Bildung im Lockdown Bildungsminister Tullner: Regelbetrieb an Schulen unvorstellbar

Die Kultusminister der Länder haben am Montag beraten, wie es in den Schulen weitergehen soll. Fest steht: An einen Regelbetrieb ist nicht zu denken. Sachsen-Anhalts Bildungsminister bevorzugt verschiedene Modelle.

Nach den Worten von Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) soll das Wechselmodell aus Distanz- und Präsenz-Unterricht an den Schulen zunächst bis zum 1. Februar beibehalten werden. Tullner sagte MDR SACHSEN-ANHALT nach der gemeinsamen Beratung der Kultusminister, einen Vollbetrieb könne sich im Moment niemand vorstellen. Die Minister hätten sich darauf verständigt, für die Jahrgänge im Grundschulalter mehr Präsenzphasen zu ermöglichen, etwa in geteilten Gruppen, und bei den älteren Schülern mehr auf das Wechselmodell zu setzen. Nun würden noch die Entscheidungen der Bund-Länder-Konferenz am Dienstag abgewartet, um danach den konkreten Fahrplan für die kommenden Wochen festzulegen.

Auch darauf haben sich die 16 Kultusministerinnen und -minister geeinigt

Einig sind sich die Minister laut Tullner auch, dass der Bildungsbereich Vorrang hat, sollte es in absehbarer Zeit zu Lockerungen des Lockdowns kommen. In einem Beschluss setzen sie auf ein Drei-Stufen-Modell: Zuerst sollten dann die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6 an die Schulen zurückkehren, während für die anderen weiter Distanzunterricht gilt. Stufe 2 sieht ab Klasse 7 Hybridunterricht im sogenannten Wechselmodell vor, mit einer Halbierung der Klassen. Stufe drei sieht Präsenzunterricht für alle vot. Für Schüler in Abschlussklassen sollen weiterhin Ausnahmen gelten.

Es geht darum, wie wir die bestmöglichen Bildungsangebote unter den Abwägungen des Gesundheitsschutzes organisieren können.

Marco Tullner (CDU), Bildungsminister Sachsen-Anhalts

Vor der Beratung der Kultusministerinnen und -minister der Länder hatte Tullner gesagt, er gehe fest davon aus, dass das Wechselmodell aus Distanz- und Präsenz-Unterricht bis zu den Winterferien im Februar beibehalten werde – also bis zum 8. Februar. Er hoffe, dass man danach zu einem normalen Modus zurückkehren könne.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Sachsen-Anhalt forderte ebenfalls, mit Ende der Weihnachtsferien keinesfalls sofort zum vollständigen Präsenz-Unterricht zurückzukehren. Allerhöchstens komme ein Wechselmodell zwischen Unterricht von zu Hause im Wechsel mit Unterricht in den Schulen in Frage, heißt es in einer Mitteilung. GEW-Gewerkschaftssekretär Pistorius sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Schulen mit entsprechender digitaler Ausstattung sollten in den Distanz-Unterricht gehen und diesen mindestens bis zu den Winterferien im Februar fortführen.

Präsenzunterricht nur, wo er unverzichtbar ist

Auch Sachsen-Anhalts SPD-Fraktionschefin Katja Pähle betonte, in der Schule dürfe Infektionsschutz nicht ausgeklammert werden. Pähle zufolge sollte Präsenzunterricht nur für die Klassen angeboten werden, für die er unverzichtbar ist: in Grundschulen und für Abschlussklassen. Sie sprach sich zudem dafür aus, die Prüfungsleistungen für Abitur, Real- und Hauptschulabschlüsse zu reduzieren.

Ähnlich äußerten sich die Grünen im Landtag: Deren bildungspolitischer Sprecher Wolfgang Aldag sagte einer Mitteilung zufolge, der Distanzunterricht müsse verbessert werden. Die Versorgung digitaler Infrastruktur müsse endlich organisiert werden, Lernplattformen und Server müssten zuverlässig laufen. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) habe es verpasst, parallele Strukturen aufzubauen, kritisierte Aldag.

Blick in leeren Schulflur
Politikerinnen und Politiker aus Sachsen-Anhalt fordern, dass die Schulen vorerst auch weiterhin geschlossen bleiben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) plädierten dafür, den harten Shutdown bis Ende Januar zu verlängern. Bundesbildungsministerin Karliczek sagte den Funke-Medien, sie gehe nicht davon aus, dass es schon bald wieder Präsenzunterricht für alle Schüler geben kann. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert, den Shutdown in den Schulen um mindestens eine Woche zu verlängern. Ebenso fordern verschiedene auf Twitter entstandene bundesweite Initiativen, noch nicht zum Präsenzunterricht zurückzukehren. Am Dienstag wollen die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten das Thema abermals mit Bundeskanzlerin Angela Merkel diskutieren.

Die Lage an den Schulen

Weil immer mehr Schülerinnen und Schüler mit dem Coronavirus infiziert waren, waren einige Schulen am 16. Dezember zum Distanz-Unterricht zurückgekehrt. Die Weihnachtsferien wurden verlängert. Ursprünglich sollte der erste Schultag nach den Weihnachtsferien der 11. Januar sein.

Quelle: MDR/aso,ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | | 04. Januar 2021 | 19:00 Uhr

23 Kommentare

Heimatloser vor 8 Wochen

MD Mike,
wir verstehehen alle nicht ALLES.Ganz ruhig bleiben.Die Regierung,ihre Minister
und Staatssekretäre werden es richten.Ob dabei auch an uns...Kinder,Jugend,
Familie und die Alten gedacht wird (positiv) kann ich nicht beurteilen.
Könnte ich schon.Nur möchte ich nicht den BND vor der Tür haben.
Dieser Kommentar wird sicher nicht veröffentlich.Wen dem so ist,sagt das doch
schon genug.

Heimatloser vor 8 Wochen

Ricwei11,
"Was ist denn verdammt so schwer....?"
Überlegen Sie bitte einmal wieviel Grundschulen und Sekundarschulen dem
politischen Erdbeben zum Opfer geworden sind.Und dieLehrer? Woher nehmen?
Einst konnte man mit sehr guten Abschluß der 10.Klasse der Polytechnischen
Oberschule Grundschullehrer werden.Vergessen Sie es.

Heimatloser vor 8 Wochen

Meine Meinung,
Ihr Kommentar sagt eigentlich alles zur augenblicklichen Lage.Ich würde 5 Daumen
geben.Leider geht das nicht.
Man könnte die ganze Corona-Kriese noch weiter beleuchten.Aber das geht auch
nicht.Dann wird man verleugnet und in die rechte Ecke gestellt.
"....denn das Lernen aus pädagogischer Sicht..."Ja! Aber auch das Lernen zu lernen! Beide Lehrinhalte sind unter den Tisch gefallen.
"Ich fordere von dir,weil ich dich achte."Diesen Spruch sollte unser Kultusminister
eigentlich noch kennen.Er hat ihn vergessen.
Ich wünsche Ihnen und ihrer Familie viel Kraft,diese "Coronaprüfung"zu meistern.

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