Kleinstadthelden Crowdfounding: Genossenschaft rettet Kneipe in Handorf-Langenberg

Ein Dorf ohne Kneipe? Für die Menschen in Handorf-Langenburg absolut nicht vorstellbar. Nachdem das Aus drohte, haben sich die Einwohner gemeinsam für den Erhalt der Kneipe eingesetzt – mit Erfolg.

Eine Hausfassade bei Dunkelheit von Außen. Groß leuchtet der Schriftzug "Zum Schanko" auf.
"ZumSchanko" in Handorf-Langenberg - eine Kneipe, die vor dem Aus stand. Doch die Einwohner haben es geschafft sie zu retten. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Kneipen oder auch Begegnungsstätten sind gerade in ländlicheren Regionen ein wichtige Anlaufstelle für die Menschen vor Ort. So auch in Handorf-Langenberg, unweit von Bramsche und Osnabrück, in Niedersachsen. In der ehemaligen Bergarbeitersiedlung leben heute etwa 1.700 Menschen. Doch die Zukunft der Gaststätte des Ortes stand nach dem Tod des Wirts im Jahr 2017 auf der Kippe. Plötzlich stand das Dorf ohne Kneipe da.

Ein Zustand, den die Dorfbewohner- und bewohnerinnen um Maik Escherhaus nicht einfach so hinnehmen wollten. So raufte sich die Dorfgemeinschaft zusammen und beschloss, die Kneipe mit einer Genossenschaft am Leben zu halten.

"Es wäre so gewesen, dass sie Nachkommen, die Kneipe nicht weitergeführt hätten. Es wäre hier abgeschlossen worden. Es wäre dann realistischerweise irgendwann der Bagger gekommen und dieser Bagger hätte hier realistischerweise das Objekt weggeschoben, man hätte dann ein Sechs-Parteien-Haus drauf gebaut und dann wäre die letzte Kneipe hier im Dorf verloren gegangen", erklärt Maik Eschershaus, einer der Initiatoren zur Rettung der historischen Gaststätte, die seit 1955 ein absoluter Mittelpunkt im Ort ist.

Man muss sich treffen, man muss sich austauschen und deswegen ist so eine Kneipe ganz wichtig.

Maik Escherhaus

Kleinstadthelden Die Rettung vom "Zum Schanko"

Kurz vor dem aus -- durch die Einwohner nun doch gerettet. Das "Zum Schanko" im niedersächsichen Handorf-Langenberg, unweit von Bramsche und Osnabrück.

Ein Schwarz-Weiß Foto von einer Gastwirtschaft aus dem Jahr 1955.
Das "Zur Schanko" im Jahr 1955. Die Kneipe gehört seit dem zum Bild von Handorf-Langenberg dazu. Bildrechte: Hubert Middendorf
Ein Schwarz-Weiß Foto von einer Gastwirtschaft aus dem Jahr 1955.
Das "Zur Schanko" im Jahr 1955. Die Kneipe gehört seit dem zum Bild von Handorf-Langenberg dazu. Bildrechte: Hubert Middendorf
Ein Schwarz-Weiß Foto eines Innenraums einer Gastronomie aus dem Jahr 1955. Es sind einige unbesetzte Stühle und Tische zu sehen.
Innen drin sah es damals noch etwas anders aus als dies heute der Fall ist. Bildrechte: Hubert Middendorf
Barbesuch Rechte MDR Olga Patlan:  Vier Männer sind an einer Theke und unterhalten sich. Ein Mann gestikuliert etwas während ihn die anderen anschauen.  Fassade - Rechte MDR Olga Patlan: Eine Hausfassade bei Dunkelheit von Außen. Groß leuchtet der Schriftzug "Zum Schanko" auf.  Gaststätte 1955 - Rechte Hubert Middendorf: Ein Schwarz-Weiß Foto von einer Gastwirtschaft aus dem Jahr 1955.  Kneipe - Rechte MDR Olga Patlan: Vier männliche Personen lächeln in die Kamera - zwei jüngere und zwei ältere. Ein jüngerer trägt ein selbstdesigntes Ortsschild mit der Aufschrift "Willkommen bei Schanko".  Sohn - Rechte MDR Olga Patlan: Eine junge männliche Person mit kurzen blonden Haaren im Pullower schaut in die Kamera.  Sohn bei der Arbeit - Rechte Maik Escherhaus: Eine junge männliche Person arbeit in einem Haus mit einem Schrauber. Das Haus sieht sehr nach einer Baustelle aus.  Theke 1955 - Rechte Hubert Middendorf: Ein Schwarz-Weiß Foto eines Innenraums einer Gastronomie aus dem Jahr 1955. Es sind einige unbesetzte Stühle und Tische zu sehen.  Viel zu tun - Rechte Maik Escherhaus: Eine Ansicht vom Dach wo eine Menschen drauf stehen in Arbeitsklamotten. Im Hintergrund stehen einige Baugeräte auf dem Boden.
Heute sieht die Kneipe moderner aus. Über zu wenig Kundschaft kann im "Zur Schanko" zur Zeit niemand klagen. Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Arbeit an Fassade - Rechte Maik EscherhausEine Ansicht vom Dach wo eine Menschen drauf stehen in Arbeitsklamotten. Im Hintergrund stehen einige Baugeräte auf dem Boden.
Auch deswegen wollten die Einwohner durch eine Genossenschaft ihre Kneipe retten. Und das, obwohl der Umbau sehr teuer war. Bildrechte: Maik Escherhaus
Vier Männer in Arbeitsklamotten führen handwerkliche Arbeiten an der Außenseite eines Gebäudes aus.
Insgesamt 140 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer legten mit Hand an, damit die Kneipe wieder zu dem wurde, was sie seit 1955 für den Ort war – die Begegnungsstätte im Ort. Bildrechte: Maik Escherhaus
Eine junge männliche Person arbeit in einem Haus mit eiem Schrauber. Das Haus sieht sehr nach einer Baustelle aus.
Auch der Sohn von Mitinitiator Maik Escherhaus packte mit an. Durch die Arbeiten hat er sich beruflich jetzt übrigens für eine Tischlerlehre entschieden. Bildrechte: Maik Escherhaus
Eine Hausfassade bei Dunkelheit von Außen. Groß leuchtet der Schriftzug "Zum Schanko" auf.
Am Ende hat alles geklappt und das "Zum Schanko" ist auch weiterhin ein zentraler Treffpunkt für die Menschen in der Region um Handorf-Langenberg. Bildrechte: MDR/Olga Patlan
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Nach dem Kauf bleibt die Renovierung

Überregional zeichneten hunderte interessierte Menschen Anteile. Doch es war kein einfacher Weg, meint Escherhaus. “Wir haben abends nach der Arbeit um sieben Uhr angefangen und haben dann das Dorf abgeklappert. Im Winter mit ner Taschenlampe – Haus für Haus", erklärt er. Es galt, den wichtigen Treffpunkt für Vereine, aber auch privater und öffentlicher Veranstaltungen zu retten. Die Suche nach Spendern verlief aber am Ende erfolgreich und so konnte der Kaufpreis bereits weniger Monate nach dem Tod des Wirts aufgetrieben werden.

Arbeit an Fassade - Rechte Maik EscherhausEine Ansicht vom Dach wo eine Menschen drauf stehen in Arbeitsklamotten. Im Hintergrund stehen einige Baugeräte auf dem Boden.
Bildrechte: Maik Escherhaus

Insgesamt 208.000 Euro wurden bis dahin eingenommen. Doch nach dem Erwerb von Grundstücks und Gebäude stellte sich schnell die nächste Herausforderung: Die Renovierung. Für die Arbeiten wurde mit 250.000 geplant. Das Warten auf Fördergelder strapazierten aber die Nerven der Beteilligten, weil es dadurch sogar zu einem Baustopp gekommen sei, meint Escherhaus. "Das war auch sehr schwierig, weil gerade die EU sehr lange für den Genehmigungsprozess gebraucht hat – das hat uns wirklich sehr viele Nerven gekostet hat", erklärt er.

Viel Unterstützung beim Umbau

Etwa 140 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer beteiligten sich an den Umbauarbeiten der Gastwirtschaft. Insgesamt dauerte es dadurch nur knapp sieben Monate bis der neue Pächter das "Zum Schanko" wieder eröffnen konnte. Nebenbei war der Umbau besonders für den Sohn von Maik Escherhaus ein voller Erfolg. Er habe viel Spaß an den Umbauarbeiten gehabt und dabei auch seine Fähigkeiten erkannt, erklärt der Papa. Jetzt beginne er eine Lehre zum Zimmermann.

Die Arbeit hat sich gelohnt

Vier männliche Personen lächeln in die Kamera - zwei jüngere und zwei ältere. Ein jüngerer trägt ein selbstdesigntes Ortsschild mit der Aufschrift "Willkommen bei Schanko".
Maik Escherhaus (links) mit dem Pächter und seinen beiden Söhnen. Auch dank ihnen heißt es in Zukunft auch weiterhin "Willkommen bei "Schanko"". Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Der Umbau hat insgesamt etwa ein halbes Jahr gedauert, meint Escherhaus. Dadurch konnte die Kneipe auch schon im März 2019 wieder eröffnen. Heute freut sich Escherhaus am "Zum Schanko" besonders darüber, "dass alles so gekommen ist, wie wir es uns erträumt haben. Dass ganz viele Leute herkommen, sich hier wohlfühlen, dass sich neue Gruppen gegründet haben. Stammtische, ein Männergesangsverein etc., die sich alle hier treffen", erklärt der Mitinitiator.

Quelle: MDR/pow

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