Dorfladen Deersheim
Vielerorts sterben die kleinen Läden aus – den Wiederaufbau will das Land jetzt fördern. Bildrechte: dpa

Infrastruktur Land will Dorfläden fördern

Der letzte Dorfladen hat geschlossen und bis zur nächsten Bankfiliale sind es auch mehrere Kilometer Fahrt. Dieses Schicksal schleicht sich in immer mehr ländliche Gegenden ein. Das Land hat das Problem erkannt und will nun mit Förderprogramm dagegen vorgehen.

Dorfladen Deersheim
Vielerorts sterben die kleinen Läden aus – den Wiederaufbau will das Land jetzt fördern. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt will künftig Dorfläden und Dorfgemeinschaftszentren fördern. Das hat Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann der Deutschen Presse-Agentur mitgeteilt. Demnach will die schwarz-rot-grüne Landesregierung mit einem neuen Programm gegen das Aussterben der Infrastruktur auf dem Land vorgehen.

Förderung und Kriterien noch in diesem Jahr

Für das Vorhaben habe die Landesregierung einen Fördertopf eingerichtet, so Lüddemann. Daraus sollen demnach noch in diesem Jahr 300.000 Euro in den Aufbau der Dorfläden und -zentren fließen. Im Folgejahr solle die Förderung dann deutlich erhöht werden.

Wie die Dorfzentren aussehen könnten, will die Landesregierung nicht vorschreiben. Möglich seien Dorfzentren, die als Laden, Post, Café und Treffpunkt in Einem fungieren. "Das kommt ganz darauf an, wofür sich die Menschen vor Ort begeistern", so Lüddemann. Projekte wie Garagen mit gemeinsam genutzten Elektroauto bis hin zu einer Arztpraxis, in der Ärzte Sprechstunden anbieten, seien denkbar. Die Kriterien sollen noch in diesem Jahr feststehen und ein Wettbewerb ausgerufen werden. Für die Umsetzung ist das Umweltministerium zuständig.

Cornelia Lüddemann, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalts
Bildrechte: dpa

Wir erhoffen uns, dass sich rund um solche Projekte die Dorfgemeinschaften, wie man sie von früher in Erinnerung hat, wieder entwickeln.

Cornelia Lüddemann, Grünen-Fraktionschefin

Deersheim als Vorzeigeprojekt

Wie ein Dorfgemeinschaftszentrum aussehen könnte, zeigt Deersheim im Landkreis Harz. Hier haben die Dorfbewohner entschieden, sich selbst um alltägliche Einkaufsmöglichkeiten zu kümmern. Seit Ende 2016 beherbergt dort eine umgebaute Scheune einen Einkaufsmarkt, ein Cafe und eine Nähstube. Aufgebaut wurde der Dorfladen mit Hilfe ehrenamtlicher Unterstützung.

Sie ist auch die Basis der Aufrechterhaltung der Dorfladen-Genossenschaft Deersheim. Viele der 800 Dorfbewohner helfen in ihrer Freizeit mit, um den Laden am Laufen zu halten, so Ortsbürgermeister Wolfgang Englert. Und die Genossenschaft zähle fast 150 Mitglieder. Das Konzept sei jedoch nur umsetzbar gewesen, weil Deersheim über ein Bundesprogramm 150.000 Euro Fördergeld bekommen habe, so Englert.

Deersheim: Der Eingang zum Dorfladen des Multifunktionalen Dorfzentrums.
Die Dorfladen-Genossenschaft Deersheim gilt als Musterbeispiel für die möglichen Dorfgemeinschaftszentren. Bildrechte: dpa

Nach der Planung der Grünen soll bereits im nächsten Jahr in jedem Landkreis ein solcher Dorfgemeinschaftsladen aufgebaut werden – mit Hilfe der Anschubfinanzierung. Wichtig sei, dass es dabei viel ehrenamtliches Engagement gibt, betonte Lüddemann.

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Quelle: MDR,dpa/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Februar 2019 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 16:06 Uhr

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8 Kommentare

13.02.2019 17:56 Mediator 8

Wenn man als Verbraucher irgendwann die für das eigene Überleben notwendige Infrastruktur zerschlagen hat, dann ist es zu spät zum Jammern und man muss viel Geld in die Hand nehmen um wieder etwas ähnliches aufzubauen.

So nachvollziehbar wie die Fahrt zum Discounter ist, so tödlich ist er doch für kleine Läden vor Ort. Nur von den Noteinkäufen kann keiner leben. Ähnliches lässt sich bei Versandapotheken beobachten. Ältere Menschen sind damit oftmals einfach überfordert und der Service lässt zu wünschen übrig.

Da lobe ich mir die Apotheke im Nachbarort, wo die Helferin zur Not auch mal ein dringend benötigtes Medikament direkt vorbei bringt. Wenn man alt und gebrechlich ist, dann ist es zu spät so einen Service mit treuer Kundschaft zu honorieren.

13.02.2019 11:44 H. 7

@frank d

Das ist totaler Quasch. Mit wechen "immer neuen Regeln" soll man denn die Tante-Emma-Läden in die Pleite getriebe haben? Das ist doch Humbug. Die relevanten Vorschriften sind seit der Wende kaum geändert worden. Das Sterben der kleinen Läden geht schlicht und ergreifend auf zwei Faktoren zurück, nämlich den Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum sowie die Konkurrenz durch günstigere Konkurrenz (Einkaufzentren, Discounter, Internethandel etc.).

13.02.2019 08:25 wwdd 6

Bei den notwendig höheren Preisen in den Dorfläden, lohnt sich das Einkaufen und die Extrafahrt im Discounter aus der Kreisstadt. Schließlich will man das preiswerte Haus nicht mit höheren Lebensmittelpreisen belasten. Und Hilfe für ältere und nicht so mobile Menschen, gibt es bei uns sowieso.