Debatte über Feiern in Pandemie-Zeiten Corona und Silvester: Verbot von Feuerwerk in Sachsen-Anhalt unwahrscheinlich

Die Diskussion ist nicht neu – sie hat aber wegen Corona eine neue Facette bekommen: Sollten Böller und Raketen zu Silvester verboten werden? Gerade jetzt, wo Menschen sich am besten gar nicht treffen sollten? Ja, sagen einige Politiker und der Chef der Polizei-Gewerkschaft. Aus Sachsen-Anhalt kommt Widerstand. Ein grundsätzliches Böllerverbot erscheint hier äußerst unwahrscheinlich.

Führende Politiker in Sachsen-Anhalt sind trotz der steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus gegen ein grundsätzliches Böller-Verbot zu Silvester. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sagte bei MDR SACHSEN-ANHALT, er werde ein solches Verbot keinesfalls aussprechen – "weil ich nicht wüsste, wie ich das begründen kann". Trümper warnte zudem davor, den in Corona-Zeiten ohnehin oft frustrierten Menschen mit weiteren Verboten zu begegnen.

Trümper: Wer Feuerwerk verbietet, schafft das genaue Gegenteil

Möglich wäre den Worten des Oberbürgermeisters ein bundesweites Verkaufsverbot von Böllern, Raketen und Co. "Wenn jemand sich auf Bundesebene dazu bereit erklärt, kann er das ja gern machen", sagte Trümper. Für eine einzelne Stadt wie Magdeburg könne er so ein Verkaufsverbot allerdings nicht auferlegen.

Ich halte das für völlig sinnlos. Das kann kein Mensch kontrollieren. Und ich glaube, in der aktuellen Situation, wo immer mehr Menschen frustriert sind, zu sagen: 'Ich verbiete dir das Silvesterfeuerwerk'. Das schafft genau das Gegenteil.

Lutz Trümper, SPD Oberbürgermeister von Magdeburg

Die Debatte um ein mögliches grundsätzliches Böller-Verbot war am Donnerstag aufgekommen. Der Polizei-Gewerkschafter Rainer Wendt hatte das in der "Bild"-Zeitung angeregt – und seinen Vorschlag mit der Pandemie begründet. Der Zeitung sagte Wendt, zum Feuerwerk gesellten sich rasch Alkohol, Personengruppen und Partystimmung. Das sei in diesem Jahr nicht angesagt.

Stendal: Generelles Verbot wäre übertrieben

Auf ein Verbot will aber auch die Stadt Stendal dennoch nicht setzen. Der Pressesprecher der Stadt, Armin Fischbach, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Stadt halte ein generelles Feuerwerksverbot für übertrieben. Die Infektionszahlen in der Hansestadt und in der Region seien niedrig. Eine endgültige Entscheidung aus Halle gibt es dagegen noch nicht. Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) sagte, man sei noch in der Prüfung. Die Zuständigkeit für ein Verbot liege aber bei der Polizei.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hat sich ebenfalls gegen ein grundsätzliches Feuerwerksverbot ausgesprochen. Stahlknecht sagte am Donnerstag, jeder trage sowohl Verantwortung dafür, dass die Pandemie gebremst werde, als auch dafür, zu Silvester vernünftig mit Feuerwerk umzugehen. Der Schlüssel zum Erfolg könne nicht das generelle Verbot von Silvesterfeuerwerk sein.

Über lokale Böllerverbote entscheiden in Sachsen-Anhalt grundsätzlich die Kommunen. Deshalb bestehen solche Verbote in einigen Städten bereits seit mehreren Jahren, etwa in Quedlinburg oder Wernigerode. Dort durfte wegen der vielen historischen Fachwerkhäuser schon in den vergangenen Jahren nicht geböllert werden. Verboten ist das Zünden von Raketen oft auch in der Nähe von Krankenhäusern und Kindern- und Altenheimen.

Was halten Sie von einem Verbot von Silvester-Feuerwerk – wegen Corona?

79% 8421 Stimmen   Das finde ich total daneben – Silvester ohne Böller und Raketen ist kein Silvester.
4% 470 Stimmen   Wenn es hilft, dass sich nicht unnötig viele mit Corona infizieren – warum nicht?
17% 1812 Stimmen   Feinstaub, Krach, viel Müll – ein Verbot wäre gut, auch ganz ohne Corona.

Stand: 21.11.2020 00:00:00 Uhr 10703 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Die Abstimmung ist beendet.

Gegen ein grundsätzliches Böller-Verbot hat sich auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund ausgesprochen. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte, alles werde verboten, nirgends könne man hin. Es werde in diesem Jahr natürlich keine riesigen Partys geben, sagte Landsberg. Er sehe aber kein Anlass für ein Verbot für einzelne Haushalte.

Die Leute haben Frust ohne Ende.

Gerd Landsberg Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes

In den Niederlanden hatte die Regierung vorige Woche entschieden, privates Feuerwerk in diesem Jahr zu verbieten. Ärzte und Krankenpfleger sollen sich ausschließlich um die Menschen kümmern können, die beispielsweise mit einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus liegen, hieß es. Die Notaufnahmen sollten nicht zusätzlich mit Menschen gefüllt werden, die durch Feuerwerkskörper verletzt wurden. 

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. November 2020 | 08:00 Uhr

2 Kommentare

Denkschnecke vor 7 Tagen

Rainer Wendt? Echt? Der Rainer Wendt, der erst vor Kurzem Innenstaatssekretär in Sachsen-Anhalt werden sollte? Und dabei an seinem selbstverschuldeten Disziplinarverfahren wegen verschwiegener Einkünfte gescheitert ist, während sein Fanclub Dolchstoßlegenden im Sinne von "zu konservativ" strickte? Ich fürchte, in der Gunst der besorgten Bürger fällt man mit solchen Vorschlägen schnell sehr tief.

Uwe B vor 7 Tagen

So ein Verbot wäre nun wirklich vollkommen idiotisch. Ich sehe nicht, dass beim Böllern die Pandemieregeln nicht beachtet würden. Man hält schon aus gesundem Respekt vor dem Feuerwerkszeug auf Abstand. Und was die Niederlande treiben: Die meisten Unfälle passieren ohnehin durch illegales Feuerwerk. Das war schon immer illegal, soll es auch bleiben.

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