Einschätzung Naheliegend, aber überraschend: Stahlknecht will Büroleiterin zur Staatssekretärin machen

Sachsen-Anhalt soll nach Wochen eine neue Staatssekretärin im Innenministerium bekommen. Innenminister Stahlknecht hat sich für seine bisherige Büroleiterin Anne Poggemann entschieden – und geht damit einen ganz anderen Weg als noch vor wenigen Monaten. Das musste er auch, um bei seinen Parteifreunden nicht noch mehr Vertrauen zu verspielen. Eine Einschätzung.

Luca Deutschländer
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von Luca Deutschländer, MDR SACHSEN-ANHALT

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht
Innenminister Holger Stahlknecht will seine bisherige Büroleiterin Anne Poggemann zur Staatssekretärin machen. Bildrechte: MDR/Collage/Florian Leue/dpa

Es soll also die kleine Lösung werden. Innenminister Holger Stahlknecht will seine Büroleiterin Anne Poggemann zur neuen Staatssekretärin im Innenministerium machen. Viele werden sich fragen: Wer ist diese Frau? Das soll nicht despektierlich gemeint sein. Man darf nur nicht vergessen, dass der Karrieresprung von der Büroleiterin zur Staatssekretärin groß ist – und dazu nicht gerade üblich.

Dennoch: Die Entscheidung ist nach der verpatzten Ernennung von Polizeigewerkschafter Rainer Wendt sinnvoll. Manch ein Beobachter hatte nach der desaströsen Affäre um Rainer Wendt geunkt, als nächstes schlage Stahlknecht sicher Hans-Georg Maaßen als künftigen Staatssekretär vor. Der nächste Hardliner für das Amt komme ganz sicher, hieß es damals scherzhaft. Stahlknecht hat das nicht getan – und sich nach langem Suchen stattdessen für eine Lösung entschieden, die naheliegend und überraschend zugleich ist.

Fachlich auf einer Wellenlänge

Sachsen-Anhalts neue Innenstaatssekretärin Anne Poggemann posiert in der Staatskanzlei in Magdeburg.
Anne Poggemann Bildrechte: dpa

Anne Poggemann ist 44 Jahre jung und arbeitet bislang als Büroleiterin von Holger Stahlknecht. Beide kennen sich also, vertrauen einander. Das ist unabdingbar für einen der wichtigsten Jobs in einem Ministerium. Dazu kommt: Poggemann ist wie Stahlknecht Juristin, Staatssekretär und Minister sind künftig also auch fachlich auf einer Wellenlänge. Wäre der Polizist Rainer Wendt Staatssekretär geworden, hätte man dies nicht behaupten können. Anne Poggemann ist aber nicht nur Büroleiterin von Stahlknecht. Sie leitet auch den Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristin (LACDJ) in Sachsen-Anhalt. Der Arbeitskreis lädt regelmäßig zu Diskussionsrunden über Rechtspolitik ein. Poggemann steckt also im Thema.

Stahlknecht hat aus der Causa Wendt gelernt

Rainer Wendt
Die Berufung von Wendt zum Staatssekrtär hat die Koalition kurzzeitig ins Wanken gebracht. Bildrechte: imago images/Christian Ditsch

Was man schon jetzt feststellen kann: Holger Stahlknecht hat aus der verpatzten Ernennung von Rainer Wendt gelernt. Er hat einen anderen Weg gewählt als im November, um seine Kandidatin vorzustellen. Am Montag hat der 55-Jährige seine Entscheidung der CDU-Fraktion mitgeteilt. Erst dann gelangten seine Pläne über die "Mitteldeutsche Zeitung" an die Öffentlichkeit.

In der Causa Wendt war das ganz anders gelaufen. Selbst hochrangige CDUler erfuhren damals während einer Debatte im Landtag per Pressemitteilung von den Plänen Stahlknechts, dem Vernehmen nach hatte der Innenminister und CDU-Parteichef nur Ministerpräsident Reiner Haseloff vorab eingeweiht. Es lag auch an diesem Vorgehen, dass Stahlknecht die Causa Wendt politisch nur sehr knapp überlebt hat. Stahlknecht musste nun also anders vorgehen, um bei seinen Parteifreunden nicht noch weiteres Vertrauen zu verspielen.

Wahl kommt in Fraktion offenbar gut an

Tamara Zieschang
Die ehemalige Staatssekretärin für Inneres, Tamara Zieschang, wechselte nach Berlin ins Bundesverkehrsministerium. Bildrechte: Tamara Zieschang

Dass dieses Mal alles anders gelaufen ist, kommt auch in der CDU-Fraktion gut an. Und das gilt offenbar auch für die Wahl, die Stahlknecht getroffen hat. Anne Poggemann sei der Fraktion gut bekannt, teilte eine Sprecherin MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstagmorgen mit. Als langjährige Referentin der Fraktion in den Bereichen Inneres und Recht habe sie hervorragende Arbeit geleistet, lobt die Fraktion.

Was außerdem niemand vergessen darf: Mit Anne Poggemann soll wieder eine Frau Staatssekretärin im Innenministerium werden und Tamara Zieschang nachfolgen. In der CDU ist das nicht selbstverständlich. Auch deshalb ist die geplante Ernennung von Poggemann eine sinnvolle Entscheidung.

Luca Deutschländer
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Über den Autor     Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online-Redaktion und im Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg. In seiner Freizeit steht er mit Leidenschaft auf der Theaterbühne.

Quelle: MDR/ld,ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2020, 15:16 Uhr

24 Kommentare

Rotti vor 1 Wochen

Holger Stahlknecht hat hier die Entscheidung getroffen und er wird sie auch verantworten. Auffällig ist, dass sich offenbar kein geeigneter Kandidat mit einer echten DDR - Biographie finden ließ. (Setzt natürlich voraus, dass man ihn auch gesucht hat.)
Aber Holger Stahlknecht kann sich nun wieder auf sein Amt als Innenminister konzentrieren und er hat nun auch Luft für die CDU.
Seine neue Staatssekretärin wird sicherlich auch sehr engagiert sein in der CDU, denn die fähigsten machen bestimmt auch die meiste Arbeit?

MDR-Team vor 1 Wochen

Wir haben auf Ihren Kommentar geantwortet und ihn auch nicht gelöscht. Die Antwort aber nochmal in Kurzfassung: Ihre Unterscheidung zwischen Kommentar und Meldung war korrekt und ihre Nachfrage wichtig.
Der erste Teil unserer Antwort (dass es sich hierbei um einen nachrichtlichen Artikel handelt), bezog sich auf den Artikel, unter den Sie kommentiert hatten. Dieser war nur die Meldung, dass Stahlknecht Poggemann vorgeschlagen hat. Der Artikel, unter den Sie jetzt kommentiert haben, ist ein Kommentar, der (wie oben bereits erwähnt) eben subjektiv eingefärbt ist. Das ist auch im Artikel als "Einschätzung" gekennzeichnet.

Rotti vor 1 Wochen

Hoffentlich hängt die dann auch die Plakate für die CDU auf? Und macht Wahlkampf?
@Der Matthias
Bei Deutschen / an Deutschen gibt es keinen Rassismus. Stichwort "Köterrasse"

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