Auf einem Schild wird für den Motorbootsportverein Wasserwandern Bernburg geworben
Die neue Datenschutzgrundverordnung hat auch Auswirkungen auf die Vereine in Sachsen-Anhalt, wie zum Beispiel der "Motorbootspotverein (MBSV) Wasserwandern Bernburg". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Große Verunsicherung Vereine kämpfen mit neuen Datenschutz-Regeln

Vielen Vereinen und Verbänden in Sachsen-Anhalt macht die neue Datenschutzgrundverordnung zu schaffen. Einige löschen ihre Internetseiten oder verlassen Facebook. Viele Vereinsmitglieder wissen nicht, was die Verordnung bedeutet und was nun gemacht werden muss. Sie fordern unter anderem mehr Hilfestellungen von Politik und Medien.

Auf einem Schild wird für den Motorbootsportverein Wasserwandern Bernburg geworben
Die neue Datenschutzgrundverordnung hat auch Auswirkungen auf die Vereine in Sachsen-Anhalt, wie zum Beispiel der "Motorbootspotverein (MBSV) Wasserwandern Bernburg". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die vor rund einem Monat in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU sorgt weiter für große Verunsicherung bei Sachsen-Anhalts Vereinen. Einige haben bereits ihre Facebook-Seiten abgeschaltet. Andere haben ihre Vereins-Webseiten zunächst ganz vom Netz genommen, so wie der Motorbootsportverein "Wasserwandern" aus Bernburg.

Die Verunsicherung sei zunächst zu groß gewesen, erklärt Vorstandsmitglied Petra Schoon. Sie kümmert sich im Verein um die Öffentlichkeitsarbeit. Zwar habe man auch vor Inkrafttreten der DSGVO eine Webseite mit Datenschutzhinweis gehabt. Die aber habe nun nicht mehr den Regeln entsprochen. "Was haben wir im ersten Moment gemacht, um nicht gleich ins offene Messer zu laufen? Wir haben die Seite leider erstmal abschalten müssen", sagte Schoon MDR SACHSEN-ANHALT.

Kein Webangebot, keine Gäste

Eine Frau blickt während eines Interviews in die Kamera
Petra Schoon kümmert sich im Verein "MBSV Wasserwandern Bernburg" um die Öffentlichkeitsarbeit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Angst sei zu groß gewesen, gegen das Gesetz zu verstoßen und abgemahnt zu werden. Denn in den Medien sei schließlich von massiven Strafen bei Verstößen berichtet worden. Doch das Abschalten der Webseite hatte natürlich seine Konsequenzen. "Unsere Gäste und Mitglieder waren damit erstmal ohne Informationen. Das ist schade gewesen", so Schoon. Sie sei von vielen Seiten angesprochen worden, was denn passiert sei, dass die Webseite gar nicht funktioniere.

Doch eine gute mobile Seite ist für den Verein sehr wichtig – zum Beispiel, damit sich Wasserwanderer rechtzeitig die Liegeplätze reservieren können, die der Verein betreibt. Hafenmeister Ralf Hoffmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir verdienen damit unser Geld. Wer die Infos nicht online nachlesen kann, der müsste in den Schaukasten schauen. Und dafür müsste er anlegen und aussteigen. Die Webseite ist wichtig."

Mehr Hilfe für Umstellung gefordert

Nahaufnahme eines Mitgliedsantrages im Verein Wasserwandern Bernburg
Unter anderem müssen Mitgliedsanträge und Datenschutzerklärungen auf die DGSVO angepasst werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Vereinsleben komplett offline ist für den Verein also keine Alternative. Drei Wochen ohne Webseite haben genügt. Mittlerweile hat Petra Schoon die Seite aktualisiert. Der Verein ist im Netz wieder auffindbar. Doch der Aufwand dahinter sei enorm gewesen. Datenschutzerklärungen aktualisieren, Formulare und Anträge anpassen, und, und, und.

Unterstützung bei der Umstellung? Fehlanzeige! Petra Schoon hat auf mehr Hilfestellung gehofft. Da der Verein keinem Dachverband mehr angehöre, sei man auf sich selbst gestellt. Das Wissen habe sie im Internet recherchiert, sagt die 62-Jährige.

Vieles weiß ich wahrscheinlich noch gar nicht. Ich würde mir wirklich wünschen, dass man mehr Hilfestellung durch Politik und Medien bekommt.

Petra Schoon, Vorstandsmitglied beim Motorbootsportverein Wasserwandern Bernburg"

Doch auch wenn eventuell noch nicht alles nach den neuen Regelungen perfekt sei, fühle sie sich jetzt besser. "Wenn man, wie andere Vereine, noch gar nichts gemacht hatte, hätte ich meine Sorgen. Wir haben das mit bestem Wissen und Gewissen gemacht." Jetzt aber müsse es weitergehen. Das Ganze sei ein Prozess.

Museumsverband kritisiert Landesregierung Auch der Museumsverband Sachsen-Anhalt hat seine Facebook-Seite bereits vom Netz genommen. Dessen Geschäftsführerin Susanne Kopp-Sievers sagte MDR SACHSEN-ANHALT, sie bedauere sehr, dass man rund 900 Facebook-Follower nicht mehr bedienen könne.

Kritik äußert sie dabei vor allem an der Landesregierung, die die zurückliegende zweijährige Übergangsphase nicht gut genutzt habe: "Ich hätte mir gewünscht, dass wesentlich früher, in einer groß angelegten Kampagne oder Informationsschreiben auf diese Übergangszeit hingewiesen worden wäre. Einmal auf den Arbeitsaufwand, aber auch auf die Gefahren durch die sozialen Medien, wenn man bei Facebook, Twitter und Co. aktiv ist." In Bayern sei bereits früh damit begonnen worden, Checklisten für kleine Unternehmen und Vereine zu erarbeiten. Ähnliches hätte sich Kopp-Sievers auch von Sachsen-Anhalt gewünscht.

Doch seien die Vereine auch generell mit der Datenschutzgrundverordnung überfordert, sagte Kopp-Sievers: "Ich sehe das bei den Museumsfördervereinen. Das sind Dinge, die werden ehrenamtlich und nebenbei gemacht. Und da ist es schwierig, im Alltagsgeschäft die Datenschutzgrundverordnung immer 1:1 einzuhalten."

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Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. Juni 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2018, 21:27 Uhr

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3 Kommentare

28.06.2018 07:20 Sr.Raul 3

Immer wieder herrlich die humoristischen Einspielungen bei MDR1 Radio S.-A. zu dem komplett überzogenen Schwachsinn. Kompliment!Die Volksmasse gibt ihre Daten fast inflationär freiwillig über Wats-App, Gesichtsbuch etc.pp. preis, bei jedem Einkauf werden irgendwelche Karten gezückt und damit Kaufverhalten gespeichert, aber ständig über Datenschutz palavern. Langsam wird's albern.

27.06.2018 20:51 Christian 2

Ich bin auch gerade dabei unseren Verein der DSGVO anzupassen und kann nur die Hände überm Kopf zusammenschlagen.

27.06.2018 16:10 Hans 1

Datenschutz total. Wunderbar