Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen Wie Sachsen-Anhalts Bundestagsabgeordnete über KI denken

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
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Es war ein Mammutprojekt: Mehr als zwei Jahre lang hat die "Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz" im Bundestag mit Abgeordneten und Expertinnen beraten. Fast 800 Seiten Text sind dabei entstanden. Auch Abgeordnete aus Halle und Magdeburg haben sich beteiligt: vor allem beim Thema "KI und Gesundheit". MDR SACHSEN-ANHALT fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Blick in den Plenarsaal während der 176. Sitzung des Bundestags zu den Abgeordneten
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Allein das Inhaltsverzeichnis enthält mehr als 20 Seiten. Die "Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz" im Bundestag hat sich sehr grundsätzlich mit dem Thema befasst. Ein 794-seitiger Bericht (PDF) ist entstanden. In sechs Projektgruppen wurden Experten befragt, lange Texte und Handlungsempfehlungen verfasst.

Tino Sorge
Bildrechte: Tino Sorge

Eine der Projektgruppen war "KI und Gesundheit". In ihr haben Petra Sitte, Bundestagsabgeordnete der Linken aus Halle, und Tino Sorge, CDU-Abgeordneter aus Magdeburg, mitgearbeitet. Ihre Gruppe hat Beispiele zusammengetragen, wo KI in der Gesundheits- und Medizinbranche bereits im Einsatz ist. Im Podcast "digital leben" von MDR SACHSEN-ANHALT berichten sie von ihrer Arbeit und sagen, wo KI in der Gesundheitsbranche helfen kann und wo die Technologie Risiken birgt.

Petra Sitte
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Was ist Künstliche Intelligenz? Eine einheitliche Definition für künstliche Intelligenz gibt es nicht. Das liegt auch daran, dass schon eine allgemein anerkannte Definition von Intelligenz scheitert. Am Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz gilt eine Arbeitsdefinition. Danach zeigt ein IT-System künstliche Intelligenz, wenn es ähnliche kognitive oder motorische Fähigkeiten wie der Mensch aufweist. Eine Art selbstlernende Maschine. Ein solches System verfügt in unterschiedlichen Anteilen über situatives Wahrnehmen, Verstehen, Kommunizieren, Handeln, Schlussfolgern oder Lernen. Im Gesundheitswesen gilt vor allem das maschinelle Lernen als eine Methode der KI erfolgversprechend. Dabei erkennt eine Software Muster zum Beispiel in Röntgenbildern oder Sprachaufnahmen und kann so Korrelationen herstellen und die Wahrscheinlichkeit einer Krankheit berechnen.

Beispiele für KI in der Gesundheit

Es gibt für Künstliche Intelligenz keine einheitlich anerkannte Definition, weil schon eine Definition von Intelligenz scheitert. Trotzdem werden Methoden der KI (Entscheidungsbäume, maschinelles Lernen oder neuronale Netze) schon für Gesundheitsanwendungen benutzt:

  • In den letzten beiden Dezembertagen 2019 haben die beiden Systeme HealthMapService aus Boston und BlueDot aus Kanada vor Viren unbekannte Herkunft gewarnt, schreibt die Enquete Kommission. Noch vor der ersten Corona-Quarantäne in China. "Das Tool wertete fremdsprachige Nachrichten, wissenschaftliche Netzwerke und Meldungen offizieller Stellen aus." (S. 109).
  • Neuronale Netze können medizinische Bilddaten auswerten, analysieren und Ärzte zum Beispiel bei einer Krebsdiagnose unterstützen (S. 243).
  • Auch Alzheimer oder eine Blutvergiftung lassen sich mithilfe von KI erkennen (S. 250).

Im Display einer Körperwaage steht "Bitte abnehmen"
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Einige Empfehlungen der KI-Kommission

Sitte, Sorge und ihre Projektgruppe in der "Enquete-Kommission zur Künstlichen Intelligenz" geben zehn Handlungsempfehlungen (S. 248). Sie fordert von der Bundesregierung zum Beispiel eine umfassende Strategie dafür, wie KI-Technologien im Gesundheitsbereich eingesetzt werden können. Weitere Empfehlungen:

  • In die IT-Infrastruktur der Krankenhäuser sollte dauerhaft investiert werden: Vier Prozent der Gesamtausgaben der Krankenhäuser sollten jährlich in IT gesteckt werden. Jährlich fehlen dafür bislang 2,5 Milliarden Euro.
  • Alle Beschäftigten in der Gesundheits- und Pflegebranche sollten eine Expertise aufbauen und wissen, was eine KI in ihren jeweiligen Bereichen leisten kann und was nicht.
  • Patienten sollten ihre Daten abgestuft, freiwillig und widerrufbar freigeben dürfen und sich auch gegen die Anwendung von KI entscheiden dürfen (Recht auf Nichtwissen).

Eine Ärztin mit Tablett bei einer Videosprechstunde
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Auch wenn die Empfehlungen nach einem einheitlichen Standpunkt klingen, politisch sind die Auswirkungen von Methoden der Künstlichen Intelligenz umstritten. Das lässt sich auch an der Anzahl der Sondervoten sehen, die einzelne Abgeordnete oder Fraktionen zu bestimmten Aussagen im Abschlussbericht verfasst haben. Mehr als 50 solcher Sondervoten gibt es, die meisten davon kommen von der Opposition; mehr als 30 aus Petra Sittes Fraktion der Linken.

Welche Schwerpunkte den beiden Bundestagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt beim Thema KI in der Gesundheit wichtig sind, erklären sie in zwei Gastbeiträgen bei MDR Sachsen-Anhalt.

Screenshot einer Videokonferenz mit vier Menschen: den beiden Podcastmachern Marcel Roth und Stephan Schulz und ihren Gästen Alexander Alten-Lorenz und Doris Aschenbrenner 88 min
Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

KI, Sachsen-Anhalt und Gesundheit:Wir sprechen mit Doris als Professorin in den Niederlanden und mit Alex als jemand, der auch im Silicon Valley gearbeitet hat. Zwei Bundestagsabgeordnete kommen auch zu Wort.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Fr 06.11.2020 15:33Uhr 88:21 min

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Über den Autor Marcel Roth arbeitet seit 2008 als Redakteur und Reporter bei MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir. Nach seinem Abitur hat der gebürtige Magdeburger Zivildienst im Behindertenwohnheim gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und in München die Deutsche Journalistenschule absolviert. Anschließend arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk in Köln.

Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Außerdem ist er Gastgeber des MDR SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben". E-Mail: digitalleben@mdr.de

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Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. November 2020 | 07:30 Uhr

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