Kleinstadthelden Schnega: Wie ein Dorf mit einem digitalen Laden sein Einkaufsproblem löst

Nachdem die letzte Einkaufsmöglichkeit im niedersächsischen Schnega schließen musste, haben sich die Bewohner etwas einfallen lassen. Durch eine Kooperation mit einem Online-Supermarkt ist ein digitaler Tante-Emma-Laden entstanden – der Dorfalden "Tante Enso". Hier können die Bewohner 24/7 einkaufen. Dass die digitale Lösung gut umsetzbar ist, zeigt auch eine Studie der Hochschule Harz.

Schild Foodpioniere
Der digitale Dorfladen "Tante Enso" in Schnega Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Das Einkaufen auf dem Land ist meistens viel komplizierter als in der Stadt. Denn es gibt einfach deutlich weniger Möglichkeiten, an Lebensmittel zu kommen, ohne dass man weite Strecken bis zum nächsten Supermarkt zurücklegen muss. Dafür gibt es eine Lösung in dem niedersächsischen Schnega. In einem digitalen Dorfladen können die Bewohnerinnen und Bewohner 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche einkaufen.

Malte Werner
Malte Werner ist Teil der Dorfladeninitiative Schnega Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Der Dorfladen "Tante Enso" wurde in Schnega im Oktober eröffnet. Das ist quasi eine neue digitale Version vom gewöhnlichen Tante-Emma-Laden. Los ging alles, als der letzte Lebensmittelladen in Schnega geschlossen wurde, weil die Betreiber in den Ruhestand gegangen sind. Malte Werner von der Dorfladeninitiative Schnega erklärt: "Wir haben uns dann andere Strukturen angeguckt und uns auf den Weg nach Göttingen gemacht, um ein Beispiel anzuschauen." Das habe aber nicht ganz gepasst, da bei ihnen auf dem Dorf weniger Menschen die Zeit hätten ein Laden nebenbei zu betreiben. "Dann haben wir  für uns die passende Lösung gesucht und einen Betreiber gefunden, der das sozusagen komplett in die Hand nimmt", sagt Werner.

Aus Tante Emma wird "Tante Enso"

Charlotte öffnet Tür
Der Eintritt ist mit einer personalisierten Zugangskarte möglich. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Somit ist gemeinsam mit einem Online-Supermarkthändler (myenso) eine 24/7 Filiale in Schnega entstanden – daher der Name "Tante Enso". Mit einer personalisierten Zugangskarte kann der Laden rund um die Uhr betreten werden. An einem sogenannten "Self-Checkout" kann mit dieser Karte dann digital bezahlt werden. Dazu kann man die Zugangskarte entweder mit Guthaben aufladen oder mit einem SEPA-Lastschriftverfahren verbinden. Durch Überwachungskameras wird sichergestellt, dass nichts geklaut wird.

Solang Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort sind kann man auch Bar oder mit der EC-Karte bezahlen. Das ist besonders für Seniorinnen und Senioren wichtig, weil sie somit wie gewohnt einkaufen können und direkte Ansprechpartner bei Fragen vor Ort haben. Momentan ist "Tante Enso"  an fünf Tagen die Woche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besetzt.

Bisher positive Resonanz auf den digitalen Dorfladen

Bisher kommt "Tante Enso" bei Jung und Alt gut an. Janina Röhl, Marktleiterin im Dorfladen, sei überrascht gewesen, wie viele Dorfbewohner sich bereits am ersten Wochenende getraut haben, ohne Mitarbeiter einzukaufen. "Da war wirklich das komplette Publikum dabei. Also junge Leute, die nachts nochmal los sind und sich einen Wein geholt haben oder Spaghetti mit Pesto nachts um elf gekocht haben. Und die Älteren sind natürlich Dankbar darüber, dass sie während der besetzten Zeit kommen können", erzählt Röhl. Das sei auch total wichtig, weil "die das genießen, mit uns gemeinsam zu erzählen, Fragen stellen zu können", sagt die Marktleiterin.

Das sieht auch Charlotte Werner so: "Für die Leute, die schon etwas älter sind und nicht mehr so gut mit dem Auto hin und her kommen, ist es gut, dass man wieder hier einkaufen gehen kann." Deshalb ist sie der Genossenschaft Dorfladen Schnega beigetreten. Auch ihre Schwester Luisa ist Teil der Genossenschaft. "Ich fand die Idee von dem Dorfladen total cool, weil wir mussten sonst immer fast zehn Kilometer bis zum nächsten Supermarkt fahren und das ist halt schon nervig", sagt Werner.

Forschung der Hochschule Harz zur digitalen Zukunft von Dorfläden

Es gibt immer häufiger digitale Lösungen in ländlichen Gebieten, um mehr Einkaufsmöglichkeiten anzubieten. Ein Beispiel dafür ist neben "Tante Enso" das EU geförderte Projekt "DigiShop Harz".
Auch bei diesem Konzept handelt es sich um ein Dorfladen mit teilweise personalfreien Zeiten und Selbstkassierverfahren.  In diesem Rahmen wurde von der Hochschule Harz geforscht, ob das Konzept realisierbar ist. Die  Ergebnisse zeigen, dass das Konzept technisch gut umsetzbar ist und sich vor allem dann rentiert, wenn bereits ein Dorfladen in der Ortschaft existiert.

Die Zukunft von "Tante Enso"

Der digitale Dorfladen ist nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit in Schnege sondern auch ein Treffpunkt zum austauschen. Janina Röhl sagt: "Das wird hier schon wieder ein bisschen als Treff genutzt, man sieht wieder Leute, spricht wieder ein bisschen mehr miteinander und das ist mit das Wichtigste." Deshalb plant die Dorfladeninitiative Schnega für die Zukunft mehr. Es soll neben dem Laden ein Café entstehen.

Quelle: MDR/vö

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