Sara Zinnecker Expertin von Finanztip
Sara Zinnecker ist Redakteurin beim gemeinnützigen Verbraucherportal Finanztip. Bildrechte: Finanztip

Geld für den Ruhestand Betriebsrente – Die wichtigsten Fragen und Antworten

Wer im Alter neben der gesetzlichen Rente mehr Geld haben möchte, kann auf die Betriebsrente setzen. Sara Zinnecker vom gemeinnützigen Verbraucherportal Finanztip erklärt, was es zu beachten gibt und warum auch Geringverdiener handeln sollten.

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MDR SACHSEN-ANHALT: Für wen lohnt sich eine Betriebsrente überhaupt?

Sara Zinnecker: Eine Betriebsrente lohnt sich dann, wenn der Chef ordentlich etwas dazugibt – die Beiträge für den Angestellten also ganz übernimmt oder zumindest das zuschießt, was er sich an Sozialabgaben spart. Also etwa jeden fünften Euro.

Worauf sollte man achten, wenn man eine Betriebsrente abschließt – wie erkennt man ein gutes Produkt?

Ein guter Vertrag sollte sich idealerweise mit zwei Prozent nach allen Kosten verzinsen. Das können klassische Garantieprodukte allerdings kaum mehr leisten. Umso wichtiger ist, dass der Arbeitgeber möglichst viel zuschießt. Wer abschätzen will, ob sich der Vertrag ausreichend verzinst, kann den Finanztip-Rechner zur Hilfe nehmen.

Ab wann sollte man zusätzlich vorsorgen, sich also nicht auf die gesetzliche Rente verlassen?

Die gesetzliche Rente wird in den allerwenigsten Fällen ausreichen, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Es empfiehlt sich also für jedermann, daneben privat vorzusorgen. Wer noch mehr als 15 Jahre bis zur Rente hat, hat dabei noch am meisten Möglichkeiten vorzusorgen, denn: Je länger Sparverträge laufen, umso mehr Spielraum besteht, Vermögen aufzubauen. Dies gilt insbesondere, wenn ein Teil des Geldes in günstige Aktienfonds fließt.

Lohnt sich eine Betriebsrente auch für Geringverdiener oder ist eine andere private Vorsorge besser? Anders gefragt: Wie holt man aus einem geringen Gehalt das Beste fürs Alter heraus?

Gerade für Angestellte, die wenig verdienen, kann sich eine Betriebsrente lohnen. Denn der Chef finanziert die Rente teilweise mit – ab 2022 sogar verpflichtend bei bereits bestehenden Verträgen. Seit 2018 wird die spätere Betriebsrente auch nicht mehr auf die Grundsicherung angerechnet. Sparer dürfen sie also auf jeden Fall behalten – ein großer Schritt nach vorn. Ein weiteres Plus: Sparer mit geringer monatlicher Betriebsrente (nach jetzigem Stand: bis zu gut 155 Euro monatlich) zahlen keine Abgaben zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Wie geht es mit der Betriebsrente weiter, wenn man den Job wechselt?

Wer den Job wechselt, hat drei Möglichkeiten. Man kann versuchen, seinen Vertrag der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) beim neuen Arbeitgeber weiterzuführen. Alternativ kann man sein Guthaben auf einen neuen Vertrag übertragen. Drittens lassen sich bAV-Verträge auch privat aus dem Nettogehalt weiter besparen beziehungsweise Sparer können den Vertrag auch bis zur Auszahlung behalten, ohne weiter einzuzahlen. Vor allem, wenn der alte Betriebsrentenvertrag eine gute Garantieverzinsung hat, empfiehlt es sich, diesen – beim neuen Arbeitgeber oder privat – weiterzuführen.

Fließen Teile des Gehalts in die Betriebsrente, kann man zunächst Steuern und Sozialabgaben sparen. Mit welchen Abgaben muss man später rechnen, wenn die Betriebsrente im Alter ausgezahlt wird? In welchen Fällen werden doppelte Beiträge fällig?

Sparer, die mehr als 155 Euro monatliche Betriebsrente beziehen (Stand 2019) müssen auf die Rente gut 18 Prozent Beiträge an die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Man spricht auch vom "vollen Beitrag", weil in den 18 Prozent der Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zur Krankenversicherung enthalten ist. Den doppelten Beitrag zur Krankenversicherung – sowohl auf die Sparrate als auch auf die Rente – zahlen Menschen, die ihren Vertrag vor 2005 abgeschlossen haben. Die Abgaben fallen auch dann über 10 Jahre gestreckt an, wenn Sparern das Geld zum Renteneintritt einmalig ausbezahlt bekommen haben. Die Politik ist sich des Problems der hohen Abgaben aber bewusst, Entlastungen für Betriebsrentner werden derzeit von der Großen Koalition im Bund diskutiert.

Was raten Sie Arbeitnehmern, wenn der Arbeitgeber keine Betriebsrente anbietet?

Jeder Arbeitnehmer hat das Recht, eigenes Gehalt in einen Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge einzuzahlen. Man spricht dabei von Entgeltumwandlung. Der Arbeitgeber muss dem Angestellten also – spätestens auf dessen Nachfrage hin – ein Angebot zur Verfügung stellen. Ab 2022 muss er sogar generell 15 Prozent des Beitrages übernehmen. Vor allem in kleineren Betrieben ohne Tarifvertrag ist es für Arbeitgeber schwierig, geeignete Verträge ausfindig zu machen. Die ersten Anbieter wenden sich daher mit ihren Produkten auch direkt an Angestellte. Beschäftigte könnten dem Chef also auch einen Vorschlag machen. Neben der Betriebsrente können Sparer aber auch anders vorsorgen – ohne Chef. Zum Beispiel mit einer Riester-Rente oder einem flexiblen Sparplan in günstige Aktienfonds.

Die Fragen stellte Kalina Bunk.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Januar 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 19:04 Uhr

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2 Kommentare

16.01.2019 21:32 swinging freedom 2

..der Kern der ganzen Betriebsrenten-Debatte ist doch der doppelte ABZUG der Krankenkassen-/pflege-Beiträge- das ist für die meisten Beschäftigten und aktiven Betriebsrentner der springende Punkt- aber die Politiker scheinen endlos darüber zu debattieren--- bis es dann heißt: es ist kein Geld da - es ist nicht finanzierbar- eine Frechheit- zumal noch nicht einmal in den Medien über den Stand der Debatte informiert wird! ---- was soll mich eigentlich im Mai (EU- Wahl) dazu bewegen meine Stimme den etablierten Parteien zu geben ?
… abgesehen davon gibt es viele andere kleine Posten, die den Normalbürger sehr sehr interessieren- aber es passiert nichts!

16.01.2019 21:25 Bürger 1

Leider alles an der Realität vorbei! Bei Wechsel des AG war alles umsonst. Ich hatte einen Pensionsfond beim 1. AG der wurde zwangsausgezahlt, natürlich mit Steuern und Abgaben. Beim 2. AG hatte ich Betriebsrente und Lebensarbeitszeitkonto. Letzteres wurde mit Steuerklasse 6 ausgezahlt und die Betriebsrente zum neuen AG mitnehmen - nicht möglich!
Zwecklos!