Christiane Röper vom Landesamt für Umweltschutz
Christiane Röper leitet den Fachbereich Klima am Landesamt für Umweltschutz in Halle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landesamt für Umweltschutz "Der Klimawandel ist in Sachsen-Anhalt schon angekommen"

In Bernburg ist am Dienstag die bundesweit höchste Temperatur gemessen worden. Landwirte in Sachsen-Anhalt klagen über Trockenheit. Die Fachbereichsleiterin für das Thema Klima am Landesamt für Umweltschutz in Halle, Christiane Röper, sagt im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT, wie sich das Klima in Sachsen-Anhalt entwickelt hat und was zukünftig zu erwarten ist.

Christiane Röper vom Landesamt für Umweltschutz
Christiane Röper leitet den Fachbereich Klima am Landesamt für Umweltschutz in Halle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist unglaublich heiß, wir haben gefühlt seit April Sommer. Müssen wir uns darauf einstellen, dass es so weiter geht?

Christiane Röper: Ja, das könnte schon so sein. Wir haben Klimadaten aus den Jahren 1951 bis 2014 analysiert. Da zeigt sich, dass die Temperatur im Mittel immer steigt. Das ist ein globales Phänomen. Und für Sachsen-Anhalt haben wir festgestellt, dass es Tendenzen zur Frühjahrstrockenheit, einer längeren Dauer von Hitzeperioden und zu steigenden Waldbrandgefahren gibt.

Was heißt das konkret für Orte in Sachsen-Anhalt, also zum Beispiel Bernburg?

Wir hatten für dieses Jahr im Juli für Bernburg eine Abweichung von ungefähr fünf Grad vom jährlichen Mittelwert. Das bedeutet, wir haben einen Mittelwert von eigentlich ungefähr 18 Grad und in diesem Jahr lag der in Bernburg im Juli bei 23 Grad. Das ist extrem. Das merkt man auch an sich, den Unterschied zum Beispiel zwischen 28 und 33 Grad. Da weiß man ja selbst, wie es einem dann geht.

Sind die hohen Temperaturen begründet durch den Klimawandel?

Es ist sicher nicht nur der Klimawandel. Es gibt jährliche Schwankungen. Wir können aber anhand der Daten aus dem langen Zeitraum, den wir erhoben haben, sagen: Die Daten lügen nicht. Wir haben uns das nicht ausgedacht, es ist tatsächlich so, dass die Temperatur im Mittel steigt. Und das führen wir schon auf den Klimawandel zurück, nicht auf jährliche Schwankungen. Damit kann man sagen, dass der Klimawandel in Sachsen-Anhalt schon angekommen ist.

Sachsen-Anhalt ist heißer als die anderen Bundesländer. Warum?

Sachsen-Anhalt ist eines der wärmeren Bundesländer, das ist korrekt. Das hängt zum einen natürlich mit der geografischen Lage zusammen, auch mit der Orografie des Landes, also der Höhenstruktur. Es ist natürlich im Harz von den Temperaturen her etwas angenehmer als in den flachen Bereichen.

Aber ansonsten hängt die Wärme in diesem Jahr auch mit dem Witterungsverlauf zusammen: Die Hochs haben sich sozusagen gestaut und aus diesem Grund hat es gerade Sachsen-Anhalt getroffen und  nicht zum Beispiel weiter westlich gelegene Bundesländer.

Tiefststand bei 26 Zentimetern Die flache Elbe bei Barby

Die Elbe bei Barby: Das aktuelle Niedrigwasser zeigt sich mittlerweile mit einem Pegelstand von 26 Zentimetern am Messpunkt bei den Elbbrücken. Eine Fototour über die flache Elbe bei Barby.

Blick auf die Elbe bei Barby
Die Elbe bei Barby führt aktuell weniger Wasser. Bildrechte: MDR/Hanns-Georg Unger
Blick auf die Elbe bei Barby
Die Elbe bei Barby führt aktuell weniger Wasser. Bildrechte: MDR/Hanns-Georg Unger
Blick auf die Elbe bei Barby
Wegen der anhaltenden Trockenheit ist der Pegel bei Barby auf historisch niedrige 26 Zentimeter gesunken. Bildrechte: MDR/Hanns-Georg Unger
Blick auf die Elbe bei Barby
Das Niedrigwasser zeigt sich entlang der Elbe in praktisch allen Bundesländern, durch die sie fließt. Bildrechte: MDR/Hanns-Georg Unger
Blick auf die Elbe bei Barby
Allerdings war Sachsen-Anhalt im Juli das sonnenreichste Bundesland in ganz Deutschland. Und die Trockenheit macht der Elbe zu schaffen. Bildrechte: MDR/Hanns-Georg Unger
Blick auf die Elbe bei Barby
Die Fähre über die Elbe, die bei Barby normalerweise übersetzt, fährt wegen Niedrigwasser aktuell nicht. Bildrechte: MDR/Hanns-Georg Unger
Blick auf die Elbe bei Barby
So schön zeigt sich die Mündung der Saale in die Elbe – trotz des Niedrigwassers. Bildrechte: MDR/Hanns-Georg Unger
Blick auf die Elbe bei Barby
Die Wiesen an den Ufern sind allerdings von der sengenden Hitze ganz ausgedorrt. Bildrechte: MDR/Hanns-Georg Unger
Blick auf die Elbe bei Barby
Auch die Saale zeigt sehr niedrige Wasserstände. Am nächsten Messpunkt (bei "Calbe Unterpegel", nicht im Bild) liegt ihr Wasserstand bei aktuell 296 Zentimetern. Bildrechte: MDR/Hanns-Georg Unger
Blick auf die Elbe bei Barby
Seit Ende Juli ist die Elbe ein Fall für die Forscher. Bildrechte: MDR/Hanns-Georg Unger
Blick auf die Elbe bei Barby
Sie untersuchen, ob sich der niedrige Wasserstand schädlich auswirkt. Bildrechte: MDR/Hanns-Georg Unger
Blick auf die Elbe bei Barby
Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE 19 Uhr

Quelle: MDR/mg
Bildrechte: MDR/Hanns-Georg Unger
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Also ist Sachsen-Anhalt nicht immer heißer ist als die anderen Bundesländer?

Nein. Das kann man so generell nicht sagen. Es ist ein Wert für 2018.

Was gibt es in diesem besonderen Jahr 2018 für Extremwerte?

Wenn wir zum Beispiel den Juli betrachten und dann die Stadt Bernburg nehmen, die seit Dienstag besonders in den Schlagzeilen ist: In Bernburg hatten wir eine Hitzeperiode mit Tagen von über 30 Grad von neun Tagen hintereinander. Insgesamt gab es in Bernburg im Juli 13 Tage mit Temperaturen über 30 Grad – das ist eigentlich ein halber Monat, wenn man sich das überlegt.

Im Sommer ist man zwar dran gewöhnt, dass es heiß ist. Aber allein die Folge der vorherigen schon sehr warmen Monate führt natürlich dazu, dass das Ganze eine Kumulation ist und man das dann als besonders extrem empfindet.

Worauf müssen wir uns in Zukunft einstellen?

Wir müssen mit einer Frühjahrstrockenheit rechnen. Das ist gerade für die Landwirte von Belang. Denn ausgerechnet in der Vegetationsperiode 1, als die man die Monate April, Mai und Juni bezeichnet, brauchen Landwirte natürlich Wasser. Frühjahrstrockenheit bedeutet, es gibt gerade in den Frühjahrsmonaten weniger Niederschlag. Darauf müssen wir uns einstellen.

Wir müssen uns auch darauf einstellen, dass es längere Hitzeperioden gibt. Das heißt, insbesondere in den großen Städten wird es so sein, dass Leute, die empfindlich sind – kleinere Kinder, ältere Menschen – da einer besonderen Beachtung oder auch Betreuung bedürfen.

Macht Ihnen das Wetter Sorgen?

Ich finde es besorgniserregend. Nicht so sehr die Wärme, sondern das Zusammenspiel zwischen Wärme und Trockenheit. Das ist das, was mich doch sehr berührt, wenn ich durch die Landschaft fahre. Dass es Gegenden gibt, die wirklich verbrannt oder ausgetrocknet aussehen.

Klimabeobachtung in Sachsen-Anhalt Das Landesamt für Umweltschutz in Halle hat als Entscheidungshilfe für die Politik eine Klimaanalyse Sachsen-Anhalt für den Zeitraum 1951 bis 2014 durchgeführt.

Aus dem Bericht geht unter anderem hervor, dass Höchst- und Tiefsttemperaturen um etwa 1,5 bis zwei Grad Celsius beziehungsweise um ein bis 1,5 Grad gestiegen sind. Im Zeitraum 1961 bis 1990 lag die Jahresmitteltemperatur in Sachsen-Anhalt bei 8,7 Grad Celsius, im Zeitraum 1981 bis 2010 dagegen bei 9,3 Grad Celsius.

Tage mit Dauerfrost werden seltener: Sie sind im beobachteten Zeitraum in Sachsen-Anhalt um fünf bis acht Tage zurückgegangen. Sommertage, also Tage mit mindestens 25 Grad Celsius, haben dagegen der Analyse zufolge im untersuchten Zeitraum im Mittel um zehn bis 15 Tage im Jahr zugenommen. Selbst auf dem Brocken wurden seit 2000 etwa zwei bis für Tage mit 25 Grad Celsius oder mehr gemessen. Zuvor waren diese Tage auf dem höchsten Berg im Harz selten.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 01. August 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2018, 21:12 Uhr

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8 Kommentare

03.08.2018 21:07 Eulenspiegel 8

Hallo W 7
Informieren sie sich mal.
Nur allein in der Windenergie wird Weltweit mehr investiert als Kohle-und Kernkraftwerke zusammen.
Ich denk sie haben etwas übersehen.
Deutschland investiert nicht um Deutschland zu schützen sondern alle Staaten investieren um die Menschheit zu retten. Im übrigen Deutschland war mal führend. Heute sind wir im Mittelfeld. Aber ich denke sie gehören zu den Leuten die massive Probleme damit haben umzudenken. Ich glaube bei ihnen hilft nicht ein mal ein ganzer LKW voll Fakten.

03.08.2018 19:46 W 7

An Eulenspiegel @ 5,
wir sind das einzige Land in der modernen Industriegesellschaft, was aus Kernenergie und Kohle aussteigen will. Wer folgt diesem Konzept? Oder anders, wer will sich noch abschaffen?
An Emil @6,
Sie haben da auch etwas übersehen. Die vom Menschen unabhängig verlaufende Klimaerwärmung und die von uns gemachte Beschleunigung hält nicht an Landesgrenzen an. deshalb sind wir gar nicht in der Lage, Deutschland allein nachhaltig zu schädigen, das geht global. Und so sagen manche, ein großer Teil unseres Klimas wird durch die Abholzung der Regenwälder in Südamerika entschieden. Gehen sie dort hin und versuchen sie das zu ändern.

03.08.2018 18:23 Emil 6

Ja, Merseburger, unser Anteil ist so gering, daß wir nicht bewirken werden. Doch, etwas erreichen wir doch: Wir ruinieren unser Land nachhaltig.