Erneuerbare Energien Streit um Windräder: 1.000 Meter Abstand, höhere Preise und das hippe Berlin

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will, dass künftig 1.000 Meter Abstand zwischen Windrädern und Siedlungen liegen. Damit bliebe jedoch kaum noch Platz für neue Windräder. Der Wittenberger Bundestagsabgeordnete unterstützt den Plan – Sachsen-Anhalts Umweltministerin nicht.

Windräder auf einer bewaldeten Anhöhe
Ein Kilometer Abstand soll zwischen einem Windrad und einer Wohnsiedlung liegen – so der Plan von Bundeswirtschaftsminister Altmaier. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Zwischen Windrädern und Wohnanlagen sollen künftig 1.000 Meter Abstand liegen. Zumindest sehen das die Pläne von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vor. Der Wittenberger Bundestagsabgeordnete Sepp Müller (CDU) unterstützt das Vorhaben. Er nennt die geplante Abstandsregel einen Kompromiss: 1.000 Meter Abstand zwischen den Anlagen und Wohnsiedlungen seien gut vertretbar, sagte er MDR SACHSEN-ANHALT.

Abstand zwischen Windrädern und Wohnhäusern

Die Pläne von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sehen vor, dass zukünftig Windräder mindestens 1.000 Meter von der nächsten Siedlung entfernt sein müssen. Die Regel soll schon dann greifen, wenn fünf Wohnhäuser zusammenstehen.

Quelle: Tagesschau

Abstandsregel für Umweltministerin keine Lösung

Claudia Dalbert
Umweltministerin Claudia Dalbert Bildrechte: Rainer Kurzeder

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) will diesen Kompromiss jedoch nicht eingehen. Man werde die 1.000 Meter-Regel nicht anwenden, sagte Dalbert im rbb. Das Land werde entsprechende Ausnahmeregelungen nutzen. Die Bundesländer und Kommunen sollen die Möglichkeit bekommen, die Abstände reduzieren zu können. "Die Landesregierung hat sich so verständigt, dass wir das auf jeden Fall tun werden." Gleichzeitig betont sie, dass solch eine Ausstiegsklausel, also die Ausnahmeregelungen, "ein Beschäftigungsprogramm für die Parlamente" sei.

"Hippes Berlin" soll vorangehen

Müller sieht das anders, er will keine Ausnahmen. Er fordert, dass andere Bundesländer wie Berlin oder Baden-Württemberg beim Ausbau der erneuerbaren Energie vorangehen und nicht auf Länder wie Sachsen-Anhalt zeigen sollten. "Wenn man im grünen, hippen Berlin leben möchte, dann würde ich empfehlen, auch im Tiergarten eine Windkraftanlage hinzustellen."

Im Stadtstaat Berlin standen im vergangenen Jahr fünf Windräder, im Flächenland Sachsen-Anhalt fast 3.000.

Geld für Kohleausstieg, aber nicht für Zukunftsbranche

Claudia Kemfert ist Wissenschaftlerin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Abstandsregelung brauche man nicht. Laut Kemfert besteht vielmehr eine Diskrepanz zwischen der Förderung des Kohleausstiegs und der Energiewende. "Der Kohleenergie vergoldet man jetzt den Ausstieg mit zig Milliarden, das ist auch gut für den Strukturwandel. Aber der Zukunftsbranche dreht man den Hahn ab." Das passe nicht zusammen.

Vielmehr müsse Bürgerbeteiligung ermöglicht oder Kommunen finanziell beteiligt werden, sagt Kemfert. Das erhöhe auch die Akzeptanz in der Bevölkerung. "Anstelle jetzt wieder Abstandsregelungen einzuführen, wo man noch mehr Hemmnisse baut, sollte man lieber Brücken bauen. Und das tut die Regierung leider nicht."

Höhere Energiepreise, geringe Akzeptanz in Bevökerung

Wurde der Windenergie-Branche also durch die Bundesregierung der Wind aus den Segeln genommen? Nein, sagt Abgeordneter Müller. Man könne auf der einen Seite nicht die Braunkohle verteufeln, obwohl sie marktkonforme Energiepreise produziere und andererseits Modellen hinterherlaufen, die Marktpreise festsetzten. "Wir sehen in der Photovoltaik und jetzt in der Windkraft, dass diese Preise fernab vom Markt waren."

Am Ende zahle das der Verbraucher, sagt Müller. Bei Energiepreisen, die auf Grund der Energiewende um ein Drittel höher ausfielen, sei die Akzeptanz des Verbrauchers am Ende. "Und diese Akzeptanz haben wir jetzt mit der 1.000-Meter-Abstands-Regelung hingekriegt." Auch wenn zumindest bei Umweltministerin Dalbert der Vorschlag bekanntermaßen nicht auf Akzeptanz stößt – und der Gesetzesentwurf auch noch nicht beschlossen wurde.

Montagabend Thema bei "FAKT IST!"

Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: "FAKT IST!" | 25. November 2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2019, 09:09 Uhr

12 Kommentare

Reiner Zimmermann vor 18 Wochen

Danke für den Hinweis. Eine tatsächlich lesenswerte Gegenposition. Sie lässt allerdings zumindest meine auch hier geschriebenen Einwände aus. Die betroffenen Menschen (im Sendegebiet aus Sachsen- Anhalt) leisten einen erheblichen Anteil an der Energiewende. WIR haben diese Energiewende bereits vollzogen. Es gibt nun in Deutschland noch viel mehr ländliche Gebiete, insbesondere in Bundesländern mit klar ökologisch geprägten Regierungen. DORT ist es jetzt an der Zeit, aus Geschwätz Taten zu machen. Was die städtischen Bedürfnisse betrifft, so habe ich von dort noch nicht von zusammenbrechenden Immobilienpreisen, abgeschafften Nahverkehr, täglichen Schulwegen von 2 Stunden usw. gehört. Wie ein Stadt-Landkonflikt wirklich aussieht, können wir gerade in den USA beobachten. Ich brauche sowas nicht. Das ist meine Motivation, hier gehört zu werden. Wenn Windräder soviel weniger belastend sind, als Straßen und Einkaufscenter, dann sollten sie auch in Städten gebaut werden.

Bernd_wb vor 18 Wochen

Ja irgendwie scheinen die Grünen das Land nicht zu mögen. Ich mag es noch einsehen dass die ländliche Fläche für Windräder besser geeignet ist (und ich sehe deren Lichter nur im Winter), aber hinzu kommt, wer auf dem Land wohnt braucht zum Einkauf, Arztbesuch... das Auto trägt also die CO2 Steuer ohne Alternative

MDR-Team vor 18 Wochen

Lieber Frank,
das klingt echt spannend! Die Nordsee gehört nur leider nicht zu unserem regionalen Bereich. Wende dich da am besten an den NDR, die Kollegen freuen sich bestimmt von dir zu hören.

Mehr aus Sachsen-Anhalt