Lehrermangel auch in den kommenden Jahren Tullner: "Kann Lehrer nicht im Supermarkt kaufen"

In Sachsen-Anhalt fehlen Lehrer. Das ist lange bekannt – doch bis sich spürbar etwas ändert, dauert es. Bildungsminister Tullner sagt, er könne Lehrer schließlich nicht im Supermarkt einkaufen. Die Ausbildung dauere ihre Zeit. Der Lehrermangel wird Sachsen-Anhalt also auch in den kommenden Jahren beschäftigen.

Marco Tullner
Bildungsminister Marco Tullner prognostiziert: Bis der Lehrermangel überwunden ist, wird es noch Jahre dauern. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Die Schulen in Sachsen-Anhalt werden noch einige Jahre lang unter dem Lehrermangel zu leiden haben. Davon geht Bildungsminister Marco Tullner (CDU) aus. Tullner sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Freitag, sein Ministerium habe gesät, der Acker sei nun bestellt. Nun müsse der Nachwuchs an Lehrern wachsen. Grundsätzlich seien die nötigen Schritte aber eingeleitet, beteuerte Tullner. "Wir haben gemacht, was an konkreten kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen möglich ist", sagte er.

Sachsen-Anhalt habe im abgelaufenen Jahr etwa 1.100 neue Lehrkräfte eingestellt. Das werde auch in diesem Jahr gelingen. Nichtsdestotrotz klaffe auch weiter eine Lücke. Das liege an altersbedingten Abgängen und der Familienplanung junger Lehrerinnen und Lehrer. Angesprochen auf den Lehrermangel, sagte Tullner: "Es wird diese Probleme in den nächsten Jahren immer noch geben, bis wir dann Mitte der 2020er Jahre durch diese Phase durch sind."

Ich kann Lehrer nicht im Supermarkt kaufen. Ich muss sie mir ausbilden, das dauert seine Zeit.

Marco Tullner Bildungsminister

Der Bildungsminister nahm im Interview auch Stellung zum laufenden Volksbegehren für mehr Lehrer zwischen Arendsee und Zeitz. Tullner untermauerte dabei seine Kritik an den Plänen der Initiatoren. Auf den ins Gespräch gebrachten gesetzlichen Personalschlüssel sagte Tullner, er halte diesen für eine Scheinlösung. Wenn gesetzlich vorgeschrieben sei, eine bestimmte Zahl von Lehrern einzustellen, funktioniere das nicht, wenn nicht genügend Lehrer da seien. Genau das sei der Fall.

Diskussion: Fächer für Erstsemester vorschreiben?

In der aktuellen Diskussion über eine Vorgabe der Fächerwahl für angehende Lehrer sind Tullner und sein Kollege aus dem Wissenschaftsministerium weiterhin unterschiedlicher Meinung. Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) hatte sich jüngst gegen starrere Vorgaben bei der Wahl von Schulfächern der Erstsemester ausgesprochen. Willingmann befürchtet, dass das die Zahl der Studienanfänger senke. Stattdessen sollten Beratungen helfen, die Studienanfänger auf Bedarfsfächer zu lenken.

Marco Tullner sieht das anders: Er müsse den Bedarf in den Schulen berücksichtigen, sagte Tullner. Jeder Lehrer müsse am Ende des Studiums auch einsatzfähig sein. Wer Altgriechisch und Latein studiere, könne im Anschluss nur an wenigen Schulen eingesetzt werden. "Für Altgriechisch habe ich, glaube ich, drei Schulen, die das partiell anbieten. Da werde ich absehbar Mühe haben, so jemanden zu beschäftigen." Deshalb müsse der Bedarf an Fächern in den Ausbildungskanon integriert werden, sagte Tullner.

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Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. Januar 2020 | 12:00 Uhr

6 Kommentare

Hans Frieder leistner vor 38 Wochen

@ Bernd L. Als Lehrer muß man sich anstrengen, um die Voraussetzungen als Lehrer zu erfüllen. Mit einem abgebrochenen Quasselfach kann man sogar Parteigeneralsekretär der Volksparteien werden.

goffman vor 38 Wochen

Ich würde das nicht pauschalisieren. Die besten Lehrkräfte, die ich hatte oder kennenlernen durfte waren Quereinsteiger. Sie waren von dem Inhalt, den sie vermittelten begeistert, sie hatten anschauliche Beispiele und wussten, wovon sie redeten. Wenn die pädagogischen Kenntnisse in Schulungen und Weiterbildungen vermittelt werden - warum soll jemand mit einem Bachelor von einer FH nicht geeignet sein, bestimmte Fächer zu vermitteln?
Die einzige Bedingung aus meiner Sicht: die Fächer müssen zu dem passen, was vorher an der FH vermittelt wurde (wobei man da auf die Inhalte schauen muss, nicht auf die Bezeichnung).

solja vor 38 Wochen

Wie kann man dem Bachelor gegenüber dem Master eine Befähigung zum Nachholen der Befähigung zum Lehramt absprechen, wenn der Master genau so wenig Lehramtsinhalte aufweist?
Ist das eventuell der gefallene Hinweis zur Mathematik?
Heißt das, der Bachelor FH ist so, wie sie es einem an der Schule nicht erzählt haben, nämlich nichts wert? Da müsste in Zukunft, der für mich so oder so fragwürdige Hinweis, man könne auch an die FH, unterlassen werden.

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