Jochen Müller, Politikredakteur
MDR SACHSEN-ANHALT-Politikredakteur Jochen Müller Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Einschätzung Poggenburg-Austritt aus der AfD ist "folgerichtige Entscheidung"

Der Landtagsabgeordnete André Poggenburg ist aus der AfD ausgetreten. MDR SACHSEN-ANHALT-Politikredakteur Jochen Müller meint: Das ist eine folgerichtige Entscheidung.

Jochen Müller, Politikredakteur
MDR SACHSEN-ANHALT-Politikredakteur Jochen Müller Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

André Poggenburg ist aus der AfD ausgetreten. Kommt das überraschend?

Jochen Müller: Mich hat das zunächst ein wenig erstaunt, dass das jetzt passiert ist. Wenn man es sich näher überlegt, ist der Austritt aber eine folgerichtige Entscheidung gewesen. André Poggenburg hat seit zwei Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Er hat ein Vokabular genutzt, das haarscharf am Nazi-Jargon vorbeigeschrappt ist. Das hat ihm viel Kritik eingebracht und ihn letztlich beide Ämter in Sachsen-Anhalt gekostet. Poggenburg war ja Vorsitzender des AfD-Landesverbands und der Fraktion in Sachsen-Anhalt.

Und seine öffentlichen Äußerungen haben ihm Kritik eingebracht, auch im AfD-Bundesvorstand. Das hat dann dazu geführt, dass die Luft immer dünner geworden ist – bis der Bundesvorstand diese Woche angekündigt hat, eine Ämtersperre für Poggenburg anzustreben. Er hat jetzt also die Reißleine gezogen und ich glaube nicht, dass das unvorbereitet geschehen ist.

Das bedeutet, er hat schon eine neue Partei gegründet?

Möglicherweise. Jedenfalls hat er über Nacht seinen Facebook- und Twitteraccount geändert. Dort ist jetzt ein Foto zu sehen, auf dem eine blaue Kornblume prangt. Die war in den 1930er-Jahren Symbol der damals noch verbotenen österreichischen Nationalsozialisten. Und diese Kornblume prangt jetzt auf Poggenburgs Twitteraccount – neben dem Logo "AdP", das steht für "Aufbruch deutscher Patrioten". Es spricht also alles dafür, dass Poggenburg dabei ist, eine neue Partei zu gründen – oder sie möglicherweise in den vergangenen Tagen schon mit Getreuen gegründet hat.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Januar 2019 | 08:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2019, 11:25 Uhr

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4 Kommentare

12.01.2019 13:32 nasowasaberauch 4

Der Selbstreinigungsprozeß geht weiter. Luckes alfa war hauptsächlich wirtschaftsliberal, Petry zu früh koalitions-affin, Poggenburg zu rechtsradikal. Bleibt das Fragezeichen hinter Höcke. Diese Ableger von alfa über blau bis Kornblumenblau haben keine Zukunft, weil im politischen Spektrum kein Platz mehr frei ist. Eine CDU/AfD Koalition halte ich unter diesen Voraussetzungen für möglich und in Sachsen für zweckdienlich.

12.01.2019 07:41 Sabrina 3

Hätte er erklärt, die Todesstrafe dürfe kein Tabu sein, dann hätte er von diesem AfD-Vorstand nichts zu befürchten gehabt.
Da werden noch mehr aus der AfD austreten, möglicherweise sogar ganze Landesverbände.

11.01.2019 12:04 winfried 2

Zum Poggenburg-AfD-Parteiaustritt schrieb ich u.a. in einem MDR-Parallelartikel:
"Das lässt (wen?) triumphieren."
Nach lesen DIESES Artikels ist meine Frage z.T. beantwortet.