Kleinstadthelden Warum die Gemeinde Ottenstein Grundstücke verschenkt

Mit einer außergewöhnlichen Idee kämpft der Bürgermeister im niedersächsischen Ottenstein gegen die Landflucht. Er schenkt jungen Familien Grundstücke. Und davon profitiert die Gemeinde auch finanziell.

Ein leerer Bauplatz mit Betonmischer und einem Stapel Holzbretter.
Auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern sind in Ottenstein zehn Baugrundstücke entstanden, die verschenkt wurden. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Die Gemeinde Ottenstein in Niedersachsen ist, wie viele kleine Dörfer, betroffen von der Landflucht. Zwischenzeitlich kam es sogar dazu, dass die örtliche Grundschule fast geschlossen werden musste, weil es kaum Kinder mehr in dem Dorf gab. Doch dann hat sich der Bürgermeister, Manfred Weiner, in Abstimmung mit dem Gemeinderat etwas Ungewöhnliches einfallen lassen: Sie verschenken Grundstücke an junge Familien.

Finanzieller Profit für Familien und Gemeinde

Für die Idee standen der Gemeinde 10.000 Quadratmeter Land zu Verfügung. Diese wurden bis dahin für 180 Euro im Jahr verpachtet. Für die Aktion wurde der Leerstand dann in zehn Baugrundstücke aufgeteilt. Durch diese Lösung profitiert auch die Gemeinde selbst finanziell. Denn nun bekommen sie pro Grundstück 750 Euro Grundsteuer und zusätzlich 15 Prozent Einkommenssteuer pro Jahr.

Bislang wurden schon fünf der Grundstücke bebaut. Zwei stehen noch zur Verfügung. Aus einem Teil der leeren Fläche hat die Gemeinde eine Streuobstwiese gemacht. Das ganze Dorf kann sich daran bedienen. 

Voraussetzungen, um ein Grundstück abzubekommen

Manfred Weiner
Manfred Weiner, Bürgermeister von Ottenstein, kam auf die Idee Grundstücke zu verschenken. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Es gibt ein paar Voraussetzungen, die man mitbringen muss, um eines der Grundstücke erwerben zu können. "Man sollte nicht über 40 Jahre alt sein. Und wenn man Kinder hat, dann gibt es eine Vergünstigung der Grundsteuer", sagt Weiner. Zudem müsse das Haus innerhalb von drei Jahren gebaut werden und die Familie müsse mindestens zehn Jahre in Ottenstein bleiben. Außerdem sei es wichtig, dass die beschenkte Person in der Lage ist, das Haus und die Erschließungskosten des Grundstücks zu bezahlen, erklärt der Bürgermeister.

Durch den Zuzug der jungen Familien konnte die Grundschule inzwischen erhalten werden. Zudem gibt es eine U3- Betreuung und einen Kindergarten. In dem Dorf Ottenstein wird aber auch an Seniorinnen und Senioren gedacht: Aktuell wird ein Tagespflegeeinrichtung gebaut. Außerdem entstehen altersgerechte Wohnungen und Häuser, sowie Behandlungszimmer für Podologie und Logopädie.

Quelle: MDR/vö

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