Forstarbeiter beseitigen mit einem Harvester die Sturmschäden.
Die Bundeswehr soll Sachsen-Anhalts Waldbesitzern bei der Räumung geschädigter Bäumen helfen. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Tote Bäume räumen Waldschäden durch Borkenkäfer und Dürre: Bundeswehr könnte helfen

Waldbesitzer in Sachsen-Anhalt haben Probleme, tote Bäume schnell aus ihren Wäldern zu schaffen. Die Bundesverteidigungsministerin hat dem Land angeboten, dass die Bundeswehr bei der Waldberäumung helfen könnte. Wovon es noch abhängt, ob Soldaten die Waldbesitzer unterstützen.

Forstarbeiter beseitigen mit einem Harvester die Sturmschäden.
Die Bundeswehr soll Sachsen-Anhalts Waldbesitzern bei der Räumung geschädigter Bäumen helfen. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Stürme, Dürre und der Borkenkäfer haben in Sachsen-Anhalts Wäldern große Schäden hinterlassen. Waldbesitzer hatten schon 2018 geklagt, dass sie mit dem Aufräumen der Wälder nicht nachkämen. Dadurch konnte sich der Borkenkäfer vor allem im Harz rasant ausbreiten und noch mehr Bäume schädigen.

In einem Brief an Ministerpräsident Reiner Haseloff hat Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer Sachsen-Anhalt nun die Hilfe der Bundeswehr angeboten. Das geht aus einer Mitteilung der Staatskanzlei hervor. Haseloff sagte, dass er das Angebot gerne annehme. Nun solle mit Innenministerium, Umweltministerium und Waldbesitzern geklärt werden, ob und wie die Bundeswehr helfen könne. Bereits am Freitag soll es im Innenministerium ein erstes Gespräch geben. Innenminister Holger Stahlknecht hat erklärt, dass er die Bundeswehr um Hilfe bei der Waldberäumung bitten will, um die Situation vor Ort zu entlasten.

Hürden auf dem Weg zur Bundeswehr-Hilfe

Annegret Kramp-Karrenbauer äußert sich auf einer Pressekonferenz der Union zum Ergebnis der Europawahl.
Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat Sachsen-Anhalt die Hilfe der Bundeswehr angeboten. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Bevor allerdings Soldaten in Sachsen-Anhalts Wäldern eingesetzt werden können, muss das Land einen sogenannten Amtshilfeantrag an die Bundeswehr stellen.

Dazu muss das Land ermitteln, wo genau überhaupt Hilfe bei der Forstberäumung benötigt wird. Sachsen-Anhalt muss die eigenen Ressourcen für diese Arbeit prüfen und zudem erwägen, ob das Technische Hilfswerk (THW) nicht einspringen könnte. Erst danach könnte es zur Hilfe durch die Bundeswehr kommen.

Wann darf die Bundeswehr im Inneren agieren

Nur in Ausnahmen kommen die Kräfte der Bundeswehr innerhalb Deutschlands zum Einsatz. Denn das Grundgesetz legt fest, dass Streitkräfte eigentlich nur zur Verteidigung Deutschlands eingesetzt werden dürfen. Für die Innere Sicherheit ist dagegen die Polizei zuständig.

Es gibt Ausnahmen von dieser Regelung: Wenn ein Innerer Notstand ausgerufen wird, die demokratische Grundordnung oder das Bestehen Deutschlands gefährdet ist, oder wenn die Bundeswehr Katastrophenhilfe leisten muss. Das kann beispielsweise nach einer Naturkatastrophe oder einem besonders schweren Unglück der Fall sein, wenn Sicherheit und Ordnung wiederhergestellt werden muss.

Landesbehörden können Soldaten zudem zur Amtshilfe anfordern, um etwa nach einem Hochwasser Sandsäcke zu stapeln. Um Amtshilfe würde es sich auch handeln, wenn die Bundeswehr bei der Forstberäumung in Sachsen-Anhalt helfen würde. Das ist dann aber kein Bundeswehreinsatz, sondern lediglich eine Unterstützungsmaßnahme.

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert lehnte einen Einsatz der Bundeswehr zur Rettung der Wälder unterdes ab. Auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT sagte sie: „Unsere Wälder sind nicht mit der Bundeswehr zu retten, sondern das erste Opfer der Klimakrise. Wir müssen zuallererst alle uns möglichen Maßnahmen ergreifen, um die Treibhausgasimmissionen zu mindern. Klimaschutz ist Waldschutz."

Wald im Nationalpark Harz wird nicht geräumt

Nationalpark Harz Waldwandel
Im Nationalpark Harz bleiben tote Bäume als Nahrungsquelle im Wald. Bildrechte: Nationalpark Harz

Auf dem Gebiet des Nationalparks Harz dagegen bleiben tote Bäume als Lebensraum für Tiere und Nahrungsquelle für junge Bäume im Wald liegen. Auf diese Weise soll im Nationalpark Harz mit der Zeit ein naturnaher Wald entstehen.

In einem naturnahen Wald herrscht "kreatives Chaos": Tote, junge und ältere Bäume unterschiedlicher Arten stehen nebeneinander. Der von Menschen angepflanzte, von gleichalten Fichten dominierte Wald im Harz soll ein Mischwald mit deutlich mehr Laubbäumen – vor allem Buchen – werden. So sah der Wald im Harz laut Nationalpark ursprünglich bis ins späte Mittelalter aus. Für den Bergbau sei dieser Urwald gefällt und mit schnell wachsenden Fichten aufgeforstet worden.

Grüne: Wälder sollen naturnaher werden

Mit dem Klimawaldprogramm wollen die Grünen fördern, dass auch öffentliche und private Waldbesitzer ihre Wälder naturnah umgestalten. Auch Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert hat das Papier unterzeichnet und stellt Geld für den Aufbau von Mischwäldern bereit. Der Vorteil sei, dass naturnahe Wälder mit hohem Laubbaumanteil klimabeständiger seien. Das Ziel der deutschen Biodiversitätsstrategie ist den Grünen zufolge, bundesweit fünf Prozent der Waldfläche der Natur zu überlassen.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. August 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 18:13 Uhr

2 Kommentare

C.T. vor 15 Wochen

Wir wäre es damit: Überlasst einen Teil des Waldes sich selbst. Wie bereits in den Nationalparks. Den andern Teil, den Wirtschaftswald, für den werden diejenigen in die Pflicht genommen, die in guten Zeiten die Erträge kassiert haben. Mehr Handlung und öffentliche Mittel bedarf es in Sachen Deutscher Wald nicht.

Mediator vor 15 Wochen

Vielleicht geht man einmal den vernünftigen Weg und stellt durch eine klare Lagebeurteilung fest, welche Fähigkeiten überhaupt vom Land benötig werde um größere Schäden um Forst zu verhindern und stellt DANN fest, welche Organisationen oder gar private Firmen im Land diese Fähigkeiten besitzen.

Die Bundeswehr hat aus meiner sicht wenig für das beschriebene Szenario anzubieten. Hauptsächlich in der Pioniertruppe sind Soldaten soweit ausgebildet, dass sie eine Motorsäge bedienen können, ohne für sich und andere zu einer Gefahr werden. Auch über Harvester verfügt die Bundeswehr nicht und wie ein Wald nach der Durchfahrt eines Bibers oder Dachs aussieht, dass will man sich besser nicht vorstellen.

Um die Schäden in den Wäldern zu beseitigen wird wohl mehr als ein bischen Manpower und ein Klauenbeil benötigt.

Mehr aus Sachsen-Anhalt