"Ich mach das doch nicht zum Spaß" SPD Köthen: Böhmermann startet Montagsreden

"Ich krieg' mein Parteibuch überreicht" – Jan Böhmermann hat sich mit seinem SPD-Ortsverein Köthen getroffen und dabei sein Parteibuch erhalten – und Montagsreden gestartet. Der Ortsverein ist sicher, dass das Engagement Böhmermanns der SPD guttun wird.

Martin Paul im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Martin Paul, MDR SACHSEN-ANHALT

Jan Böhmermann
Hat sein SPD-Parteibuch in den Händen: Moderator und Satiriker Jan Böhmermann (Archivfoto) Bildrechte: dpa/MDR Collage

Jan Böhmermann, ZDF-Moderator, Satiriker und seit neuestem auch SPD-Mitglied, hat das Parteibuch erhalten – von seinem Ortsverein Köthen. Der hatte Böhmermann vor einigen Wochen offiziell als Mitglied aufgenommen.

Dass am Montag, den 21. Oktober, das Parteibuch überreicht wird, hat Böhmermann in der jüngsten des Ausgabe des Podcasts "Fest und Flauschig" am Sonntag angekündigt: "Morgen krieg' ich auch mein Parteibuch überreicht." Die Übergabe hat aber schon im Studio in Köln stattgefunden. Das teilte Böhmermanns Produktionsfima MDR SACHSEN-ANHALT mit.

Auch Michael Engelmann, der Vorsitzende der SPD in Köthen, bestätigte am Montagmorgen MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir werden heute nach Köln fahren". Später die Kehrtwende: "Wir waren schon in Köln."

Politische Montagsreden

Was bleibt? Böhmermann hat vor, ab jetzt jeden Montag eine politische Rede zu halten. Und zwar "eine Rede, die nicht von mir ist, sondern von einer profilierten Sozialdemokratin oder einem profilierten Sozialdemokraten außerhalb oder innerhalb der Partei", sagte er im Gespräch mit seinem Podcast-Partner Olli Schulz. "Es werden zwei Universen ungebremst aufeinander knallen", so Böhmermann.

Diskussion mit anderer Offenheit

Und wie er den inhaltlichen Diskurs in der Partei anregen will, hat er auch gesagt: "Ich bin ja kein Politiker und will auch letztlich nicht wirklich Politiker werden, sondern nur Vorsitzender und den Vorsitz der SPD zu nutzen, um die SPD von innen nach außen zu krempeln", erklärte er. Wenn man Vorsitzender werden wolle, dann müsse man auch Mitglied in der Partei werden.

Ich mach' das doch nicht zum Spaß. Ich hab' ja ein Ziel vor Augen.

Jan Böhmermann im Podcast mit Olli Schulz

Und das Ziel sieht so aus: Böhmermann will Stimmen in der SPD ein Gewicht geben, das sie so sonst nicht hätten. "Ich glaube, was eine gute Idee ist: einfach mal inhaltlich gegendrücken. Einfach mal was Neues aufleben lassen", so Böhmermann. Deswegen die Idee mit der Rede. Anonym werde er die Reden vorlesen, "ganz ernst, auch ohne Witz. Die sind teilweise dramatisch".

Er habe versucht, möglichst eine repräsentative Auswahl zu treffen von ganz kleinen Funktionären bis zu Top-Promis in Regierungsnähe, "die Sachen geschrieben haben, wo man sich fragt: Ihr könnt doch mit den Leuten reden, ihr sitzt doch teilweise mit ihnen in einem Raum." Die Größte der Gruppen sei aber die "außersozialdemokratische sozialdemokratische Opposition".

Sechs Paare Die Kandidaten für den SPD-Vorsitz

Christina Kampmann und Michael Roth
Christina Kampmann und Michael Roth Das Duo Christina Kampmann und Michael Roth eröffnete Anfang Juli die Bewerbungsrunde. Die ehemalige NRW-Familienministerin und der Europa-Staatsminister gehören eher dem linken Parteiflügel an. Kampmann (38) ist relativ unbekannt und damit unverbraucht. Der langjährige hessische Bundestagsabgeordnete Roth (49) tritt aus Sorge um die Zukunft der SPD an, sieht die Beteiligung an der GroKo aber nicht als Hauptgrund für die schwere Krise. Bildrechte: dpa/imago/Jakob Hoff/MDR.DE
Christina Kampmann und Michael Roth
Christina Kampmann und Michael Roth Das Duo Christina Kampmann und Michael Roth eröffnete Anfang Juli die Bewerbungsrunde. Die ehemalige NRW-Familienministerin und der Europa-Staatsminister gehören eher dem linken Parteiflügel an. Kampmann (38) ist relativ unbekannt und damit unverbraucht. Der langjährige hessische Bundestagsabgeordnete Roth (49) tritt aus Sorge um die Zukunft der SPD an, sieht die Beteiligung an der GroKo aber nicht als Hauptgrund für die schwere Krise. Bildrechte: dpa/imago/Jakob Hoff/MDR.DE
Gesine Schwan, Ralf Stegner
Gesine Schwan und Ralf Stegner Ralf Stegner und Gesine Schwan wollen als Doppelspitze die SPD aus der Krise führen. Der 59-jährige Parteivize gilt als Vertreter des linken Flügels und bringt als langjähriger Minister und Fraktionschef in Schleswig-Holstein Regierungserfahrung ein. Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan war Mitbegründerin des konservativen Seeheimer Kreises und ist Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission. Die nach eigenen Worten praktizierende Katholikin kandidierte zweimal für das Bundespräsidentenamt und unterlag jeweils Horst Köhler (CDU). Bildrechte: IMAGO
Nina Scheer, Karl Lauterbach
Nina Scheer und Karl Lauterbach Im Juli meldeten die Bundestagsabgeordneten Nina Scheer und Karl Lauterbach ihre Kandidatur als Team an: Erklärtes Ziel der Umweltpoltikerin und des Gesundheitsexperten ist es, die Basis über den Fortbestand der Großen Koalition abstimmen zu lassen. Die 47-jährige Juristin mit Wahlkreis in Schleswig-Holstein und der 56-jährige Mediziner und Bundestagsfraktionsvize Lauterbach wollen raus aus der GroKo und die SPD stärker zu ihren sozialdemokratischen Wurzeln führen: "In der Vergangenheit haben die Menschen SPD gewählt und zu oft den Kompromiss bekommen." Bildrechte: dpa
Petra Köpping und Boris Pistorius
Petra Köpping und Boris Pistorius Mitte August erklärten der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (59) und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (61), dass sie sich für den SPD-Vorsitz bewerben. Sie decken einiges vom Anforderungsprofil für eine Doppelspitze ab: Mann und Frau, aus dem Westen und Osten. Beide gelten als Kritiker der Großen Koalition mit der Union und der Harz-IV-Regelungen. Bildrechte: dpa
Die Bildkombo zeigt Bundesfinanzminister Olaf Scholz und die brandenburger Landtagsabgeordnete Klara Geywitz.
Olaf Scholz und Klara Geywitz Eine Rolle rückwärts in der SPD-Führungsfrage machte Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Der 61-Jährige hatte zunächst gesagt, er schaffe neben dem Ministeramt nicht noch den Parteivorsitz. Später erklärte er sich jedoch bereit, Verantwortung zu übernehmen. Scholz gilt als konservativer Pragmatiker. Er hält an den Hartz-IV-Regelungen fest und als Vizekanzler bislang auch zur GroKo. Scholz will gemeinsam mit der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz antreten. Die 43-jährige gebürtige Potsdamerin war von 2013 bis 2017 Generalsekretärin der Brandenburger SPD. Bildrechte: dpa
Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken
Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken Kurz vor Ablauf der Frist nominierte der mitgliederstärkste SPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen den ehemaligen NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans als Kandidaten für den SPD-Bundesvorsitz und als Tandempartnerin die Bundestagsabgeordneten Saskia Esken aus Baden-Württemberg. Bildrechte: dpa
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Alles nur ein großer Hack?

Und ist das alles nur ein großer Politik- und Medienhack? Engelmann ist von der Ernsthaftigkeit des Vorhabens überzeugt. "Ich schätze das Engagement von Böhmermann durchaus", sagte er. Vor allem freue sich der Ortsverein auf das inhaltliche Gespräch mit ihm. "Dabei werden Themen mit einer anderen Offenheit angesprochen. Das wird der SPD sicherlich guttun", so Engelmann.

Und wie geht es weiter, wie stehen die Chancen, dass Böhmermann doch noch Bundesvorsitzender wird? Zumindest Michael Engelmann sieht Böhmermann durchaus noch im Rennen. Um für den Bundesvorsitz doch noch aufgestellt zu werden, müsse er vorgeschlagen werden. "Theoretisch und praktisch hat er die Möglichkeit, von 50 Delegierten vorgeschlagen zu werden."

Jan Böhmermann will es auf jeden Fall bis zum 6. Dezember versuchen und startet als Bewerbung für das Amt des SPD-Vorsitzenden mit der ersten von sieben, laut seiner Aussage, anonymen Reden: "Ausrufung einer überfälligen Entschuldigung vom Balkon des Reichstags".

Martin Paul im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Martin Paul ist Teil des Online-Teams von MDR SACHSEN-ANHALT und begeistert von den Möglichkeiten und Ausdrucksformen des digitalen Journalismus – Daten und Code, Visualisierung und Video, Longread und Ticker, Social-Media und Dialog. Was ihn umtreibt? Besonders die Frage, wie man das Netz frei und offen gestalten und Teilhabe garantieren kann.

Online-Journalismus hat er im Studiengang Multimedia & Autorschaft an der Universität in Halle und bei der Mitteldeutschen Zeitung gelernt. An der Universität in Leipzig hat er Kultur- und Vergleichende Literaturwissenschaft studiert.

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Oktober 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2019, 12:02 Uhr

12 Kommentare

Bernd L. vor 3 Wochen

Als langjähriger Ex-SPD-Stammwähler, der für diese Partei auch Wahlkampf gemacht hat, blutet mir das Herz, wenn ich sehe, dass dieser talentarme Spinner die Partei von Bebel und Brandt für seine dümmlichen und narzistischen Spässe missbraucht.

schmitti94 vor 3 Wochen

Jan Böhmermann ist nun Mitglied des Köthener Ortsverein der SPD! Dieser Fakt ist schon alleine ein triftiger Grund meine Jahrzehnte lange Treue und Anhängerschaft zur SPD nun endgültig adieu zu sagen. Quo vadis SPD, adieu!

Wolf vor 3 Wochen

Wann wir schreiten Seit an Seit - mit Böhmermann- dem Morgenrot entgegen. Und die SPD, die ich jahrelang gewählt hatte, erreicht jetzt ein Niveau, das sie längst verdient hat. Schön für ARD/ ZDF, dass sie dann einen verdienten Parteigenossen an der Seite hat, der das Zeug hat sogar Kleber abzulösen. Am Ende sogar noch den Seibert als Regierungssprecher. Dann wächst endlich zusammen, was zusammengehört, wie schon Willy sagte.

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