Dr. Thomas Wöhner
Thomas Wöhner, Wirtschaftsinformatiker an der Universität Halle, forscht seit sieben Jahren zu Kryptowährungen wie Bitcoin. Bildrechte: Privat

Kryptowährungen Bitcoins als alternatives Zahlungsmittel der Zukunft

Bitcoin ist eine Währung, die nur digital existiert. Doch wofür ist dieses digitale Geld gut? Braucht man es überhaupt im normalen Alltag? Thomas Wöhner, Wirtschaftsinformatiker an der Martin-Luther-Universität in Halle, beschäftigt sich seit sieben Jahren mit Kryptowährungen wie Bitcoins. Im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT erklärt er, was sich da im Internet entwickelt.

Dr. Thomas Wöhner
Thomas Wöhner, Wirtschaftsinformatiker an der Universität Halle, forscht seit sieben Jahren zu Kryptowährungen wie Bitcoin. Bildrechte: Privat

MDR SACHSEN-ANHALT: Bitcoins entstanden vor neun Jahren auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Sie wurden von einem Unbekannten mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto entwickelt. Wie muss sich der Laie die Geburtsstunde der digitalen Währung vorstellen?

Dr. Thomas Wöhner:  Bitcoins sind tatsächlich aus dem Nichts entstanden. Satoshi Nakamoto hat die Funktionsweise der digitalen Währung damals im Internet vorgestellt und anschließend eine entsprechende Software, ein sogenanntes Software-Wallet, veröffentlicht, das zum Verwahren und Bezahlen mit Bitcoins benötigt wird. Bis heute weiß niemand, ob es sich bei Nakamoto um einen oder mehrere Entwickler handelt.

Bitcoins beruhen auf einen Algorithmus, der als fälschungssicher gilt. Man muss sich das so vorstellen, dass global vernetzte Computer permanent komplizierte Rechenaufgaben lösen. Als Belohnung erhalten diese sogenannten Miner neue Bitcoins. Auf diese Weise haben sich Bitcoins weltweit verbreitet.

Bitcoins werden an Börsen für Kryptowährungen gehandelt. Man kauft sie im Internet und verstaut sie im Wallet, dem digitalen Geldbeutel. Wie sicher ist dieser Geldbeutel und wo wird er aufbewahrt?

Prinzipiell kann jeder sein Software-Wallet auf dem eigenen Computer installieren oder durch die Börse verwalten lassen. Im Wallet ist ein geheimer kryptografischer Schlüssel hinterlegt, eine Art Passwort, das zum Bezahlen benötigt wird. Das Wallet ist so sicher wie der jeweilige Rechner. Daher muss jeder Benutzer darauf achten, dass dieser Schlüssel nicht in falsche Hände gerät oder beispielsweise durch einen Computerdefekt verloren geht. Hilfreich ist es daher, den Schlüssel beispielsweise auszudrucken. Lässt man das Wallet durch die Börse verwalten, gibt man die Sicherheit in die Hand des Betreibers.

Wann wurde mit dem digitalem Geld zum ersten Mal eingekauft?

Das war am 22. Mai 2010, da ließ sich ein Amerikaner für 10.000 Bitcoins zwei Pizzen liefern. Das war der Wendepunkt. Zum ersten Mal hatte jemand Vertrauen in das digitale Geld gefasst und dafür eine reale Ware gekauft.

Das gab dem Bitcoin Auftrieb. Eine Währung kann nämlich nur existieren, wenn Menschen ihr Vertrauen schenken. Der hungrige Amerikaner hat der Bitcoin-Gemeinde also einen Riesengefallen getan, möglicherweise ärgert er sich heute trotzdem. Die 10.000 Bitcoins, die er für die beiden Pizzen ausgegeben hat, sind heute ein gigantisches Vermögen.

Anfangs wurde der Bitcoin für Cent-Beträge gehandelt, aktuell kostet das Stück über 6.500 Euro. Gibt es dafür einen nachvollziehbaren Grund oder entwickelt sich eine Spekulationsblase, die früher oder später platzen wird?

Es ist tatsächlich so, dass der Bitcoin-Kurs, insbesondere in diesem Jahr, sehr stark angestiegen ist. Es gibt dafür eigentlich keinen Grund. Der Bitcoin wurde weder als weltweite Währung anerkannt, noch hat sich die Technologie verändert. Aber der Bitcoin wurde bekannter. Dadurch hat ein Hype eingesetzt, die Kurse steigen rasant, sie können aber genauso schnell wieder fallen. An den stark schwankenden Kursen sieht man, dass mit dem Bitcoin derzeit vor allem spekuliert wird.

Besteht trotzdem die Möglichkeit, dass sich der Bitcoin als globales Zahlungsmittel durchsetzen wird?

Es ist schon so, dass mittlerweile etliche Anbieter Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren. Aber im Vergleich zu Kredit- oder EC-Karten sind die Transaktionen noch immer sehr gering. Zum Bezahlen im Laden ist der Bitcoin aus meiner Sicht derzeit ohnehin nicht geeignet, weil man mindestens zehn bis zwanzig Minuten warten muss, bis man weiß, ob die Transaktion bestätigt wurde. Unternehmer, die Bitcoins annehmen, machen das momentan vor allem aus Marketinggründen. Wenn sie die digitalen Münzen akzeptieren, werden sie meistens gleich wieder in Euro oder Dollar getauscht, weil die Kursschwankungen ein zu hohes Risiko bedeuten.

In Japan sind Bitcoins als Zahlungsmittel zugelassen, China hat den Handel damit verboten. Auch in Europa hat es die digitale Währung schwer. Sind Bitcoins den Staaten ein Dorn im Auge?

Das ist mit Sicherheit so. Der Staat hat keinen Einfluss auf die Geldmenge, die in Bitcoins investiert wird. Und das birgt die Gefahr einer Inflation oder Deflation. Außerdem funktioniert Bitcoin so, dass anonyme Zahlungen möglich sind. Und das bietet natürlich auch die Möglichkeit, den Zahlungsverkehr zu verschleiern, um Steuern zu umgehen. Das sehen Staaten natürlich kritisch. Aber weil die Zahlungsmengen beim Bitcoin vergleichsweise noch sehr gering sind, wird das digitale Geld von einigen Ländern toleriert, von anderen nicht.

Der Bitcoin basiert auf der Blockchain-Technologie, einem digitalen Kassenbuch. Damit soll ein völlig neues Bezahlsystem möglich werden: transparent, fälschungssicher und unabhängig von jeder Bank. Wird die Technologie unsere Finanztransaktionen nachhaltig verändern?

Die Technologie steckt ja noch in den Kinderschuhen, ob sie sich langfristig bewähren wird, ist noch nicht ganz raus. Aber sie ist in der Tat sehr interessant, weil man jegliche Art von Daten völlig dezentral speichern kann, also nicht nur Geldflüsse. Theoretisch könnte auch der Verkauf von Häusern, Wald, Land und vieles mehr mit der Blockchain-Technologie abgewickelt werden. Es würde keine Zwischenhändler wie Banken, Notare oder Immobilienmakler mehr bedürfen, was den Nutzern viel Geld sparen könnte.  Rechtlich ist das momentan natürlich nicht möglich, aber hergeben würde es die Technologie.

Die Blockchain-Technologie Die Blockchain ist das digitale Kassenbuch, das bei Bitcoin verwendet wird. In der Blockchain werden Zahlungen verschlüsselt abgespeichert, die mit Bitcoin gemacht werden. Hinter einer Bitcoin steckt eine Kette digitaler Signaturen. Der jeweilige Besitzer der Münze "unterschreibt" auf ihr und gibt sie bei einer Transaktion an den nächsten Besitzer weiter. Dieser kann die Unterschriften auf der Münze und damit die vorausgegangenen Transaktionen verifizieren. Um sicherzugehen, dass eine Münze von einem Besitzer nur einmal ausgegeben wird, arbeitet Bitcoin außerdem mit einem Zeitstempel.

Neben dem Bitcoin gibt es derzeit noch 1.000 weitere Kryptowährungen. Welche Zukunft prophezeien Sie dem digitalen Geld?

Der Vorteil von Kryptowährungen liegt vor allem in der anonymen Bezahlung. Das Recht auf Anonymität steht ja jedem zu, und das hat auch nichts mit Kriminalität zu tun. Bei den altbekannten Zahlungssystemen, wie die EC-Karte, wird man hingegen schnell zu einem gläsernen Bürger.

Ein weiterer Vorteil von Kryptowährungen ist die vergleichsweise günstige Zahlungsabwicklung. Schließlich kommen Kryptowährungen ohne zentrale Stellen wie Banken aus, wodurch Kosten eingespart werden können. Ich denke, dass Kryptowährungen unser jetziges Zahlungssystem nicht revolutionieren, aber aufgrund der Vorteile als alternative Zahlungsoption auch in der Zukunft eine Rolle spielen werden.

Das Interview führte Politik-Redakteur Stephan Schulz von MDR SACHSEN-ANHALT.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 22. November 2017 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2017, 06:05 Uhr

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