Umweltministerin im Interview Dalbert gegen Obergrenze für den Wolf

Die Zahl der Wölfe in Sachsen-Anhalt ist gestiegen. Forderungen nach einer Obergrenze erteilt Umweltministerin Dalbert dennoch eine Absage. Im Interview zeigt sie sich außerdem enttäuscht über die Höhe der Bundeshilfen für Waldschäden.

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) hat sich mehr finanzielle Unterstützung zur Walderhaltung erhofft. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT sagte sie, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) habe allerdings einen Schlüssel gewählt, der Sachsen-Anhalt benachteilige. Dabei sei das Bundesland von Waldschäden am meisten betroffen. Es ärgere sie, dass man schlechter behandelt werde als andere Länder, die zwar viel Wald, aber weniger Schäden hätten.  

Sie habe gedacht, dass Bund und Land den Waldbesitzern pro Jahr zusammen 16 Millionen Euro zur Verfügung stellen könnten, so Dalbert. Nun seien es 10 Millionen. Man sei aber dennoch zuversichtlich, dass mit dieser Summe die größten Schäden behoben werden können. Zudem werde Mitte des kommenden Jahres überprüft, ob das Geld zwischen den Ländern womöglich noch umgeschichtet werde. So könne man am Ende vielleicht doch noch mehr Unterstützung bekommen als derzeit angedacht.

Wolfsangriffe: Ministerin setzt auf Herdenschutz

Ein anderes Thema, das das Umweltministerium in diesem Jahr viel beschäftigt hat, ist der Umgang mit dem Wolf. In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Tiere in diesem Jahr auf 98 angestiegen, Landwirte sorgen sich um ihre Schafe und andere Nutztiere. Von einer Obergrenze für den Wolf hält Dalbert dennoch nichts. Man setze weiterhin auf den Herdenschutz: "Unsere Strategie hat in den letzten beiden Jahren Erfolg gezeigt. Die Rissattacken auf Weidetiere haben abgenommen."

Neues Gesetz zum Wolfsabschuss

Der Bundestag hat im Dezember einen leichteren Abschuss von Wölfen beschlossen. Dem Gesetz zufolge ist ein Abschuss künftig auch dann möglich, wenn unklar ist, welcher Wolf genau eine Schafherde angegriffen hat.

Dalbert kritisiert das neue Gesetz. Damit streue man den Leuten Sand in die Augen. Am Ende gelte immer das europäische Recht. Die Umweltschutzorganisation WWF dagegen begrüßt die Pläne. Auch mit dem neuen Gesetz bleibe der strenge Schutzstatus des Wolfes erhalten.

Über Schritte zu diskutieren, von denen man wisse, dass sie rechtlich nicht möglich seien, bringe niemanden weiter. "Wir müssen mit unserer Arbeit dafür sorgen, dass das Nebeneinander auf der Weidefläche funktioniert", so die Grünen-Politikerin.

#MDRklärt Das ist der Unterschied zwischen Wolfsriss und Wolfsübergriff

Geht es um den Wolf, werden Diskussionen schnell hitzig – und Zahlen und Begrifflichkeiten leicht verwechselt. So besteht zwischen einem Riss und einem Übergriff durch den Wolf auf andere Tiere ein großer Unterschied.

Ein Wolf im Wildpark Schorfheide trägt ein Stück Fleisch im Maul.
Bildrechte: IMAGO
Ein Wolf im Wildpark Schorfheide trägt ein Stück Fleisch im Maul.
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Europäischer Grauwolf fletscht die Zähne
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Von einem Wolfsübergriff wird gesprochen, wenn ein Wolf ein oder mehrere Tiere angreift.
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Ein Europäischer Grauwolf in einem weitläufigen Gehege im Wald
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Von einem Wolfsriss wird gesprochen, wenn ein Wolf ein Tier tötet.
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Das bedeutet: Bei einem Übergriff können mehrere Tiere getötet werden.
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Das erklärt, warum es mehr Wolfsrisse als Wolfsübergriffe in Sachsen-Anhalt gibt.
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Statistik über Risse und Übergriffe 2017/2018: Es gibt 50 Übergriffe und 234 Risse
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. Dezember 2019 | 21:00 Uhr

Quelle: MDR/mx
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Dalbert stolz auf Grünes Band

Insgesamt zeigt sich Dalbert mit dem zu Ende gehenden Jahr zufrieden. Man habe große Projekte gestemmt – etwa das Grüne Band, das zwischendurch eine große Belastung für die Koalition gewesen sei.

Aber ich bin sehr froh, dass wir das am Ende alle gemeinsam geschafft haben, die ehemalige innerdeutsche Grenze, den Todesstreifen, der zur Lebenslinie geworden ist, als nationales Naturmoment zu sichern.

Umweltministerin Dalbert

Die Arbeit am Grünen Band fange jetzt erst so richtig an, so Dalbert. Das beschlossene Gesetz sei eine gute Ausgangsbasis. Jetzt müsse man mit den Menschen vor Ort Pläne entwickeln, wie sich die 1.200 bedrohten Arten entlang des Grünen Bandes weiterentwickeln könnten. Außerdem gehe es darum, Erinnerungskultur erlebbar zu machen.

Ein Wegweise des Gruenen Band.
Das Grüne Band entlang der früheren deutsch-deutschen Grenze steht in Sachsen-Anhalt nun unter besonderem Schutz. Bildrechte: imago/Eckehard Schulz

Ob Kenia hält, liegt am Haushalt

Für 2020 setzt Dalbert ihren Fokus auf den ländlichen Raum. Die Ministerin bezeichnete dies als ihr wichtigstes Schwerpunktthema für das kommende Jahr. Geplant seien viele Termine vor Ort sowie Heimatkonferenzen, um genau zuzuhören. Ziel sei es, neue Ideen zu entwickeln, die den ländlichen Raum voranbringen.

Für die Kenia-Koalition sei nächstes Jahr vor allem der noch zu beschließende Haushalt die nächste Hürde. Man stehe vor schwierigen Verhandlungen. Wenn es aber gelinge, den Entwurf im März durch die zweite Lesung im Landtag zu bringen, werde die Koalition mit CDU und SPD bis zur nächsten Wahl im Juni 2021 halten.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Dezember 2019 | 12:00 Uhr

9 Kommentare

Steppe vor 21 Wochen

Ekkehard, der Verschwörungstheoretiker. Wir haben bisher zwei Fälle von Hybridisierung gehabt. Und der günstige Erhaltungszustand liegt bei 1.000 erwachsenen Tieren. ERWACHSEN. Und der besagt dann aber auch nicht im geringsten, dass der Wolf einfacher gejagt werden kann. Die EU hat erst vor zwei Monaten bestätigt, dass es keine Pläne gibt, den Schutz aufzuweichen. Aber manche wollen einfach die Realität nicht anerkennen.

Steppe vor 21 Wochen

Oh weia...da spricht der Experte. Die steigende Population ist ein Zeichen dafür, dass Wölfe einen gedeckten Tisch mit Nutztieren haben? Die steigende Population liegt in erster Linie daran, dass hier vorher über 100 Jahre keine Population war. Zudem waren unsere Wälder noch nie so voll mit wild und es gibt heute ca. 500 geeignete Territorien, die genügend Rückzugsmöglichkeiten bieten. DAS ist der Grund für eine steigende Population und nicht die Nutztiere. Die machen einen ganzen Prozent der Nahrung vom Wolf aus, aber ich weiß...alles Fake-News. Die Lügenpresse macht auch bei den Wölfen nicht halt.

Steppe vor 21 Wochen

Was hätte man denn sonst mit einem in Deutschland ausgestorbenen Tier machen sollen? Unter "Teilschutz" stellen? Sie sind mir schon so eine Weitsichtige. Die Weidetierhaltung ist nicht aufgrund des Wolfs unter Druck, sondern aufgrund einer völlig fehlgeleiteten Politik, die den Landwirten und Weidetierhaltern alles aus den Taschen gesaugt hat. Und das bei steigendem Konkurrenzdruck aus dem Ausland und fallenden Preisen. Der Wolf ist höchstens der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, aber sicher nicht der Kern des Übels. Ihr Beispiel bezüglich Schweden hinkt gewaltig. Dort sind aufgrund der Rentierzucht weite Gebiete vor dem Wolf geschützt. Darüber hinaus verstößt Schweden auch außerhalb dieser Gebiete gegen EU-Recht und hat einen minimalen Bestand von gerade mal ca. 200 Wölfen. Wenn das Ihr Vorbild ist und sie sogar noch weniger als Schweden zum Wolfsschutz beitragen wollen, dann gute Nacht. Dann braucht man sich mit Ihnen nicht ernsthaft weiter unterhalten.

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