Ein Abellio-Zug an einem Bahnsteig.
Abellio kämpft weiterhin im Personalproblemen. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ausfälle und Verspätungen NASA: Abellio-Vertrag kündigen wäre Katastrophe für Zugfahrer

Die Privatbahn Abellio hat im Auftrag der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) im Dezember neue Strecken übernommen. Seitdem gibt es Zugausfälle und Schienenersatzverkehr. Doch die NASA will den Vertrag mit Abellio nicht kündigen. NASA-Sprecher Wolfgang Ball erklärt MDR SACHSEN-ANHALT, warum nicht und was die Personalnot für Fahrgäste bedeutet.

Ein Abellio-Zug an einem Bahnsteig.
Abellio kämpft weiterhin im Personalproblemen. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Warum hat Abellio den Auftrag für die ausgeschriebenen Zugstrecken erhalten?

Wolfgang Ball: Der Auftrag für das Dieselnetz Sachsen-Anhalt (DISA) wurde von der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) europaweit ausgeschrieben. Dann konnte sich jedes Unternehmen bewerben, das meinte, die Anforderungen erfüllen zu können. Zu unseren Vorgaben gehörten vor allem bestimmte Leistungen, also wie viele Züge am Tag in welchem Rhythmus in dem Netz fahren. Und auch, wie die Fahrzeuge ausgestattet sein sollen.

Die NASA prüft dann die eingegangenen Angebote. In erster Linie werden sie in einen Preis pro gefahrenen Kilometer umgerechnet. Es kostet etwa zehn Euro, einen Kilometer Zug zu fahren. Die Angebote unterscheiden sich nur um Nachkommastellen. Wir sind nach dem Vergabegesetz verpflichtet, dem preisgünstigsten Anbieter den Zuschlag zu geben. Das war Abellio. Und wir hatten keinen Grund, anzunehmen, dass Abellio unzuverlässig wäre. Im Süden Sachsen-Anhalts bedient Abellio das Netz seit drei Jahren zuverlässig, von normalen, wenigen Ausnahmen abgesehen.  

Zum oft geäußerten Vorwurf, dass wir Abellio ausgewählt haben, obwohl das Unternehmen zum Bewerbungszeitpunkt noch gar nicht ausreichend Personal hatte: Das ginge doch gar nicht. Nicht jedes Unternehmen, das sich bewirbt, kann bei der Bewerbung vorsorglich schon zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Was würde denn sonst aus den zusätzlich eingestellten Mitarbeitern von den Unternehmen, die den Zuschlag nicht bekommen?

Wie lief die Kommunikation zwischen Abellio und NASA nach der Auftragsvergabe?

Nach der Auftragsvergabe vor etwa drei Jahren hatten wir mit Abellio regelmäßige Treffen. Dabei war zum Beispiel die Fahrzeugbeschaffung zu klären. Das ist viel komplizierter als ein Autokauf, da Züge in deutlich geringerer Stückzahl hergestellt werden.

Ein weiterer Punkt war das Personal. Abellio hatte uns vorab signalisiert, dass es bei den Triebwagenführern zu Engpässen kommen könnte. Sie sprachen von etwa 15 fehlenden Mitarbeitern. Und da hat uns Abellio leider nicht von Anfang an reinen Wein eingeschenkt: Denn erst kurz vor Anlauf des neuen Fahrplans und mit den ersten Problemen stellte sich heraus, dass 40 Triebwagenführer fehlen. Bei den Kundenbetreuern fehlen sogar noch etwas mehr. Aber das ist im schlimmsten Fall zu verschmerzen. Denn ein Zug kann auch ohne fahren – obwohl das für die Fahrgäste nicht schön ist.

Die Situation auf den Strecken nach Wolfsburg hat sich im Moment stabilisiert. Der Preis dafür ist, dass bei der Unstrutbahn zwischen Naumburg Ost und Wangen noch bis zum 3. März Schienenersatzverkehr (SEV) fährt. Auch auf der Verbindung Dessau – Köthen werden derzeit am späten Abend zwei Züge durch Busse ersetzt.

Weil es ab dem 14. Januar in Kleinjena eine Baustelle auf der B180 geben wird, fährt ab dem Datum außerdem zwischen Naumburg, Roßbach und Kleinjena ein Großraumtaxi. Ein Bus fährt weiterhin von Naumburg nach Wangen, lässt aber die Halte Naumburg-Roßbach und Kleinjena aus.

Laut Abellio wird wohl noch bis Jahresende Personal fehlen. Was erwartet Zugfahrer ab dem 4. März?

Wolfgang Ball, Pressesprecher Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH
Wolfgang Ball, Pressesprecher der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH, kurz NASA. (Archivbild) Bildrechte: NASA GmbH

Im Idealfall wäre das Personal dann da. Wir planen mit Abellio gerade, was passieren soll, wenn das nicht eintritt. Für uns ist Verlässlichkeit am wichtigsten. SEV ist zwar nicht schön. Aber besser, ein Bus fährt nach Plan, als dass jedes Mal unsicher ist, ob der Zug nun kommt oder nicht.

Derzeit wird geprüft, auf welchen Strecken möglichst wenige Fahrgäste betroffen wären. Dort könnte ab März SEV eingesetzt werden. Aber da warten wir noch ab, ob das nötig wird. Wann genau wir diese Info haben, wissen wir noch nicht. Die Fahrgäste sollen aber nicht erst am Tag vorher über mögliche Änderungen informiert werden.

Aber die Strecke zwischen Naumburg und Wangen soll ab März wieder mit Zügen befahren werden. SEV mit Bussen wollen wir vermeiden. Denn es handelt sich um eine touristisch starke Strecke, auf der viele Ausflügler ihr Fahrrad mitnehmen. Das ist im Bus schwierig.

Es besteht die Möglichkeit, dass Subdienstleister, also andere Bahnunternehmen wie zum Beispiel DB Regio, für Abellio einspringen und Fahrten durchführen. Da ist Abellio mit der DB auch schon im Gespräch.

Im vergangenen Monat hat Abellio von der NASA wegen nicht erbrachter Leistungen etwa 250.000 Euro weniger erhalten. Was wären weitere Sanktionsmöglichkeiten?

Abgesehen von weniger Geld gibt es die Möglichkeit der Abmahnung. Und die der Vertragskündigung. Aber da wägen wir sehr sorgfältig ab. Eine Kündigung wäre für die Fahrgäste eine Katastrophe. Denn dann fährt erstmal gar nichts mehr. So schnell würde kein anderes Unternehmen zur Verfügung stehen. Und es wäre deutlich teurer, einen anderen Anbieter zu beschäftigen. Die Leistungen müssten extra eingekauft werden und es gibt dafür noch keinen ausgehandelten Vertragspreis.

Die Ausfälle und Verspätungen haben dem Image des Zugverkehrs in Sachsen-Anhalt geschadet. Was ist geplant, damit Bahnfahrer nicht aufs Auto umsteigen?

Leider wird es nicht zu 100 Prozent gelingen, alle Fahrgäste zu halten, die enttäuscht wurden. Das zeigt die Erfahrung. Einige werden aufs eigene Auto oder Fahrgemeinschaften umsteigen. Das tut weh, denn die Fahrgäste sind schwer zurückzukriegen. Es werden im Moment konkrete Marketing-Maßnahmen geplant, als entschuldigende Worte und Gesten an treue Fahrgäste. Die Umsetzung liegt aber bei der Geschäftsführung von Abellio.

Die Fragen stellte Maria Hendrischke.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2019, 08:45 Uhr

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24 Kommentare

14.01.2019 10:33 Pendler 24

Nehmen sie bitte dem gesamten Vorstand und den beteiligten Mitarbeitern der NASA, sowie den verantwortlichen Politikern die Dienstwagen und die Firmenparkplätze weg!

Es gibt Menschen die sind auf öffentliche Transportmittel angewiesen. Da ist es nicht schade sondern ein echtes Problem, wenn die Züge nicht oder nicht zuverlässig fahren.

Danke!

14.01.2019 00:42 Leopold Breuer 23

Selbst wenn es deutlich teurer wird, sollte man sich ernsthaft überlegen, eine NEuausschreibung durchzuführen und hier eine Zuverlässigkeitsgarantie zu fordern. Es sollte nicht nur kein Geld für nicht erbrachte Leistungen geben, sondern auch saftige Geldstrafen, sodass man als Unternehmen etwas bezahlen muss, wenn der Zug ausfällt-

13.01.2019 22:40 Nordharzer 22

@21, das war bei HEX auch nicht anders.