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Etwa acht Prozent der Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt hatten 2017 einen befristeten Arbeitsvertrag. Bildrechte: imago/Hermann J. Knippertz

Arbeitsmarkt So viele Menschen in Sachsen-Anhalt haben befristete Jobs

Deutschlandweit lag die Zahl der befristet Beschäftigten 2017 auf einem Rekordhoch. Auch in Sachsen-Anhalt sind acht Prozent der Arbeitnehmer nur auf Zeit angestellt. Doch das hat auch gute Seiten.

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Etwa acht Prozent der Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt hatten 2017 einen befristeten Arbeitsvertrag. Bildrechte: imago/Hermann J. Knippertz

Deutschlandweit ist die Zahl der befristet Beschäftigen seit 1998 von etwa 1,7 Millionen Personen auf rund 3,2 Millionen im vergangenen Jahr angestiegen – ein Rekord. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor.

In Sachsen-Anhalt sieht die Entwicklung anders aus: 1998 waren etwa 81.000 Personen befristet eingestellt. Im vergangenen Jahr waren es etwa 71.000 Personen, also gut 10.000 weniger. Seit 1998 schwankte die Zahl der befristeten Arbeitsstellen stets zwischen 60.000 und 80.000.

Mehr Jobs = mehr befristete Jobs

In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der befristeten Jobs in den vergangenen zwei Jahren im Vergleich zu den Vorjahren etwas angestiegen. Der Grund für diesen Anstieg sei eigentlich ein positiver, erklärte Andreas Knabe, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Uni Magdeburg, MDR SACHSEN-ANHALT: Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse insgesamt sei ebenfalls gestiegen. Es würden also mehr Menschen eingestellt – aber eben auch mehr nur befristet.

Oder zumindest vorerst befristet. Denn positiv entwickelt hat sich auch der Anteil derer, die aus einem befristeten Arbeitsverhältnis in ein unbefristetes übernommen wurden. Fast die Hälfte der befristet Beschäftigten, genauer 46 Prozent, wurden 2017 in unbefristete Verträge übernommen – 2009 war es gerade einmal jeder Dritte (32 Prozent).

Befristungen in saisonalen Jobs

Häufig gibt es Befristungen laut Knabe beispielsweise in Branchen, die von der Saison abhängen, wie etwa in der Gastronomie. Ein anderes Beispiel seien Jobs im Sozialwesen, die oft von Mitteln aus Förderprogrammen abhängig seien. Diese öffentlichen Mittel wiederum stünden nur befristet zur Verfügung. Ähnlich sei es bei Qualifikationsstellen in der Wissenschaft, also bei wissenschaftlichen Mitarbeitern, oder im Bildungswesen.

Dass es viele befristet Beschäftigte gebe, liege sicher auch daran, dass Unternehmen überhaupt rechtlich befristet einstellen können, sagte Knabe. Von außen sei schwer zu beurteilen, ob ein Unternehmen einen befristet eingestellten Mitarbeiter theoretisch auch unbefristet beschäftigen könnte.

Mehr Jobs – oder mehr sichere Jobs?

Ein Vorteil an Befristungen sei, dass Betriebe dadurch flexibler würden. Sie könnten auch Personen einstellen, von denen sie noch nicht wüssten, ob sie sie langfristig brauchten, erklärte Knabe. Das bedeutet: Durch Befristungen haben mehr Personen eine Arbeit.

Die Gesellschaft müsse entscheiden, was sie wolle: Dass die Menschen, die einen Job haben, einen sicheren Job haben, auch wenn dadurch weniger Personen insgesamt eine Arbeit haben. "Oder wir akzeptieren ein gewisses Maß an Unsicherheit, wenn damit insgesamt die Beschäftigung höher ist", so Knabe.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. November 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2018, 17:05 Uhr

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7 Kommentare

19.12.2018 13:54 Karl 7

und bei solche Zustände will man noch mehr neue Facharbeiter s. 2015 reinnehmen denken die dort oben wir sind alle bescheuert die sollen erstmals unseeren Bürger eine ordentl. bezahlbare Arbeit geben eh andere dran kommen aber das ist denen scheiß egal die haben ja ihre tausende im Monat.

18.12.2018 15:47 humantom 6

Hört auf mit dem Schulterklopfen. Eure Statistik hinkt.
Wie viel befristete Stellen davon sind im öffentlichen Dienst? Und das mehrfach hintereinander. Die meisten Befristungen entstehen durch den Abgang der Kollegen in den Ruhestand oder in den Ruhestand durch plötzliche schwere Erkrankung. Sachsen-Anhalt ist und bleibt das Armenhaus. Fragt die Einzelhändler, aber nicht zu Weihnachten. Fragt mal im Mai. Hier in Sachsen- Anhalt ist nicht der Geiz geil, sondern überhaupt einen einträglichen Job zu bekommen. Unsere Kinder ziehen in den Westen freiwillig. wenn man Sie fragt warum, weil sie hier keine Chance bekommen. Es ist erstaunlich wenn ich bei meinen Kindern in Hessen bin lerne ich immer mehr Leute aus Sachsen-Anhalt kennen. Ebenso mein Schwager in NRW und der in Bayern. Und unsere Landesregierung bekommt es nicht gebacken. Millionen für einen Feldhamster oder für die Transitstrecke durch Sachsen-Anhalt. Aber Geld für Kita, Lehrer, Justiz und Krankenhäuser sind nicht vorhanden.

18.12.2018 12:34 Wo ist das Lobbyregister? 5

@18.12.2018 08:57 Pittiplatsch, der Liebe

("Oder wir akzeptieren ein gewisses Maß an Unsicherheit, wenn damit insgesamt die Beschäftigung höher ist". So können nur Beamte argumentieren, die bis an ihr Lebensende, samt Pension, abgsichert sind. Hier eben liegt der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.)

Schon das "wir" ist kalkuliert gelogen. Das Geschwätz ist die blanke Verhöhnung des Souveräns und die übliche neoliberale Rechtfertigung von Ausbeutung und Destruktion des Gemeininteresses - ohne jegliche Kritik vorgetragen und präsentiert von einem Medium, dass von den Betroffenen dieser Politik auch noch selbst bezahlt werden muss. Schöner kann man die deutschen Zustände und den hohnlächelnden Zynismus der Profiteure dieser Lage garnicht illustrieren. Fehlt nur noch eine Apologie der Cum-Ex-Geschäfte als gemeinnützig, dann ist das Bild rund.