Kolumne "Corona, voll verpönt!" Alles Lüge

Stephan Schulz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unverhofft ist MDR-Politikredakteur Stephan Schulz zum Kolumnisten geworden. Er weiß gar so nicht genau, was das ist. Eigentlich will er nur absurde Texte schreiben – die manchmal so absurd sind, dass er sich selbst in Kommentaren dafür scharf dafür kritisieren muss.

Ein Mann benutzt die beleuchtete Tastatur eines Notebooks
Kolumnist Stephan Schulz hat entschieden, zu seinem schärfsten Kritiker zu werden – und kommentiert unter seinen eigenen Texten. Natürlich messerscharf und anonym. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Ein sich jung fühlender, alter Mann sitzt an seinem Küchentisch und schreibt an seiner Kolumne. Seine Freunde behaupten, er sei ein guter Kolumnist. Doch er selbst weiß nicht, was das sein soll, ein Kolumnist. Seine Kollegen haben ihm dieses Label aufgedrückt und er hat es klaglos angenommen.

Der sich jung fühlende, alte Mann ist es gewohnt, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Das bringt sein Beruf so mit sich, der von ihm verlangt, sich in allen Bereichen des Lebens auszukennen. In all den Jahren, in denen er nun schon Texte verfasst, war er schon so ziemlich alles: Experte für Atommüll, Experte für Terrorismus, Experte für Viren und sogar Experte für Babywindeln.

Das Expertenwesen ist in seinem Beruf weit verbreitet. Im Grunde genommen leidet der sich jung fühlende, alte Mann darunter. Denn er will weder Experte noch Kolumnist sein, er will einfach nur absurde Texte schreiben, die seine Leser mitten in der Fledermaus-Pandemie erfreuen sollen.

Sein eigener schärfster Kritiker

Doch der sich jung fühlende, alte Mann hat einen so seltsamen Humor, dass er ihn selbst nicht versteht, sobald seine Texte geschrieben sind. Deswegen entschied er sich eines Tages, sein schärfster Kritiker zur werden. Er meldete sich heimlich für die Kommentarspalten seines Arbeitgebers an und kommentierte seine eigenen Texte.

Der sich jung fühlende, alte Mann fand schnell Gefallen an dieser neuen Rolle. Endlich konnte er sich mithilfe eines Decknamens so richtig die Meinung geigen. Seine Kritiken waren so messerscharf, dass er schlaflose Nächte davon bekam. Besonders sein letzter Kommentar steckt ihm noch immer in den Knochen. Er hatte die "Thüringer Gebote" verfasst und sich anschließend selbst vorgeworfen, "selten so etwas unreflektiertes und dümmliches" gelesen zu haben.

Unversöhnlich

In seinem Inneren findet nun ein grausamer Kampf statt. Der sich jung fühlende, alte Mann würde gern ein Versöhnungsbier mit sich selbst trinken, am liebsten eine Flasche Corona, aber der Kolumnist … Kolumnator … Kolumniker … steht mit dem Kritiker noch immer auf Kriegsfuß. Die beiden werden sich viel zu verzeihen haben, sobald die Corona-Pandemie vorbei ist.

Und die Leser des sich jung fühlenden, alten Mannes, sollten nicht alles glauben, was der junge, alte Mann in seiner Kolumne schreibt.

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Quelle: MDR/mh

4 Kommentare

Britta.Weber vor 5 Wochen

(Zweiter Versuch)
Ich hatte zuerst gedacht, die Überschrift ist MDR-Selbstkritik (z.B. über den heutigen Bericht über die "Demonstrationen" von Minneapolis, ohne die Plünderungen, brennenden Gebäude, Übergiffe zu nennen), aber das war es dann doch nicht.

einfach_nur_ich vor 5 Wochen

Sehr geehrter junger alter Mann,

ich möchte mich hiermit, weil es mir nach ihren Zeilen immens wichtig erscheint, bei Ihnen für Ihre Zeilen, ich nenne sie bewusst nicht Kolumne, herzlichst bedanken!
Ich habe mich extra hierfür zum Kommentieren dieser Zeilen angemeldet und ungeduldig auf die Bestätigung gewartet, dass ich gleich eine zweite Bestätigung anforderte und sogar nach einem System ihrer Emailadressen beim mdr geschaut habe, nur um Ihnen zu sagen:„Danke für Ihre, nicht ernst gemeinten, aber anregenden Texte, für Ihren Humor und die Einblicke, die sie mir und anderen Lesern gewähren! Danke für jeden Tag schmunzeln, grienen, nachdenken und philosophieren! Danke, dass Sie in diese Rolle für mich und andere Leser geschlüpft sind!“
Bleiben sie und der Wutzwerg bitte weiterhin so, wie Sie sind. Sie sind, für mich und bestimmt viele andere, genau richtig!
Sie haben recht: man selbst ist der schärfste Kritiker für sich selbst. Aber bitte: seien Sie nicht zu scharf zu sich.Lieben Gruß

Rotti vor 5 Wochen

Solange das Tragen des Mundschutzes in Kreditinstituten quasi verboten ist, stellt das für mich eine überzogene Maßnahme, bis hin zum Eingriff in meine Grundrechte dar.
Wo waren die Maßnahmen, als wirklich was passierte? Zur Grippe - Epidemie?
Es wird Zeit, den ganzen Spuk zu beenden, bevor das unerwünschte Auswirkungen bekommt.

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