Integration Beratungsstelle in Magdeburg will Migrantinnen Berufseinstieg erleichtern

Nur etwa zehn Prozent der nach Sachsen-Anhalt geflüchteten Frauen haben eine Arbeit, die über einen Minijob hinausgeht. Die neue Fachstelle "Blickpunkt: Migrantinnen" in Magdeburg will darum speziell geflüchtete und auch zugewanderte Mädchen und Frauen beim Einstieg in einen Job unterstützen.

Junge Medizinisch-technische Assistentin mit Kopftuch arbeitet an einem Computer.
Eine neue Beratungsstelle in Magdeburg will Migrantinnen helfen, eine Arbeitsstelle zu finden. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Eine neue Fach- und Servicestelle in Magdeburg will geflüchtete und zugewanderte Frauen und Mädchen beim Berufseinstieg unterstützen. Die Stelle "Blickpunkt: Migrantinnen" ist seit Anfang des Jahres im Interkulturellen Beratungs- und Begegnungszentrum der Caritas in Magdeburg-Buckau untergebracht. Sie bietet Migrantinnen, die eine Arbeit finden wollen, Beratungsgespräche an.

Dabei sollen laut Projektleiterin Jennifer Heinrich zunächst die bisherige Ausbildung der Frau und ihre Jobziele erfragt werden. Die Beraterinnen sollen dann die Frauen je nach individuellem Bedarf in schon vorhandene und flexible Angebote wie etwa Deutschkurse oder Coaching-Maßnahmen vermitteln. Außerdem sollen Hinweise zu Kinderbetreuungsangeboten gegeben werden.

Ziel der Fachstelle ist Heinrich zufolge, in den zweieinhalb Jahren Projektlaufzeit 2.500 Beratungsgespräche zu führen und 200 Frauen in Weiterbildungsmodule des Partners Europäisches Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft (EBG) zu vermitteln. 100 sollen diese erfolgreich abschließen. In Sachsen-Anhalt leben etwa 44.000 Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit.  

90 Prozent der geflüchteten Frauen wollen arbeiten

Vorstellung der neuen Beratungsstelle Blickpunkt: Migrantinnen für den erleichterten Berufseinstieg für Migrantinnen der Caritas
Die Fachstelle ist am Mittwoch mit Integrationsbeauftragter Susi Möbbeck (2.v.r.) vorgestellt worden. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Die Integrationsbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt, Susi Möbbeck, sagte am Mittwoch bei der Vorstellung des Projekts, dass eine Arbeit der "Schlüssel gesellschaftlicher Teilhabe" sei. Etwa 90 Prozent der geflüchteten Frauen in Sachsen-Anhalt haben bei einer nicht repräsentativen Umfrage der Servicestelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen angegeben, arbeiten zu wollen.

Dass aber bislang nur zehn Prozent der geflüchteten Frauen in Sachsen-Anhalt einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgingen, zeige, dass es für sie beim Berufszugang Barrieren gebe, so Möbbeck. Darum fördere die neue Stelle speziell Migrantinnen.

Barrieren beim Berufseinstieg: Sprachkenntnisse und Kinderbetreuung

Eine Broschüre der Caritas Magdeburg zur Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen in Sachsen-Anhalt
Die Ergebnisse einer Befragung von Migrantinnen in Sachsen-Anhalt hat die Caritas in einer Broschüre zusammengetragen. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Die Vorstellung "Geflüchtete Frauen dürfen nicht arbeiten gehen" sei falsch, sagte Möbbeck. Die Gruppe der geflüchteten oder zugewanderten Mädchen und Frauen sei sehr gemischt. Einige seien hochqualifiziert, andere dagegen könnten nicht lesen und schreiben.

Warum Migrantinnen der Berufseinstieg nicht gelingt, hat also viele verschiedene Gründe. Was die Frauen tatsächlich am Berufseinstieg hindert, hat die Servicestelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen erhoben. Die befragten Frauen nannten als häufigste Gründe noch fehlende Sprachkenntnisse, keine Arbeitserlaubnis oder aber Kinder, die von ihnen betreut werden.  

Eine Million Euro Fördermittel

Zunächst soll es in Sachsen-Anhalt lediglich eine Beratungsstelle in Magdeburg geben. Später soll eine Stelle in Halle und dann eventuell auch im ländlichen Raum hinzukommen. Neben den Beratungsgesprächen soll die Fachstelle außerdem gemeinsam mit dem Projektpartner Minor Daten zu Migrantinnen erheben.

Für das Projekt steht etwa eine Million Euro für die nächsten zweieinhalb Jahre bereit. Das Geld kommt überwiegend aus EU- sowie aus Landesmitteln.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 22. Januar 2020 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2020, 18:21 Uhr

12 Kommentare

Wenzel vor 3 Wochen

Wie viele Frauen haben nach dem Projekt dann eine Arbeit? Keine?
Auf der Suche nach einem sozialversicherungspflichtigen!!! Job für meine ausländische Nachbarin haben wir so einiges erlebt.
1. Hürde: Finde über das Kitaplatz-Portal je einen Platz für 2 Kinder in einer Einrichtung! Unmöglich. Also rumtelefonieren, bis man eine nette KITA-Leiterin trifft, die am anderen Ende der Stadt 2 Plätze frei hat.
2. Hürde: Verstehe das Jobcenter! 5 Anrufe bei der Hotline-5 falsche Auskünfte, Sachbearbeiter ist nicht im Büro, weil im Haus umgezogen, was nicht auf der Einladung steht, kennt die Gesetze nicht, behandelt die Uniabsolventin wie dumm u.v.a.m.
3. Hürde: Finde einen Job! Keine Reaktion auf Bewerbungen, bei Nachfrage: Wir arbeiten hier auf das Tausendstel genau ... Anderer Arbeigeber: Sie sprechen sehr gut Deutsch. Wir können auch Englisch reden. Wann wollen Sie anfangen? Sofort. Super!
Die sozialversicherungspflichtigen??? Jobs der EBG-Mitarbeiter sind dann aber schon mal gesichert?

Fakt vor 3 Wochen

Da muss ich Ihnen ausnahmsweise einmal zustimmen:
Während das Kreuz ein eindeutig religiöses Symbol ist, ist es das Kopftuch nicht! Das wird auch teilweise von älteren Frauen getragen; die englische Queen zum Beispiel trägt es oftmals auch.

Fakt vor 3 Wochen

Folglich hat jede Frau, die eine Kette mit einem Kreuz als Anhänger trägt, bei Ihnen weder als Mitarbeiterin noch als Kundin eine Chance, stimmt´s? Oder war es doch eher ein Versuch, Fremdenfeindlichkeit durch die Blume nach aussen zu kehren?

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