Zwei Tage Maskenpflicht Sachsen-Anhalts Schulen starten im Regelbetrieb – fast

Am Donnerstag wird der Schulbetrieb in Sachsen-Anhalt wieder starten – unter fast normalen Bedingungen. Wir haben Bildungsminister Marco Tullner mit Fragen unserer Facebook-Nutzer konfrontiert. Er hat erklärt, warum er gegen eine allgemeine Maskenpflicht und für so viel Normalität wie möglich ist.

Marco Tullner steht in einem Klassenzimmer
Marco Tullner hat sich den kritischen Fragen des MDR-Publikums gestellt. Bildrechte: dpa

Der 27. August ist der erste Schultag in Sachsen-Anhalt nach den Sommerferien und der langen Pause ohne regulären Präsenzunterricht, die für viele Schülerinnen und Schüler wegen der Corona-Pandemie galt. Knappe zwei Wochen vorher, am vergangenen Dienstag, hat das Bildungsministerium seine Pläne für den Schulbetrieb in Pandemie-Zeiten der Öffentlichkeit mitgeteilt

Seitdem gibt es auch Kritik an den Maßnahmen des Bildungsministeriums. Viele Lehrkräfte und Schulleitungen sind unsicher, wie der Schulbetrieb ab Donnerstag funktionieren wird. In der Zeitspanne von zwei Wochen sind die Maßnahmen für sie teilweise schwer umzusetzen. Der Verband der Schulleitungen in Sachsen-Anhalt fordert laut der Volksstimme stärkere einheitliche Vorgaben, auch der Landesschülerrat äußerte sich kritisch.

Das Live-Interview zum Nachschauen

Deswegen hat MDR SACHSEN-ANHALT Bildungsminister Marco Tullner (CDU) in einem Live-Interview auf Facebook die Fragen gestellt, die uns in den sozialen Medien von Leserinnen und Lesern erreicht haben. Tullner selbst hatte nach seinem Urlaub mehrere Corona-Tests machen müssen, bevor er wieder zurück in die Staatskanzlei durfte. Er war einen Tag, nachdem die Insel zum Risikogebiet erklärt worden war, von seinem Urlaub aus Mallorca zurückgekommen.

Tullner ist gegen allgemeine Maskenpflicht

Den Vorwurf, dass das Bildungsministerium seine Pläne für die Schulöffnungen zu spät öffentlich gemacht habe, weist Tullner zurück. Er habe es nicht so wahrgenommen, dass die Schulleitungen unzufrieden mit dem Zeitpunkt gewesen seien, an dem das Ministerium die Pläne veröffentlicht habe: "Das waren einzelne Stimmen, die auch in den Medien repräsentiert waren." Der Termin, den das Ministerium bewusst gewählt habe, sei aus seiner Sicht sinnvoll und richtig gewesen.

Zum einen habe das Ministerium so die Erfahrungen aus anderen Bundesländern mit nutzen können: "Sachsen-Anhalt hatte den Vorteil, nicht das erste Bundesland zu sein, in dem nach den Ferien die Schulen wieder öffnen – da wäre es töricht gewesen, das nicht zu nutzen." Außerdem kämen die meisten Lehrkräfte in den Schulen eine oder zwei Wochen vor Ferienende zusammen. Pünktlich zu diesem Zeitpunkt seien die Maßnahmen bekannt gewesen.

Marco Tullner ist gegen eine allgemeine Maskenpflicht in Schulen, wie sie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen gilt. Dort hat vor kurzem ein Gericht bestätigt, dass die Maskenpflicht rechtmäßig ist. In Sachsen-Anhalt gilt die Maskenpflicht in der Schule nur an den ersten beiden Schultagen, am Donnerstag und am Freitag, und nur außerhalb des Unterrichts. In diesen beiden Tagen sollen die Schülerinnen und Schüler oder deren Eltern den mit einem Formular schriftlich versichern, dass sie die Infektionsschutzmaßnahmen und den Hygieneschutzplan kennen und selbst coronafrei sind.

Welche weiteren Regelungen gibt es für die Maskenpflicht an Schulen in Sachsen-Anhalt?

Wo innerhalb des Schulgebäudes, aber außerhalb des Unterrichts, in den ersten beide Schultagen eine Maskenpflicht gilt, entscheidet jede Schulleitung einzeln – unter anderem basierend darauf, ob das Schulgebäude es möglich macht, den Abstand von 1,5 Metern einzuhalten. Ausgenommen von der Pflicht sind Kinder bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres und Menschen, die nachweisen können, dass es ihnen aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, eine Maske zu tragen.

Unterschriebenes Formular für Unterricht nötig

Ab Montag gilt dann keine Maskenpflicht mehr in den Schulen in Sachsen-Anhalt. "Ich kann verstehen, dass manche Menschen von diesen zwei Tagen Maskenpflicht verwirrt sind", sagt der Bildungsminister im Interview, "vor allem, wenn wir sonst eigentlich von zwei Wochen Quarantäne sprechen." Die zweitägige Maskenpflicht sei in diesem Fall keine medizinische oder virologische Maßnahme, sondern habe administrative Gründe. Es gehe darum, die Zeit zu überbrücken, bis die unterschriebenen Erklärungen vorlägen. Dass die unterschriebenen Formulare kein Ersatz für Corona-Tests seien, ist ihm bewusst.

Die unterschriebenen Formulare bis zum Montag mit in die Schule zu bringen, ist für die Eltern und Jugendlichen eine Pflicht, sagt Tullner. Kinder, die den Zettel bis zum Montag nicht mit in die Schule bringen, dürfen die Schule nicht betreten. Für die Schülerinnen und Schüler wird der Tag dann als Fehltag gewertet.

Sport, Musik und Klassenfahrten sind erlaubt

Nicht nur die zweitägige Maskenpflicht, sondern auch andere Maßnahmen sollen helfen, dass die Schulen in Sachsen-Anhalt nicht zu Infektionsherden werden. Unter anderem werde darauf geachtet, dass in allen Schulen wirklich ausreichend Seife zur Verfügung stehe. Innerhalb der Schule würden außerdem Kohorten gebildet – also klar definierbare Gruppen, die voneinander abgegrenzt werden können, so dass sie sich zum Beispiel auch auf dem Pausenhof nicht begegnen.

Wie viele Menschen so einer Kohorte angehören dürfen, dafür gibt es keine Vorgaben: "Das kann auch ein ganzer Jahrgang sein", sagt Tüllner. Klar ist dabei allerdings auch: Die Trennung zwischen den Kohorten kann nur für die Schule festgelegt werden: "Wir können den Schülern ja nicht verbieten, sich nach der Schule zum Beispiel im Fußballverein auch mit anderen Menschen zu treffen."

Marco Tullner
Bildrechte: Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt, Ronny Hartmann

Eine Gesellschaft, die der Gesundheit die oberste Priorität zumisst, wird am Ende eine Gesellschaft sein, wo jeder einzelne im Bunker sitzt und dann ist man sehr gesund. Aber ob das eine Gesellschaft ist, die wirklich das abbildet, was wir wollen – da habe ich meine großen Zweifel.

Marco Tullner, Bildungsminister in Sachsen-Anhalt

Sportunterricht kann an den Schulen weiterhin stattfinden, auch Klassenfahrten sind erlaubt. Für letztere hat das Bildungsministerium die Schulen gebeten, Reisen zu buchen, die stornierbar sind – und eher gegen Ende des Schuljahres stattfinden. Dazu Tullner: "Jetzt haben doch erst einmal andere Dinge Priorität, zum Beispiel alles aufzuholen, was manche vielleicht verpasst haben." Auch Musikunterricht kann an den Schulen stattfinden – auch, wenn vorerst vor allem im Freien gesungen werden soll.

"Einerseits müssen wir deutliche Regeln vorgeben – andererseits müssen wir aber auch sehen, dass das Menschen sind, die sich an die Regeln halten müssen", sagt Bildungsminister Tullner. Er habe viele Briefe von besorgten Eltern bekommen, die sich eine Maskenpflicht gewünscht haben, aber auch viele Briefe von Eltern, die Corona-Vorsorgemaßnahmen insgesamt ablehnten. Zwischen beiden Extremen die richtigen Maßnahmen zu finden, sei nicht einfach gewesen. Vor allem, weil Schule und gleiche Bildungschancen für alle so wichtig für eine Gesellschaft seien. Sein Fazit: "Wir sollten vorsichtig, aber auch mutig sein, unseren Alltag soweit möglich wieder zu organisieren."

"Ziel ist, die Schulen offen zu halten"

Schülerinnen und Schüler das Halbjahr wiederholen zu lassen, hält Tullner für keine gute Idee. Das sei zu pauschal. Zwar hätten manche Schüler Defizite, andere lägen aber gut im Lehrplan. Für die erste Zeit des Schulhalbjahres sei es deswegen wichtig, zu evaluieren, wie groß die Defizite insgesamt seien.

Aber was, wenn die Maßnahmen des Landesbildungsministeriums nicht ausreichen? Wenn die Corona-Infektionen sich an den Schulen häufen? "Wir sind gut vorbereitet und wir leben in einem Land, das nur wenige Corona-Fälle hat", sagt Tullner. Trotzdem könne es passieren, dass neue Herausforderungen für die Schulen entstünden. Das Land habe deswegen einen dreistufigen Plan entwickelt. Neben dem Regelbetrieb, in dem die Schulen jetzt starten, gibt es darin auch die Möglichkeit eines eingeschränkten Regelbetriebs und schließlich die dritte Stufe: Schulschließungen.

"Das Ziel ist, die Schulen offen zu halten und so vielen Schülern wie möglich den Schulbesuch zu ermöglichen. Aber im Zweifelsfall müssen wir auch Quarantänemaßnahmen einhalten – und bereit sein, zu lernen", sagt Tullner. Es sei nicht so, dass die Schulen mit einem Plan ins neue Lehrjahr starteten und damit sei alles gut. Sondern man müsse sensibel auf neue Erkenntnisse und Entwicklungen achten und, wenn nötig, mit Maßnahmen reagieren.

Quelle: MDR/aso

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 24. August 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Elbbewohner vor 26 Wochen

Na ja, das ist schon mutig. Ich kenne nur Lehrer, die angesichts dieser Planung ziemlich verunsichert sind und wohl kaum nachvollziehen können, dass alle beim Einkauf nur mit Maske in den Laden dürfen, Schüler (bis hin zu 19jährigen Erwachsenen etwa in den Gymnasien und berufsbildenden Schulen) und ihre Lehrer den Winter aber ohne Abstand und Schutzmaßnahmen über sechs Stunden täglich gemeinsam in geschlossenen Räumen verbringen.
Schon ein wenig irre sind allerdings Aussagen wie diese: Schulen sollen dafür jetzt ausreichend Seife zur Verfügung stellen. Was hatten sie denn bislang zur Verfügung? Sowas aus dem Ministerium - nun ja...
Wir dürfen auf das Ergebnis gespannt sein. Warten wir's ab.

Magdeburg vor 26 Wochen

Was ist richtig und was ist falsch. Das weiss man immer erst im Nachhinein. Ein wenig normalität wäre schon gut für Kinder und Eltern.

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