Ein Handwerker schneidet Fliesen
Alle zwei Wochen sollen Schüler die Gelegenheit haben, in einem Betrieb mitzuarbeiten. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Berufsorientierung Sachsen-Anhalt will Praxistage für Schüler

Sachsen-Anhalt will Schüler an Sekundar- und Gemeinschaftschulen bei der Berufsorientierung mit sogenannten Praxislerntagen unterstützen. Alle zwei Wochen sollen Acht- und Neuntklässler in Betriebe reinschnuppern können.

Ein Handwerker schneidet Fliesen
Alle zwei Wochen sollen Schüler die Gelegenheit haben, in einem Betrieb mitzuarbeiten. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Für Schüler in Sachsen-Anhalt sind Praxislerntage in Betrieben geplant. Nach Angaben des Bildungsministeriums in Magdeburg sollen Acht- und Neuntklässler an Sekundar- und Gemeinschaftschulen dadurch bei der Berufsorientierung unterstützt werden. Es handele sich um ein längerfristiges Lernprojekt und starte ab dem kommenden Schuljahr. Schüler sollen dadurch alle zwei Wochen die Gelegenheit haben, in Firmen der Umgebung mitzuarbeiten.

Dialog zwischen Schulen und Unternehmen

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte MDR AKTUELL, es solle ein Dialog entstehen, bei dem Unternehmer den Schulen ihre Bedürfnisse mitteilten, statt über Fachkräftemangel und fehlende Fähigkeiten zu klagen.

Bildungsminister Tullner sitzt in einem Büro
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was ich mir davon erhoffe, ist eine sehr viel engere Verzahnung von Schule mit den regionalen Unternehmen und Wirtschaftsakteuren vor Ort.

Marco Tullner (CDU), Bildungsminister Sachsen-Anhalt

Dem Bildungsminister zufolge haben sich 50 Schulen freiwillig für den Pilotversuch gemeldet. Aktuell würden noch Unternehmen gesucht, die regelmäßig ihre Tore für Schüler öffnen. Wie genau eine Mitarbeit aussehe, müsse im Einzelfall geklärt werden.

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, Burghard Grupe, lobte das Vorhaben. Seine Betriebe suchten dringend Nachwuchs. Und Schüler würden dadurch erfahren, dass sie nicht nur für die Schule, sondern auch für sich selbst lernten. "Die blicken einfach mal in die Berufe rein, wissen, was in der Praxis passiert und haben keinen Schock. Sie können ihr Wissen in der Theorie anwenden."

Lohnenswerter Aufwand für Unternehmen

Chef der Handwerkskammer Magdeburg Burghard Grupe
Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, Burghard Grupe, lobt das Modellprjekt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für die Unternehmen sei das mit Sicherheit aufwendig, sagte Grupe. Zwei Dutzend Teenager im Betrieb wollen gemanagte werden. Das sei aber ein Aufwand, der sich lohne. Das wüssten auch die Unternehmer, die den Mangel an jungen Leuten schließlich jeden Tag spürten.

Grupe hofft deswegen, dass aus dem freiwilligen Modellprojekt zügig eine Verpflichtung für alle Schulen wird – auch für die Gymnasien. Er sei sich sicher, dass es einem Bauingenieur nicht schade, mal gemauert zu haben.

Landesschülerrat: Nichts für Gymnasien

Anders sieht das der Landesschülerrat. Er erklärt schriftlich, dass der Praxistag für Sekundarschüler zwar eine sehr gute Idee sei, am Gymnasium sei das nicht zielführend. Dort sollte man stattdessen den Fokus auf die Studienorientierung legen. Schülern und Schülerinnen, die voraussichtlich nach der zehnten Klasse das Gymnasium verlassen, könne man mit einem Schülerpraktikum am Ende der neunten und zehnten Klasse entgegengekommen.

Im Sommer soll das Modellprojekt erstmals an 50 Schulen gestartet werden. Mit rund einer Million Euro stellt das Land sicher, dass den Schüler keine Mehrkosten entstehen. Fahrtkosten und Lernmaterialien werden übernommen.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. März 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2019, 14:08 Uhr

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17 Kommentare

08.03.2019 13:34 Leser 17

Hier im Land unterstützt man wenigstens die Schüler bei der Berufswahl. Meine Enkelin in Rheinland-Pfalz ist sich schulseitig selbst überlassen. Hier gibts auch Messen zur Berufswahl, die von und mit der Schule begleitet werden. Dort durfte meine Enkelin an einem Samstag freiwillig eine Messe besuchen. Was dabei raus kam, muss ich nicht schildern. Nichts. Da ging sie mit ihrer Freundin hin und beide alberten ergebnislos nach Hause. Übrigens waren an dem Tag beide Eltern arbeiten. Die Schule hat es nicht gejuckt. Berufsberatung spielt dort keine Rolle.

07.03.2019 08:26 Lisa 16

An der Ganztagsschule "Albert-Schweitzer" in Aschersleben gibt es diese Praxistage schon länger. Hier heißt es "POL-Praxisorientiertes Lernen" und wird sehr erfolgreich durchgeführt. Meine Tochter besucht diese Schule und hatte in der 7. und 8. Klasse jeweils alle 14 Tage einen "POL-Tag". Ich finde dieses Konzept super!

06.03.2019 21:53 Heike Baldauf 15

Als ich zur Schule ging, nannte sich das PA - Produktive Arbeit oder UTP-Unterricht in der technischen Produktion. Meine Schulzeit lag in der DDR. Nach 30 Jahren findet man zurück. Aber erstmal musste ja alles verteufelt werden. Na ja, erfinden wur das Rad ein zweites Mal.