Kolumne "Corona, voll verpönt!" Vom quengelnden Donald und Träumern in Gummibooten

Stephan Schulz
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In der Corona-Krise meldet sich der Wut-Zwerg bei MDR SACHSEN-ANHALT-Kolumnist Stephan Schulz besonders gern zu Wort. Diesmal liegt das unter anderem am US-Präsidenten und mit Vorsicht zu genießenden Corona-Protesten.

Proteste gegen Donald Trump in London
Proteste gegen die Politik von Donald Trump gibt es weltweit – hier in London. Bildrechte: imago images / ZUMA Press

"Die Welt gehört in Kinderhände, dem Trübsinn ein Ende", singt Herbert Grönemeyer. Das ist auch wieder so eine überholte Wahrheit aus dem vorigen Jahrhundert. Sieht man ja in den USA, wohin es führt, wenn man einem Kind das Kommando übergibt. Nur Chaos und Gewalt. 

Und dann ständig dieses Quengeln, fürchterlich!

"Aber meine Gouverneure machen nicht, was ich will!" 

Jammer, jammer.

"Deswegen schicke ich jetzt meine Soldaten, dann gibt es richtig eins auf die Mütze!"

Quengel, quengel.

"Vielleicht drücke ich auch mein kleines rotes Knöpfchen, damit ihr alle strahlt wie Fliegenpilze!"

Murmel, murmel.

Nein, solchen Kindern darf man nicht das Kommando überlassen. Sie sind noch zu klein, um so große Länder wie die USA zu regieren. Stattdessen sollten sie altersgerecht mit Indianern und Cowboys aus Hartplaste spielen, aber nicht mit Atombomben. Das bringt nur Unglück!

Ein Mann hält eine US-Flagge verkehrt herum während einer Solidaritätskundgebung für George Floyd.
In den USA gehen zahlreiche Menschen nach dem Tod von George Floyd auf die Straße. Bildrechte: dpa

Greta Thunberg, die neue Pippi Langstrumpf

Angesichts der Ereignisse in den USA ist es an der Zeit, dass wieder die Erwachsenen die Macht übernehmen. Greta Thunberg zum Beispiel, die Pippi Langstrumpf des 21. Jahrhunderts. Oder meine Tochter, der man so schnell nichts vormachen kann. 

Als ich neulich zu ihr sagte: "Wenn man immer so lange schläft wie du, wird man dumm", entgegnete sie: "Ach, deshalb machst Du immer so lange Mittagsschlaf".

Solche klugen, reifen und weisen Aussagen bringen nur Erwachsene über die Lippen. Sie sollten uns regieren und nicht diese quengelnden Donalds. 

Mit Vorsicht zu genießen sind auch die Vertreter der Zwischengeneration, die noch keinen festen Platz im Leben gefunden haben. Sie schießen gern übers Ziel hinaus und machen jede Menge Blödsinn. 

An Pfingsten konnte man das gut beobachten, als sich in Berlin Kreuzberg die "Rebellion der Träumer" aufmachte, um für den Erhalt der Clubszene zu protestieren. 

Die Träumer mit den Gummibooten in Berlin

Eigentlich wollten die Träumer nur in kleiner Runde in einem knallroten Gummiboot über die Wellen des Landwehrkanals schaukeln und ein bisschen Ravemusik hören. Doch ihr Protest geriet schon nach wenigen Minuten völlig aus dem Ruder. Hunderte, nein tausende Träumer bildeten plötzlich eine ganze Armada aus Gummibooten. Sie tanzten und sangen auf ihren Booten und waren dabei so verträumt, dass sie nicht einmal merkten, als ihnen die Patienten eines Krankenhauses, an dem sie vorbei schipperten, den Mittelfinger zeigten. 

Wer in der Corona-Pandemie feiert, bis der Arzt kommt, muss sich nicht wundern, wenn am Ende wirklich der Arzt kommt. In diesem Fall kam Dr. Drosten. Er ließ von den Gummibooten die Luft ab und nahm von jedem Teilnehmer Blutproben, die nun in seinem Labor auf Antikörper untersucht werden. Vermutlich wird Dr. Drosten aber nur dunkle Materie finden. 

Sein britischer Kollege Prof. Friston, der die Regierung in London zu allen wichtigen Covid-19-Fragen berät, hat im Guardian gesagt, dass die Deutschen eine Geheimwaffe im Kampf gegen Corona besitzen würden, "immunologische dunkle Materie". Das erkläre, warum die Sterblichkeitsrate in Deutschland niedriger sei als die in Großbritannien. 

Laut Prof. Friston sind Menschen, die dunkle Materie mit sich herumschleppen, für Infektionen unempfindlich, "weil sie geographisch isoliert leben oder eine Art natürliche Resistenz" gegen Fledermausviren besitzen. 

So gesehen können wir uns in Deutschland vielleicht doch alle in ein rotes Gummiboot setzen, ohne Abstand, ohne Maske und ohne Angst.

Aber diese Ravemusik bleibt aus. Bitte!

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Stephan Schulz
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Über den Autor Stephan Schulz, geboren 1972, wuchs in Burg bei Magdeburg auf. Er studierte Germanistik, Soziologie und Politikwissenschaften und stellte fest, dass das Hörsaalwissen nicht weit führt, weil sich die Politik selten an die Wissenschaft hält. Deswegen schreibt er so gern darüber – als Politikredakteur beim Mitteldeutschen Rundfunk und auch als Buchautor. 2016 veröffentlichte er den heiter-satirischen Erzählungsband »Bück dich, Genosse!«. Sein neues Buch "Das Leben ist ein Angelteich" ist im Frühjahr 2020 erschienen.

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Quelle: MDR/vö

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