Von der Notbetreuung zum Regelbetrieb Was Eltern zur Kita-Öffnung in Sachsen-Anhalt wissen müssen

Seit Wochen müssen Eltern ihre Kinder wegen der Corona-Pandemie zu Hause betreuen. Kitas sind geschlossen und nur eine Notfallbetreuung ist möglich. Eltern versuchen, Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen, Kinder sehen ihre Freunde nicht. Das ändert sich nach Pfingsten. Am 2. Juni öffnen Sachsen-Anhalts Kitas wieder – unter bestimmten Auflagen.

Bunte Strümpfe einer Kindergartengruppe
Lange mussten viele Kinder ausharren – ab Dienstag dürfen sie wieder mit ihren Freunden in der Kita spielen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Plusphoto

"Eingeschränkter Regelbetrieb" lautet das Konzept, mit dem am Dienstag nach Pfingsten Kitas und Horte in Sachsen-Anhalt wieder öffnen – unter bestimmten Corona-Auflagen. Da gerade die Kleinsten Abstandsregeln sehr schwer einhalten können, gibt es in den Kinderbetreuungseinrichtungen besondere Regeln. Die Landesregierung hat den Kitas dafür Empfehlungen für Hygienemaßnahmen an die Hand gegeben. Fragen und Antworten zur Kinderbetreuung im Überblick:

Werden die Kinder in kleineren Gruppen betreut?

Eine spezielle Aufteilung der Kindergarten-Gruppen ist nicht vorgesehen. So können die Kinder laut Erlass der Landesregierung in ihren alten Gruppen betreut werden, in denen sie auch vor der coronabedingten Schließung untergebracht waren. Das soll den Kindern ihre vertraute Betreuungssituation ermöglichen – mit bekannten Kita-Freunden der Gruppe und Erziehern. Zentrales Element des eingeschränkten Regelbetriebs sind die festen Gruppen mit fest zugeordneten Pädagoginnen und Pädagogen. Kitas, die sonst ein offenes und teiloffenes Konzept verfolgen, sollen feste Gruppen bilden und diesen feste Räume zuordnen.

Ein Zusammentreffen der Gruppen untereinander soll vermieden werden. Gemeinsam genutzte Funktionsräume wie Bäder, Garderobenbereiche oder Flure dürfen von den Gruppen nur nacheinander bzw. nach einem Zeitplan genutzt werden. Ist ein Aufeinandertreffen mal nicht zu umgehen, müssen die Gruppen 1,5 Meter Abstand zueinander haben. So sollen sich die Kinder in den Einrichtungen nicht zu stark durchmischen, möglichst nicht einmal begegnen. Das soll das Infektionsrisiko vermindern und der Nachverfolgbarkeit von Kontakten helfen. Sammelgruppen sind zu Beginn und Ende der täglichen Öffnung nur ausnahmsweise zulässig, sollen aber – wenn möglich – vermieden werden.

Feste Gruppen, feste Räume: Bleiben die Kinder den ganzen Tag drinnen?

Nein, laut Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) soll sogar möglichst viel Zeit im Freien, an der frischen Luft, verbracht werden. Dass sich die Kindergarten-Gruppen im Außenbereich nicht vermischen, haben die Erzieherinnen und Erzieher zu gewährleisten. Einer Abgrenzung der Kita-Außenbereiche bedürfe es dafür nicht. Besser sei es, wenn die Gruppen den Außenbereich zeitlich gestaffelt nutzten, heißt es vom Ministerium. Zudem könnten Gruppen auch auf Spielplätze und in Parks.

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Was muss ich als Elternteil beim Bringen und Abholen des Kindes beachten?

Eltern dürfen ihre Kinder nur in die Kita bringen, wenn sie frei von Erkältungssymptomen sind. Das müssen sie täglich jeweils vor Beginn der Betreuung versichern können. Über welchen Weg, zum Beispiel über Arzt-Bescheinigungen oder Fiebermessen vor Ort, bleibt den Einrichtungen überlassen.

Auch das Bringen und Abholen der Kinder soll möglichst kurz gehalten werden. Einrichtungen sollten hierfür spezielle Bring- und Abholzonen einrichten, vorgeschrieben ist es ihnen aber nicht. Auf den 1,5-Meter-Abstand zwischen Eltern und Personal sowie zu Kindern anderer Gruppen müssen Eltern dabei aber achten. Das Hygienekonzept für die Einrichtungen empfiehlt das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in diesem Bereich.

Die Einrichtung direkt betreten sollen Eltern nicht, damit der Personenkreis in der Kita möglichst klein gehalten wird. Schlimmer Trennungsschmerz oder Eingewöhnung können aber begründete Ausnahmen darstellen.

Was ist, wenn mein Kind in der Kita eingewöhnt wird? Darf ich dabei sein?

Eltern können laut Erlass der Landesregierung zur Kita-Öffnung bei der Eingewöhnung ihres Kindes dabei sein. Dabei muss es sich aber um ein und denselben Elternteil handeln. Zudem soll die tägliche Anwesenheit zeitlich beschränkt und so kurz wie möglich gehalten werden. Auch bei der Eingewöhnung muss der Elternteil den Abstand zu anderen Kindern und zum Personal einhalten. Wie lange Eltern dann im Gruppenraum anwesend sein dürfen, wird von der jeweiligen Einrichtung festgelegt.  

Generell bleibt die genaue Umsetzung der Hygienemaßnahmen den einzelnen Einrichtungen überlassen. Sie müssen ein Hygienekonzept anwenden und dieses den Eltern mitteilen. Eltern, die bislang kein Konzept erhalten haben, sollten bei der Betreuungseinrichtung nachfragen.

Auch Schulen öffnen

Auch alle Schülerinnen und Schüler sollen nach Pfingsten wieder regelmäßig in die Schule gehen. Dann soll ein coronabedingter Wechselbetrieb beginnen. Dafür werden die Klassen in zwei Gruppen aufgeteilt, die abwechselnd zu Hause und in der Schule lernen. So sollen Abstände gewährleistet werden, sagte Ministerpräsident Haseloff MDR SACHSEN-ANHALT. 

In der Grundschule sollen die Kinder dagegen ab spätestens 15. Juni sogar täglich unterrichtet werden. Grundsätzlich gilt auch hier: Klassen und Gruppen müssen unter sich bleiben und von den selben Lehrern bzw. Pädagogen unterrichtet und betreut werden.

Die Schulpflicht besteht weiterhin. Kinder sind laut Bildungsministerium nur dann befreit, wenn sie an einer Vorerkrankung leiden und somit einem besonderen Risiko ausgesetzt sind.

Schließung seit Mitte März

Vor einer Kita hängt in der Corona-Krise ein Schild mit der Aufschrift -Wir vermissen euch-.
Seit Mitte März waren die Kitas wegen Corona geschlossen. Es gab bis Ende Mai nur eine Notbetreuung. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Seit Mitte März waren Schulen und Kitas wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Zunächst gab es eine Notfallbetreuung für Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen. Diese wurde in den vergangenen Wochen schrittweise ausgeweitet. Zum Ende kamen dem Sozialministerium zufolge knapp 30 Prozent aller Kinder in der Notbetreuung unter.

Mitte April kehrten auch die ersten Schüler wieder zurück in die Schulen, und zwar die der Abschlussjahrgänge, um sich auf die Prüfungen vorbereiten zu können. Bis zum Beginn der Pfingstferien Mitte Mai waren alle Schülerinnen und Schüler mindestens einen Tag wieder in den Schulen. Ab Dienstag soll auch hier der eingeschränkte Regelbetrieb beginnen.  

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Mai 2020 | 08:00 Uhr

4 Kommentare

Herr Mueller vor 4 Wochen

Die Stadt Landsberg hat gemeinsam mit ihren Kitas entschieden, die Eingewöhnung ohne einen Elternteil durchzuführen. Mit den aktuellen Verordnungen einzelner Landesämter schiebt das Land die Verantwortung mit teils widersprüchlichen Vorgaben an die Städte und Gemeinden weiter, die sich dann nicht anders zu helfen wissen, als sich durch solche Entscheidungen abzusichern.
Das Kindeswohl steht wie im gesamten Verlauf dieser Krise mit Sicherheit nicht an erster Stelle.

melmun vor 4 Wochen

ich würde auch gern wissen, wie das funktionieren soll, dass mein 1,5 jähriges Kind nur in die Kita darf, wenn es frei von Erkältungssymptomen ist. Schließlich hat ein Kind in diesem Alter ständig eine Schnupfnase. Da kann ich ja dann doch wieder nur zuhause betreuen.

Ralledruf vor 4 Wochen

Zu Zeiten der Notbetreuung war die Kita Nachtweide für die systemrelevanten Berufen von 6 bis 16 Uhr geöffnet. Die Kita hat beim Jugendamt der Stadt für den Früh und Spätdienst keine Ausnahmegenehmigung erteilt bekommen für die Öffnung von 6 bis 16 Uhr. Damit ist die Kita nur noch von 7:30 bis 15:30 Uhr geöffnet. In der neuen Verordnung für den Eingeschränkten Regelbetrieb werden nicht die Öffnungszeiten berücksichtigt. Ich arbeite mit meiner Frau in systemrelevanten Unternehmen nach BSI KritisV . Wie sollen wir jetzt arbeiten bei solchen Offnungszeiten? Es wär schön wenn das Team vom MDR sich einmischt und darüber berichtet.

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