Cornelia Marschall (als Kammerfrau), KS Iordanka Derilova (als die Fürstin)
Für viele ist Schauspieler ein Traumjob – trotz der Schwierigkeiten, die der Job mit sich bringt. Das Bild entstand bei der Oper "Katja und der Teufel" am Anhaltischen Theater in Dessau. (Archivbild) Bildrechte: Anhaltisches Theater Dessau/Claudia Heysel

Thema Schauspiel Was Schauspieler am Theater verdienen

Welche Chancen haben Berufseinsteiger, wenn sie ihre Karriere an einem der Theater in Sachsen-Anhalt beginnen möchten? Und was verdienen Schauspieler am Theater eigentlich? MDR SACHSEN-ANHALT hat nachgefragt – und zusammengefasst, unter welchen Bedingungen junge Schauspieler hierzulande arbeiten.

von Luca Deutschländer und Fabian Frenzel, MDR SACHSEN-ANHALT

Cornelia Marschall (als Kammerfrau), KS Iordanka Derilova (als die Fürstin)
Für viele ist Schauspieler ein Traumjob – trotz der Schwierigkeiten, die der Job mit sich bringt. Das Bild entstand bei der Oper "Katja und der Teufel" am Anhaltischen Theater in Dessau. (Archivbild) Bildrechte: Anhaltisches Theater Dessau/Claudia Heysel

Wie viel Schauspieler an Sachsen-Anhalts Theatern verdienen

Schauspieler sind reich – das hört man oft, doch die Realität am Theater sieht ganz gewiss anders aus. Darauf macht der "Bundesverband Schauspiel" aufmerksam, die größte Berufsorganisation für Schauspielerinnen und Schauspieler in Deutschland. Laut Vorstandsmitglied Heinrich Schafmeister ist die finanzielle Lage vieler Schauspieler alles andere als rosig.

Um das Problem an ein paar Beispielen in Zahlen auszudrücken: Wer am Nordharzer Städtebundtheater einen Job als Schauspieler antritt, der bekommt nach Angaben von Dramaturg Daniel Theuring zunächst den tariflichen Mindestlohn von 2.000 Euro brutto. "Erfahrene Darsteller bekommen mit Verhandlung natürlich etwas mehr", sagt Theuring. Auch am Theater der Altmark in Stendal richten sich die Gagen nach den Worten einer Sprecherin am Normalvertrag (NV) Bühne – einem Tarifvertrag zwischen Deutschem Bühnenverein sowie der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger.

Dieser Vertrag wird bei städtischen Bühnen sowie an Staats- und Landestheatern angewendet – also auch am Theater in Naumburg. Dramaturgin Antje Riewe-Bez sagt, ohne konkrete Zahlen zu nennen: "Wir bezahlen mehr als das vorgeschriebene Nettogehalt." Das Anhaltische Theater in Dessau orientiert sich mit seinen Gagen ebenfalls am Tarifvertrag, betont aber: "Darüber hinaus sind die Verträge frei verhandelbar."

Warum Theater auf befristete Verträge setzen

Es sind nicht nur die oft bescheidenen Gagen, die vielen Schauspielern Sorgen bereiten: Wer den Job macht, der muss spontan bleiben – und kann nur in ganz wenigen Fällen langfristig planen. Grund sind befristete Verträge, auf die auch in Sachsen-Anhalt viele Bühnen setzen. Warum eigentlich?

Tja, die einen begründen das mit dem bereits erwähnten Normalvertrag (NV) Bühne, der bei Festengagements befristete Verträge vorsehe – vom Anhaltischen Theater in Dessau etwa kommt diese Begründung. Vom Theater in Naumburg dagegen heißt es, befristete Verträge seien Wunsch der Schauspieler. Vier von ihnen arbeiten hauptberuflich am nach eigenen Angaben "kleinsten Stadttheater Deutschlands". 15 weitere sind Gast-Schauspieler.

Vom Nordharzer Städtebundtheater kommt eine andere Antwort – eine, die einen künstlerischen Ursprung hat. Dramaturg Daniel Theuring: "Ein Theater wird immer von seinem Intendanten geprägt." Für gewöhnlich bringe der Intendant Künstler seines Vertrauens mit an die Bühne.

Geht der Intendant an ein anderes Haus, kann man hoffen, dass man mitgenommen wird. Kommt ein besseres Angebot eines anderen Hauses oder ist man unzufrieden mit dem eigenen Haus, so zieht man weiter. Und gerade für die jungen Schauspieler ist es sehr wichtig, Erfahrungen an mehreren Häusern zu sammeln.

Daniel Theuring | Nordharzer Städtebundtheater

Welche Chancen Berufseinsteiger haben

Welche Chancen haben Berufseinsteiger an den Theatern in Sachsen-Anhalt? Auch das wollte MDR SACHSEN-ANHALT herausfinden. Und insgesamt kann man feststellen: Die Lage für junge Schauspielerinnen und Schauspieler scheint gut zu sein – jedenfalls an den Häusern, die die Anfrage der Redaktion beantwortet haben.

Das wird besonders deutlich beim Nordharzer Städtebundtheater, das seinen Hauptsitz in Quedlinburg hat. Dramaturg Daniel Theuring sagt, dass dort fast ausschließlich junge Schauspielerinnen und Schauspieler eingestellt werden. Sie kämen oft direkt von der Schauspielschule. "Aus Etatgründen", wie Theuring sagt. Das Nordharzer Städtebundtheater verstehe sich aber so oder so als Ausbildungsbetrieb. "Schauspieler fangen bei uns an und steigen dann idealerweise auf", erklärt Theuring.

Und genau das sieht man auch, wenn man sich das Ensemble des Städtebundtheaters ansieht. Sieben Schauspielerinnen und Schauspieler sind fester Teil des Ensembles, die meisten sind jünger als 40.

Nordharzer Städtebundtheater in Quedlinburg
Die Spielstätte des Nordharzer Städtebundtheaters in Quedlinburg (Archivfoto) Bildrechte: IMAGO

Am Theater der Altmark in Stendal ist das anders. Dessen Sprecherin Magdalena Burkhardt sagt, dass eine gewisse Berufserfahrung durchaus gewünscht ist – insbesondere auf der Bühne. "Berufserfahrung ausschließlich in Film und Fernsehen reicht uns in der Regel nicht", erklärt Burkhardt. Und dennoch: Acht der elf fest am Theater der Altmark beschäftigten Schauspieler sind jünger als 40 Jahre.

Auf eine Mischung von erfahrenen und jungen Ensemblemitgliedern setzt das Anhaltische Theater in Dessau. "Wir wollen eine größtmögliche Bandbreite im Ensemble", sagt Sprecherin Franziska Olschewski. Schließlich sollen die Schauspieler auf der Bühne ein großes Spektrum bedienen können. "Zudem ist es schön, wenn erfahrene Schauspielerinnen und Absolventen voneinander lernen können", sagt Olschewski.

Stichprobenartig nachgefragt Die oben stehenden Ergebnisse sind nicht repräsentativ. MDR SACHSEN-ANHALT hat für die Recherche stichprobenartig mehrere Theater angefragt. Nicht alle haben sich daran beteiligt.

Diese Theater haben mitgemacht

Das Anhaltisches Theater Dessau.
Das Anhaltische Theater in Dessau
aktuelle Produktionen (Auswahl): "Violett" (ab September), "Die Glücksfee", "Scratch-Konzert"
Zahl der Zuschauer im vorigen Jahr: 174.678
Bildrechte: Theater Dessau/Claudia Heysel
Das Anhaltisches Theater Dessau.
Das Anhaltische Theater in Dessau
aktuelle Produktionen (Auswahl): "Violett" (ab September), "Die Glücksfee", "Scratch-Konzert"
Zahl der Zuschauer im vorigen Jahr: 174.678
Bildrechte: Theater Dessau/Claudia Heysel
Theater Naumburg
Theater Naumburg
aktuelle Produktionen (Auswahl): "Diener zweier Herren", "Hase und Igel", "Der Vorname"
Zahl der Zuschauer im vorigen Jahr: Im nach eigenen Angaben "kleinsten Stadttheater Deutschlands" haben im Theatersaal maximal 80 Zuschauer Platz. Die Auslastung liegt seit 2015 bei 92 bis 95 Prozent.
Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn
Theater der Altmark in Stendal, 2015
Theater der Altmark in Stendal
aktuelle Produktionen (Auswahl): "Ingeborg", "Ritter Roland", "Alice im Wunderland"
Zahl der Zuschauer in der laufenden Spielzeit 2018/2019: bis 30. April etwa 52.000
Bildrechte: dpa
Blick auf das Gebäude des Nordharzer Städtebundtheaters in Halberstadt.
Nordharzer Städtebundtheater
aktuelle Produktionen (Auswahl): "Pippi Langstrumpf", "Captain's Dinner", "Der Zarewitsch" (ab Juli)
Zahl der Zuschauer im vorigen Jahr: etwa 100.000
Bildrechte: dpa
Alle (4) Bilder anzeigen
Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über Luca Deutschländer Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online-Redaktion und im Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg. Stand, seit er sechs Jahre alt war, mehr als 15 Jahre lang selbst regelmäßig auf der Theaterbühne – allerdings in der Freizeit und nicht, um Geld damit zu verdienen. Ist inzwischen im Theatervorstand und somit viel hinter den Kulissen unterwegs. Mag auch das sehr gerne.

Fabian Frenzel
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über Fabian Frenzel Fabian Frenzel arbeitet seit November 2014 bei MDR SACHSEN-ANHALT für die Online-Redaktion. Dabei liegt sein Schwerpunkt vor allem im Bereich Social-Media. Er würde gerne mehr Texte über sein Hobby "Männerballett" schreiben, hat aber noch nicht die richtige Rubrik dafür gefunden. Über zehn Jahre spielte er selbst Theater in seiner Freizeit. Bekannteste Rollen: Paris in Troja , Leonce in "Leonce und Lena" und der namenlose Agent im Hintergrund.

Sein Journalismus-Studium hat der gebürtige Brandenburger in Berlin und Eichstätt/Ingolstadt absolviert. Die ersten journalistischen Schritte machte er bei der Märkischen Allgemeinen Zeitung und RADIO ENERGY Berlin.

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2019, 16:11 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

7 Kommentare

11.06.2019 09:19 Denkschnecke 7

@4 "üblich, dass die Stundenlöhne sehr hoch sind, jedoch eben keine 8h/Tag (oder mehr) gearbeitet wird" Diesen Unfug können Künstler nicht mehr hören. Es gibt den schönen Begriff der "Zusammenhangstätigkeit", die man außerhalb der Probe zu leisten hat. Einstudierung von Rollen und Musikstücken läuft i.A. komplett zu Hause und nimmt mindestens ein Drittel der Arbeitszeit ein.
Wenn man sich freiberuflich "von Engagement zu Engagement" hangelt, kommt noch die ganze Organisation der Muggen, GEMA-Meldung und ähnliches hinzu. Das eine Unterkunft gezahlt wird, ist jedenfalls bei klassischen Musikern vollkommen unüblich. Und die Verpflegung zum Nulltarif fürs Orchester beim Weihnachtsoratorium schmiert i.A. der Chor.
@5 Ein großer Teil der freiberuflichen Künstler in Deutschland dürfte mit seinen Rentenansprüchen unter der diskutierten Mindestrente liegen.

11.06.2019 09:13 Denkschnecke 6

Hier werden in Kommentaren schon wieder lauter unbewiesene und unzutreffende Aussagen getroffen. So wird den Bürgern hier eingeredet, dass sie immer benachteiligt würden.
@2 "Das dürfte mehr sein, als der ostdeutsche Durchschnittslohn." Der für Sachsen-Anhalt liegt bei 2956 € (Gehaltsatlas 2019, gehalt.de)

09.06.2019 14:47 MuellerF 5

Außerdem sind viele Künstler bei der "Künstler Sozialkasse" versichert, deren Beiträge bei derzeit 4,2% liegen. Im Vergleich zu normalen Angestellten also insgesamt "Jammern auf hohem Niveau"!

Mehr Kultur in Sachsen-Anhalt