Kommentar zum Seilbahnstreit Es geht um mehr als eine Seilbahn

Ein Gutachten soll den Streit um die neue Seilbahn in Schierke beilegen. Am Donnerstag stapften Umweltministerin und Ministerpräsident durchs Hochmoor, um sich ein Bild der Lage zu machen. Mit dabei: MDR-SACHSEN-ANHALT-Reporter Alexander Budweg. Er erwartet eine Grundsatzentscheidung darüber, welchen Weg die Landesregierung zukünftig bei Konflikten einschlägt.

von Alexander Budweg, MDR SACHSEN-ANHALT

Vertreter der Regierung von Sachsen-Anhalt und Pressevertreter besichtigen künftige Baustelle der Seilbahntrasse bei Schierke
Durch das Hochmoor soll bald eine Seilbahn führen, geht es nach CDU und SPD. Bildrechte: Alexander Budweg

Eine Seilbahn wird gebaut, um höhere Ziele leichter zu erreichen. Das gilt für Schierke gleich mehrfach. Zum einen sollen Skifahrer im Winter leichter den Abfahrtshang hochkommen. Allerdings ist der Harz mitnichten das, was als schneesichere Region bezeichnet werden kann. Doch die Seilbahn kann auch im Sommer von Naturfreunden genutzt werden, um leichter an höhergelegene Ziele zu kommen. Das dürfte besonders ältere Besucher freuen oder jene, die sich im unebenen Gelände nicht so gut bewegen können. So sehen es zumindest die Befürworter und die Verantwortlichen in Schierke.

Zum anderen wollen Befürworter, Verantwortliche und Investoren mit der Seilbahn das höhere Ziel erreichen, die Region touristisch aufzuwerten und damit auch wirtschaftlich voranzubringen. Es geht also um Investitionen, Jobs und Wertschöpfung Vorort. Im dafür entwickelten Ganzjahresprojekt ist die Seilbahn zwar nur ein Baustein, doch er trägt zur Attraktivität des Gesamtpaketes bei. Das Hin und Her im Genehmigungsverfahren dürfte aber schon jetzt seine Wirkung auf künftige Investoren und Ansiedlungen im gesamten Land haben.

Welchen Weg gehen wir bei Konflikten?

Letztlich will vor allem Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) mit der Seilbahn in Schierke das höhere Ziel erreichen, Investitionen und Entwicklungen im Land zu ermöglichen und den Vorgaben des Naturschutzes gerecht zu werden. CDU und SPD sollen dabei auf der einen Seite nichts an Wirtschaftskompetenz einbüßen müssen. Auf der anderen Seite sollen aber auch die Grünen nicht dazu gezwungen werden, bei jedem naturschutzrechtlich zumindest bedenklichem Projekt klein beizugeben. Das nun vereinbarte externe Gutachten kann hier sicher im Einzelfall helfen.

Es wird die Landesregierung und den Ministerpräsidenten aber nicht von einer Grundsatzentscheidung befreien: Welchen Weg gehen wir bei Konflikten? Was hat für uns Vorrang? Gerade in einem Flächenland wie Sachsen-Anhalt mit noch mehr Mooren, Wiesen und Wäldern ist der nächste Streit schon vorprogrammiert. Oder anders gesagt: Auch wer höhere Ziele erreichen will, muss dafür zunächst einen Weg festlegen.

Dieses Thema im Programm : MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11.05.2017 | 17:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11.05.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ms

Zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2017, 08:38 Uhr

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3 Kommentare

31.05.2019 16:30 Utopist ;) 3

Lieber Realist, was veranlasst Sie zu dieser These. Die FDP braucht wirklich niemand mehr. Es wird Zeit, dass wir diese so genannte wirtschaftsfreundliche Politik der Geschichte übergeben. Kaum winkt jemand mit einem Geldschein, werden Umwelt und Anstand vergessen. Der Harz ist ohne Trubel und seilbahnfahrende Dickbäuche lebenswerter. Wir sollten den Rest Umwelt erhalten und nicht die Fehler der Vergangenheit immer und immer wieder wiederholen. Schöne Grüße aus dem Harz

12.05.2017 11:08 Realist 2

Auch wenn der Haseloff diese Regierung zusammenhalten möchte, so wäre doch der richtige Weg von Neuwahlen. Ich schätze das dadurch die wirtschaftlich freundlichere FDP in den Landtag und in die Regierung kommt und so die Grünen aus den Landtag und Regierung verdrängen. Eine sogenannte Sonntagsumfrage würde das bestimmt widerspiegeln.

12.05.2017 11:01 rüdiger oppermann 1

In Schierke wird es nie genug Skiläufer geben (und Gehschwache die im Sommer mit der Seilbahn fahren) als dass sich die Investition amortisiert. So wie in Cochstedt keine Flugzeuge (mehr) starten und landen und so wie bei der Mifa bald keine Fahrräder mehr gebaut werden. Offensichtlich liegt hier die Wirtschaftskompetenz bei denen, bei denen man sie nicht vermutet: bei den GRÜNEN. Frage an den mdr: mit wieviel Millionen Euro Steuergelder wird das Winterbergprojekt in Schierke gefördert?



ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Das Wirtschaftsministerium wird derzeit von der SPD geführt. Zu Ihrer Frage: Insgesamt wird die Anlage zwischen 23 und 25 Millionen Euro kosten. Wernigerodes Bürgermeister Peter Gaffert (parteilos) sprach gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT von 13 bis 14 Millionen Euro Privatinvestition durch die Winterberg Schierke GmbH und 8 bis 10 Millionen, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden.

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