Zwei Wölfe stehen nebeneinander
Die Rückkehr des Wolfs nach Sachsen-Anhalt macht sich auch im Landeshaushalt bemerkbar. Bildrechte: Colourbox.de

Themenschwerpunkt Wolf Das zahlt das Land für Herdenschutz und Co.

Der Wolf erhitzt viele Gemüter. Seit voriger Woche berichtet MDR SACHSEN-ANHALT in einem Schwerpunkt über die Rückkehr der Wölfe ins Land. Naturschützer, Jäger und Landwirte kamen zu Wort, auch Experten des Wolfskompetenzzentrums stellten ihren Standpunkt dar. Jetzt soll es um die Kosten gehen, die dem Land mit der Ansiedlung der Tiere anfallen – etwa für Herdenschutz oder für Entschädigungen.

Zwei Wölfe stehen nebeneinander
Die Rückkehr des Wolfs nach Sachsen-Anhalt macht sich auch im Landeshaushalt bemerkbar. Bildrechte: Colourbox.de

Das Land Sachsen-Anhalt hat allein in den vergangenen drei Jahren knapp 350.000 Euro für den Schutz von Weidetieren vor dem Wolf ausgegeben. Das hat das Umweltministerium MDR SACHSEN-ANHALT mitgeteilt. Voriges Jahr wurden demnach etwa 140.000 Euro ausgegeben, für das laufende Jahr sind im Haushalt des Landes 200.000 Euro für den Herdenschutz eingeplant.

Unter den Herdenschutz fallen neben Schutzzäunen auch Herdenschutzhunde, deren Anschaffung das Land finanziell fördert. Seit die Förderung voriges Jahr eingeführt wurde, hat allerdings erst ein Landwirt Gebrauch von ihr gemacht. Einer der Gründe für die geringe Resonanz ist nach Meinung des Naturschutzbundes (NABU), dass sich das Ministerium nicht mit den Schäfern abgestimmt habe – und die Förderung somit an den Bedürfnissen vorbeigeht.

Das Umweltministerium weist diese Darstellung bei MDR SACHSEN-ANHALT zurück. Nach Angaben einer Sprecherin hat sich das Ministerium "selbstverständlich" mit Organisationen wie dem Schafzuchtverband abgesprochen. Trotz alledem sollen zukünftig auch andere zertifizierte Hunderassen gefördert werden – wenn eine neue Richtlinie zu Herdenschutz und Schadensausgleich inkraft tritt. Damit sei im dritten Quartal dieses Jahres zu rechnen, kündigte das Ministerium an. Welche Rassen künftig hinzukommen könnten, ließ das Ministerium offen. Bislang zählen unter anderem Pyrenäen-Berghund oder Maremmano-Abruzzese zu den geförderten Rassen.

Der beste Schutz vor Wolfsangriffen seien aber ohnehin wolfssichere Zäune, ist sich das Umweltministerium sicher. Deshalb beteilige sich das Land mit 80 Prozent an den Anschaffungskosten. "Um eine 100-prozentige Förderung möglich zu machen, haben wir die Bundesregierung aufgefordert, dies bei der EU zu beantragen", heißt es in einer Stellungnahme weiter.

Anstieg bei Entschädigungszahlungen

Für den Fall, dass weder Zaun noch Hund den Wolf abhalten konnten und Weidetiere gerissen werden, haben Landwirte Anspruch auf Entschädigungszahlungen. Das regeln mehrere Verordnungen von Europäischer Union und dem Land Sachsen-Anhalt. Einzig: Wer eine solche Entschädigungszahlung bekommen möchte, muss sie beantragen – auch, wenn ein Experte des Wolfskompetenzzentrums bereits bescheinigt hat, dass der Wolf wohl der Verursacher gewesen ist.

Wer auf die Entschädigungszahlungen des Landes seit der Rückkehr des Wolfs zurückblickt, stellt insbesondere ab dem Jahr 2013 einen deutlichen Anstieg der jährlichen Zahlungen fest: Flossen im Jahr 2012 noch 171 Euro an Landwirte, waren es im Jahr darauf bereits 1.715 Euro. Ein weiteres Jahr später zahlte das Land gut 6.000 Euro für die Entschädigung von gerissenen Weidetieren. All das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der CDU hervor. Für dieses Jahr sind im Haushalt etwa 70.000 Euro für Entschädigungen eingeplant – und damit deutlich mehr, als das Land jemals für den sogenannten Schadensausgleich gezahlt hat.

Schadensausgleich nach Rissen von Großraubtieren
Jahr gezahlte Summe
2011 4.859 Euro
2012 171 Euro
2013 1.715 Euro
2014 6.016 Euro
2015 7.581 Euro
2016 20.198 Euro (vorläufiger Wert im November 2017)
2017 6.758 Euro (vorläufiger Wert im November 2017)

Insgesamt hat das Land in den Jahren 2008 bis 2017 gut 850.000 Euro für Herdenschutz, Entschädigungen und Co. ausgegeben. Die im laufenden Haushaltsjahr einkalkulierten Ausgaben sind da noch nicht mitgezählt.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14.05.2018 | 12:00 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 11:36 Uhr

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2 Kommentare

15.05.2018 08:06 A. Scholz 2

Augenwischerei.
Es fehlen sämtliche angefallenen Kosten für die ""Experten" des "Kompetenz"-zentrums"" usw.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Das ist doch aber auch gar nicht Thema des Artikels.

14.05.2018 23:52 Part 1

Weidetierhalter sollten gesetzlich verpflichtet werden nebenher noch mindestens zwei Esel in der Herde zu halten. Mit Blick auf Spanien und besonders Katalonien haben sich da positvie Erfahrungswerte seit Jahrhunderten herausgebildet, Zäune und Einpferchungen braucht es dort nicht, denn der Esel verteidigt sein Revier. Auch die Anwesenheit von Lamas in einer Schafherde soll sich stets positiv ausgewirkt haben auf den Bestand. Es gibt da aber Esel, die fordern Prämien und es gibt Esel die diese auch zahlen möchten, könnte man meinen bei besonderer Betrachtung.

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