Stühle stehen auf einer Schulbank in einem leeren Klassenraum.
Bildrechte: dpa

Anreize gegen Lehrermangel Mehr Geld lockt Nachwuchslehrer aufs Land

Gerade auf dem Land haben Schulen Probleme, Lehrer zu gewinnen. Zulagen für Nachwuchslehrer sollen das Problem lösen. 40 Stellen wurden 2018 so besetzt – Bildungsminister Marco Tullner will weiter auf finanzielle Anreize setzen.

Stühle stehen auf einer Schulbank in einem leeren Klassenraum.
Bildrechte: dpa

Trotz mehrerer Auschreibungsrunden: An vielen Schulen in Sachsen-Anhalt, gerade auf dem Land, bewerben sich kaum Lehrer. 80 Posten seien immer wieder leer geblieben – erst durch finanzielle Zulagen seien knapp die Hälfte der Stellen besetzt worden, erklärte Bildungsminister Marco Tullner (CDU).

Tullner sagte MDR SACHSEN-ANHALT, mit den Zulagen werde an Schulen gearbeitet, an denen sich auch nach zwei Bewerbungsrunden keine Interessenten gemeldet hatten. Er kündigte an, auch weiterhin auf finanzielle Anreize setzen zu wollen – trotz Kritik: "Das ist ein Versuch, der den etablierten Lehrern natürlich nicht gefällt, weil die sagen: Warum kriegen wir jetzt weniger als die jungen Leute, die kommen? Aber wir müssen es schaffen, junge Leute in den ländlichen Raum zu bekommen."

Bildungsminister Tullner sitzt in einem Büro
Bildungsminister Marco Tullner (CDU) geht davon aus, dass der Wettbewerb um Lehrkräfte noch härter wird. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weitere Anreize könnten in Zusammenarbeit mit Kommunen geschaffen werden: Arbeitsplatz-Vermittlung für Partner, Betreuungsangebote für Kinder von Interessenten, Hilfe bei der Wohnungssuche. Ein Vorbild sei Gardelegen, so der Bildungsminister. Die Stadt in der Altmark hatte dieses Jahr erstmals Stipendien an drei Studenten vergeben. Im Gegenzug verpflichteten sich die Empfänger, sich nach ihrem Abschluss für ein Referendariat in Gardelegen zu bewerben.

Mehr Referendariatsplätze

Ein weiteres Problem bei der Lehrerausbildung waren in der Vergangenheit fehlende Plätze für Referendare. "In den letzten Jahren war das eher ein Flaschenhals", sagte Tullner MDR SACHSEN-ANHALT. Inzwischen sei die Kapazität deutlich aufgestockt worden.

Der Lehrermangel dürfte trotz dieser Maßnahmen ein Problem bleiben: Sachsen-Anhalt hatte bisher anders als die Nachbarbundesländer Sachsen und Thüringen Lehrer verbeamtet. 2019 führt auch Sachsen Verbeamtungen ein. Der Bildungsminister geht davon aus, dass der Wettbewerb um die Lehrkräfte damit noch etwas härter werden wird.

Quelle: MDR/dpa/rj

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 28. Dezember 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Dezember 2018, 16:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

29.12.2018 20:29 Schulleiter 5

Ich bin der Meinung, dass dieses Problem über einen finanziellen Anreiz nicht zu lösen ist. Ich durfte zu Beginn des Schuljahres eine neue, junge Lehrerin in meinem Team begrüßen. Als sie mich einige Tage später nach dem WLAN-Schlüssel für die Schule fragte, konnte ich nur müde lächeln. Sie wollte mit ihrem eigenen Laptop in der Schule arbeiten. Leider geht das nicht, der Schulträger möchte das nicht (Grundschule). Und genau das ist hier das Problem: Wir können unseren Lehrer einfach keine professionellen Arbeitsbedingungen anbieten. In unserer Schule können meine Lehrer keine Dokumentationen, Zeugnisse, Elternbriefe o.ä. digital schreiben und selber ausdrucken. Wir haben in der Schule einfach noch immer nicht die technischen Voraussetzungen dafür. Und das im Jahr 2018!
Also liebe Ministerpräsidenten und Kultus- bzw. Bildungsminister: Der Digitalpakt muss kommen. JETZT! Alle Schulen sollten nun so schnell wie möglich modernisiert werden, damit unsere Lehrer zeitgemäß arbeiten können.

29.12.2018 19:58 Generation 55+ 4

über Geld spricht frau nicht - ist Kündigungsgrund damit keine Neiddiskussionen wie hier bei den klugscheißenden Kommentaren entsteht oder werden die Lehrergehälter offen ausgehängt. meine Lehrer 1961 hatten alle 2-4 Fächer, meist Rechnen und Sport, Physik und Astro Lesen und Schreiben mit Geschichte. War andere Zeit, da ging es nur ums Geld, da wurde viel in Freizeit umsonst gemacht

29.12.2018 18:13 maheba 3

Das läßt sich nur schwer vergleichen. An den betreffenden Schulen sind die Lehrer aber ihrer Qualifizierung und Erfahrung gleich eingestuft, nur der letzte Eingestellte bekommt dann mehr als der Rest.
Würde mir aufstoßen.