft. In diesen Fällen wurden auf diese Daten zurückgegriffen.

Da aus den Daten keine einheitliche Regelung für Familien mit mehr als einem Kind hervorging, wurde in der Betrachtung immer nur der Beitrag für das erste Kind analysiert. Wenn eine Gemeinde mehrere kommunale (oder nur mehrere freie) Kitas mit verschiedenen Beitragssätzen betreibt, wurde für den Ort ein Durchschnittswert errechnet.

In der Analyse nicht berücksichtigt sind die von den Erziehungsberechtigten individuell zu zahlenden Kita-Zusatzkosten, beispielsweise für Essen oder Ausflüge.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 09. August 2019 | 11:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. August 2019, 08:58 Uhr

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3 Kommentare

15.08.2019 07:46 Ossi 3

Da sieht man mal wieder das der Burgenlandkreis nichts für seine Kinder übrig hat. Pfui Herr Küper (CDU)!

09.08.2019 11:57 Rosi 2

Ein Kitaplatz sollte kostenfrei sein. Es gibt ja Beispiele wo es geht. Dafür sollten unsere Steuergelder verwendet werden. Das Jahr Vorschule wäre sehr wichtig.

09.08.2019 08:59 Leser 1

Ausgerechnet MSH auf Platz 2, wo viele Familien von alg 2 leben und die Arbeitslosenzahlen noch immer am höchsten sind.

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